a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Tag 17855

Irgendwie hatte ich ja Hoffnung. Ich weiß auch nicht warum. Aber nachdem ich durch einen glücklichen Zufall erfahren hatte, dass nun auch endlich die Bayern Ferien haben, da dachte ich mir „Super, während die am Ballermann alle die letzten verbliebenen Hinrzellen abtöten, kann ich endlich in Ruhe einkaufen gehen !“.

Tja, was soll ich sagen: Es gibt Dinge die klappen nicht ganz so wie geplant. Dabei wollte ich doch nur ein paar der Küchenvorratsgläser ersetzen, die ich und die facility managerin haben runterfallen lassen, um anschließend einige viel kleinere und unpraktischere Gläser aufzukehren.

Wer weiss, ich hätte vielleicht vorher besser Ali besuchen sollen – den Gemüsehändler mit angeschlossenem Reisebüro. Denn vermutlich hat die TUI ein „IKEA – all inclusive, 2 Wochen Wohnzimmerabteilung, mit Schwiegereltern, Kinderwagen, Schwippschwager und dem verrückten Onkel, alles zusammen für 99 Euro!“ im Katalog. Oder es gibt ein „Bringen Sie uns alle Ihre Inbusschlüssel – für je 20 Stück erhalten Sie so viele Billy-Regale wie Sie tragen können !“ – Angebot von dem ich nichts wusste. Anders kann ich mir zumindest die bürgerkriegsähnlichen Zustände dort nicht erklären.

Schon beim Reingehen, als ich den kurzen, idiotischen Gedanken hatte, mir erstmal etwas zu trinken zu beschaffen, tobte eine wüste Schlacht rund um die Senf- und Ketchuppullen an der Plastikhotdogschmiede – und ich musste auf dem Absatz kehrt machen.

Während ich jedoch die Rolltreppe hochfuhr sah ich schon, dass es im Heim der wieherndem Köttbullar nicht wesentlich gesitteter zuging – und beschloss, dass so eine leichte Dehydrierung unter dem Strich gesünder sein würde, als sich durch dieses Gehege zu kämpfen.

Ich bog also oben angekommen sofort ab um wieder runter in die Plüsch- und Plunderabteilung zu gelangen, während die Einkaufskompanien vor mir im Unendlichen Labyrinth der Inbusschlüssel verschwanden.

Aber ich bin ja nur alle paar Jahre mal dort, und habe nicht umsonst Valiums im Handschuhfach um sie vorher zu nehmen. Drum ging das Wuhling in der Küchenglasabteilung weitgehend an mir vorbei. Und als irgendeine von der Hitze des Gefechts scheinbar völlig erschöpfte Tante begann, Serviettenpackungen in meine neben mir stehende große gelbe Tüte voller Küchengläser zu schaufeln, entlockte mir das nur ein vergleichweise zahmes „Lindgrün ? Wirklich ? Schatz, Du weißt ich hasse lindgrün !“.

Etwas später an der Kassenschlange der Verdammten angelangt erinnerte ich mich dann dunkel daran, dass die dort doch SB-Kassen haben oder hatten. Scannen, zahlen, gehen. Haben sie noch immer. Und noch immer traut sich scheinbar kaum einer sie zu benutzen, weil dahinter immer eine Mitarbeiterin mit Argusausge darüber wacht, dass man auch alles richtig macht. Und mir wurde klar, ich würde zumindest noch etwas Spaß für mein Geld bekommen.

Denn, scannererfahren wie ich nunmal bin, drehte ich nicht vier gleiche Küchengläser nacheinander auf den Kopf, um jedes einzeln zu scannen, sondern scannte das erste viermal. Schon fühlte ich den heissen Atem der heissen Schwedin in meinem Nacken. Als ich die nächstkleineren drei wieder auf einmal scannte, da spürte ich förmlich die Spannung in der Luft knistern. Doch sie blieb wider Erwarten ruhig. Als ich aber begann, das erste der acht kleinen Gläschen wieder und wieder zu scannen, da brach es aus ihr heraus:

„Sie müssen die einzeln scannen !“

Und ich drehte mich langsam zu ihr um und fragte: „Weil …. ?“

„Weil … Sie sich sonst vertun könnten !“

Ich nickte, drehte mich wieder zurück und scannte das Gläschen in meiner Hand weitere drei mal. Und während ich meine Karte in den Schlitz schob und derweil den ganzen Kram einpackte drehte ich mich zu ihr zurück und meinte: „Na, um wieviel wollen wir wetten ?“. Ich habe nicht genau verstanden was sie vor sich hin gemurmelt hat, es war bestimmt ein alter schwedisch-fränkischer Fluch, und mir werden jetzt Hörner wachsen, oder ein viertes Ohr. Aber sie ließ mich unbehelligt ziehen, um sich auf den nächsten mutigen Scannerartisten vorzubereiten, der in zehn Minuten bestimmt kommen würde.


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Tag 17843

Ich weiß wann es zu warm ist. Auch ohne Thermometer. Ich muss nur in meinen Papierkorb schauen, in dem drei Rechnungen liegen, die ich

  • gemacht
  • verschickt
  • gedruckt
  • gelesen
  • gestöhnt
  • zerrissen
  • korrigiert
  • zurückgerufen
  • nochmal verschickt
  • gedruckt
  • gestöhnt
  • zerrissen
  • korrigert
  • zurückgerufen
  • nochmal verschickt
  • gedruckt
  • nicht mehr gestöhnt
  • aber den verbliebenen Schreibfehler ignoriert

habe.

Ich glaube ich bin jetzt gar, schalte mal einer bitte den Heizstrahler aus und giesst mir bitte eine Pulle Ketchup über den Kopf.

 


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Tag 17811

Laberfahrt. Was ist eine Laberfahrt ? Eine Laberfahrt ist, wenn man Dich bittet den Key-Account-Manager zu seinem Kunden zu begleiten, damit dieser weder Humbug erzählt, noch weisse Elefanten verkauft. Eine prinzipiell gute Einrichtung jemanden mitzunehmen der sich damit auskennt. Eierschaukeln auf hohem Niveau – denn wenn Du gebraucht wirst, tritt man Dich unterm Tisch sanft gegens Schienbein. Ansonsten kannst Du in der Regel kleine Türmchen aus Kaffeesahnendöschen bauen, oder im Kopf irgendwas ganz was anderes konzipieren, bis Dein Einsatz kommt.

Du kennst den Firmennamen des Kunden, seine Produkte siehst Du in jedem zweiten Laden. Was sie eventuell möglicherweise vielleicht haben wollen könnten weißt Du auch grob. Sonst jedoch weißt Du nix.

Aber: Du hast ja noch knapp 3 Stunden Fahrt, wo Dich der KAM währenddessen briefen kann. Klassisches Gewinnersetup. Funktioniert auch sehr zuverlässig. Meistens.

Du hast Dir also Lärmmaschinen gestellt für 06:00, 06:15 und 06:30 in der Annahme, irgendwas von dem infernalischen Krach wird Dich hoffentlich aus dem Schlummer holen. Natürlich, wenn Du da schon mal dran denkst, dann stehst Du um 06:00 Uhr senkrecht im Bett. Während Du langsam versuchst, Deinen Namen zu buchstabieren und Dir zu überlegen wieviel Schuhe der Mensch so anhaben sollte planst Du, zwei von drei Stunden der Fahrt auf dem Beifahrersitz zu verschlummern und Dich nur mit Infos berieseln zu lassen.

Kurz vor 7 schleppst Du Dich voller Elan ins Raumschiff um Dich mit dem KAM zu treffen. Gerade als Du losgefahren bist klingelt das Mäuseklavier. KAMs Cheffe ist dran. Der KAM sei ein Bazillenmutterschiff und ausserstande, sich irgendwo anders hin zu bewegen als wieder zurück ins Bett. Wahrscheinlich Todesschnupfen. Du müsstest das alleine stemmen. Du kicherst in Dich hinein – genau das hattest Du von Anfang an vorgeschlagen und alle tönten „neineinein, der KAM muss da mit!“. KAMs Cheffe kann Dir immerhin schon mal sagen, wie die Stadt heißt, in die Du nun wirst selber kutschen müssen. Die Adresse wird er Dir später durchgeben können. Von den Teilnehmern kennt er exakt einen und hat auch keinen Schimmer, wie groß die Runde denn zu werden gedenkt. Oder wie viel Zeit sie haben werden.

Das ist der Moment wo Du intensiv den Himmel absuchst, ob der grosse Kürbis Dir gerade durch den Hochnebel hindurch den Finger zeigt. Du bist überrascht wieviele Hände er hat. Dann betankst Du das Raumschiff.

Du bekommst die Adresse genau in dem Moment, als Du ins Werksgelände einbiegst. Bist jedoch positiv überrascht. Grosser Besprechungsraum. Beamer nicht nur da, sondern auch angeschlossen. Butterbrezen, Kaffee – wenn man jetzt noch wüsste worum es geht, beinahe ideal. Du benutzt die Viertelstunde die Du zu früh da bist mehr oder weniger, um zu frühstücken.

Dann laufen die ersten Gladiatoren ein. Und noch ein paar. Und noch ein paar. Irgendwann denkst Du Dir „hossa, kommt da noch eine Vor-Band vor der show, oder bin etwa ICH die Vor-Band ?“

Es kommt keine Vor-Band. Mangels weiterer Info spulst Du Dein Standardprogramm runter. Aufmerksames Schweigen, interessierte Zwischenfragen, Du merkst Du liegst wohl nicht völlig neben der Spur, alles ist gut. Aber nach einer guten Stunde bist Du fast durch und beginnst aufmerksam in die Runde zu schauen, ob sie schon mit den Hufen scharren, oder ob sie Zeit haben. Zeit ist scheinbar kein Thema. Also flichst Du an gewissen Stellen dezente Hinweise in Nebensätze ein, was man noch alles so machen könnte. Wenige Minuten später ist Dir klar: Dir kann völlig egal sein wie viel Zeit sie haben, sie wird niemals reichen. open the flood gates, wir spielen ab jetzt nicht mehr vom Blatt, sondern wir komponieren und improvisieren Zugaben.

Am Ende ist das Display von „Jaws“ mit lauter digitalen gelben Notizzetteln gepflastert auf denen Du versucht hast, zumindest die Stichpunkte der ganzen Traumsequenzen zu notieren.

Mit einem Pappmaul steigst Du zwei Stunden später zufrieden erneut ins Raumschiff und versuchst, den dunkelschwarzen Wolken davon zu fahren. Das wird wieder so ein „mit Allem, zum Mitnehmen bitte“ – Projekt werden, das ist Dir klar.

 


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Tag 17806

Wir versenken also Kähne am Deichbruch bei Fischbeck, um das Wasser einzudämmen. Nicht die schlechteste aller Ideen, gibt es der eher öden Gegend doch zumindest ein künftiges Ausflugsziel. Und wenn sie doch weg schwimmen spielt man eben später „Such den Kahn !“ oder „Mami, da steht ein Boot im Flur“. Da haben wir schon weit Blöderes versucht, das kann man machen.

Aber: Um die Ritzen dazwischen abzudichten, werfen wir BIGBAGs daneben, darauf, davor.

„Discover: B. I. G. B. A. G.

Say it: Bigbag“

Sprecht mir nach, Ihr Aushilfsjournalisten:  Das Ding heißt BIGBAG. Es heißt nicht Bigpack. Und wie man sich neue Worte einprägt, das wisst Ihr doch seit Limp Bizkit hoffentlich, haben sie Euch doch vor zehn Jahren beigebracht.

Allenfalls heißt es noch FIBC, flexible intermediate bulk container, oder für die vollkommen Unterbelichteten unter Euch Aushilfsgesindel mit Presseausweis, also die Mehrheit: faltbarer Behälter zum Zwischenlagern von Schüttgut. Wird langsam Licht ? Fein. Denn auch wenn es Euch nicht auffällt, aber wir werfen da keine viel zu großen und viel zu schweren Rucksäcke mit Käsestullen und harten Eiern für eine Kompanie in die Fluten, sondern Thermoplastbehälter mit einer Tonne Sand oder Kies.

Ich weiß nicht wer von Euch Hornochsen als erster Dreck in den Ohren hatte und Bigpack gesagt hat. Aber mittlerweile ist es wie Denguefieber, und man hört kaum noch was anderes. Ist Denguefieber eigentlich heilbar ? Falls nicht, dann gäbe das zumindest ein wenig Hoffnung…

Hinweis: Dass es bei der allwissenden Müllhalde fünf Bilder unter dem falschen Begriff gibt, sollte Euch nicht davon abhalten das, oder bei Sprachschwäche notfalls das, mal flott anzuclicken. Um wenigstens eine grobe Ahnung zu haben, was Ihr da stündlich in den Nachrichten vorlest. Sowas schadet nie.


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Tag 17802

Da fährst du an den einzigen Punkt in der Republik, von dem Du eben nicht notfalls in den Rest der Welt schauen kannst. Die digitale Hölle.

Packst deinen Scheiss aus, und baust den Elektroschrottladen mit Hilfe von ein paar Kilometern Kabel und Netzteilen um.

Natürlich ist das Testsystem nicht pünktlich geliefert und aufgebaut worden. Sondern wie mit dem Bagger hingekippt, und äusserst kreativ verkabelt.

Natürlich ist das Testsystem nicht auf dem Ausgabestand des Produktivsystems. Also spielst Du erstmal stundenlang Versionsmemory –  finde zwei gleiche – damit die Tests wenigstens halbwegs der Realität entsprechen können.

Natürlich ist die Simulation für die ganze Anlagenperipherie – die ja nicht am Testsystem hängt – nicht mal halb fertig. Die ersten Aufträge laufen also einer nach dem anderen in Anlauffehler, weil alle Waagen Gewicht 0 haben, und alle Dosierungen von Komponenten nix in ihren Rohwarenzellen finden. Ja wie auch, wenn man nix simuliert.

Du wütest mit dem digitalen Hammer und kloppst fluchend nacheinander alles das grade, was Du brauchst.

Der Tag ist halb rum. Du hast noch nix geschafft. Du startest wieder mal einen Auftrag und wartest auf die nächste virtuelle Blähung der simulierten Anlage. Dein Blick geht durch die Betondecken hindurch zum grossen Kürbis – Du meinst ihn ganz leise kichern zu hören.

Aber … der Auftrag läuft. Du siehst völlig versteinert zu. Solange, bis er sich von selber beendet, weil fertig.  Wer konnte denn damit rechnen.

Und … er bucht. Dir fallen spontan die beiden Chili-Cheese aus dem Gesicht, die Dein Frühstück/Mittagessen waren.

Du untersuchst den fensterlosen Raum geschwind auf Kameras – und als Du keine findest, führst Du einen total peinlichen Siegestanz auf und summst die Titelmelodie vom A-Team.

In diesem Moment, keine 30 Sekunden später, erinnert sich der grosse Kürbis an Dich. Und läßt Dein Mäuseklavier wild klingelnd vom Tisch hupfen.

Alpha und Beta, die beiden rachitischen Server von der Baustelle aus dem letzten Jahrtausend, sind dran.

Cheffe hat ein dicker-Daumen-Problem gehabt. Und mit ein paar clicks sein komplettes Lager geleert, bis auf fünf Paletten von irgendwas, das keiner braucht. Du schaust auf die Uhr. Hmm, joah. Normale Menschen machen jetzt Feierabend. Sie setzen sich in den Biergarten und kippen sich ein wohlverdientes Radler in die Rüstung, oder zwei oder drei. Du hingegen setzt Dich ins Auto und fährst spasseshalber einfach nochmal 100 Kilometer weiter. Machst irgendwo auf der Autobahn einen Hirnreset, um Dich ins richtige mindset zu bringen für den baldigen Besuch in Stonehenge.

Rettest die Welt in achtzehn Zeilen SQL, und erntest grosses Frohlocken.

Auf der Rückfahrt musst Du Dich furchtbar konzentrieren, um nicht den gewohnten Weg nach Hause zu wählen, sondern den anderen, zurück in die Hölle. Du kommst zurück und bestellst mit nur wenigen Stunden Verzögerung bei der sichtlich überraschten Bedienung direkt zwei Radler. Du möchstest gerne beidhändig trinken. Du gibst jedoch keine Erklärung ab. Erst in dem Moment, als sie Dir das erste davon auf die Hose und die Schuhe kippt erklärst Du ihr, dass Du das vorhergesehen hättest, was ihre Überraschung noch weiter steigert. Sie wird Dich ziemlich sicher nie vergessen.


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Tag 17788

Da stehst Du im Dunkelfinstren um sieben auf. Wirfst ein verschwollenes Auge nach draussen und siehst … nix. Nicht das Nebenhaus, nicht den Weihnachtsbaum, den Du vorsichtshalber gekauft und auf die Terrasse gestellt hast. Denn Du wohnst heute in einem Topf Milchreis. Es hat kuschelige vier Grad.

Fährst kurze Zeit später zwei Stunden blind in die Richtung, in der Du Frankfurt vermutest, stellst den Autopiloten an, und hältst Dich kramphaft an einem Eimer Kaffee fest um in der Gegend von Würzburg wenigstens zu wissen wie Du heißt.

Triffst Dich mit den Rittern der Schwafelrunde um zu klären, welche Fliege welche besteigt. Hattest zwischen Würzburg und Frankfurt für Dich schon eine Begattungsreihenfolge gefunden, aber nix Genaues weiß man nicht. Natürlich stellt sich raus, dass Fliege B Fliege A besteigt. quelle surpise.

Schlägst drei Kreuze als das nach drei Stunden geklärt ist. Rufst den Praktiker aus der Instandhaltung an, weil Du ihm was anderes zeigen willst, das er braucht, will, und in drei Wochen hoffentlich dann endlich bekommen wird. Und was macht der ?

Kommt vorbei, ist angetan, und bringt Dir zum Dank Deine seit zwei Wochen vermisste Sonnenbrille mit, die Du beim letzten Mal vergessen hattest !

Ich hatte die komplette Hütte auf den Kopf gestellt, Dinge gefunden die ich nieeeemals gesucht habe, und mich damit abgefunden eine neue zu kaufen … also nächtes Jahr, falls da so etwas Ähnliches wie Frühling stattfinden sollte.

Und dann ist es kurz vor zwei, Du stiefelst aus den dunklen, heissen Hallen nach draussen und stehst … im Sommer. 20 Grad. Brutalstmögliche Sonne. Du reisst fieberhaft die obersten Klamottenschichten runter und drückst den ‚Dach auf‘ – Knopp im Raumschiff durchs Armaturenbrett. Die Cokepulle im Halter köchelt fröhlich vor sich hin, der Rest Kaffee vom Morgen im anderen Halter ist vermutlich wärmer als je zuvor.

Ok, der Schal liegt zwar auf der A73, aber wenigstens die standesgemässe Joe-Cool-Sonnenbrille ist wieder da ! So sieht ein guter Tag aus !


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Tag 17783

Nun muss ich Antonio Stracciatello schon wieder trösten. Dabei ist es ohnehin so schwer, einen tödlich leidenden Südländer zu beruhigen, ohne ihn über den Haufen zu schiessen. Aber was willst Du machen.

Dabei saß der arme Antonio erst vor nicht mal zwei Wochen auf meinen Stufen und heulte mir den Rhododendron nass. Denn die EU-Kommission hatte in ihrer grenzenlosen Weisheit eines der dringendsten Probleme des Staatenbunds endlich einer Lösung zugeführt: Die Olivenölkännchen in seiner Trattoria sollten Einwegfläschchen weichen. Weil, weil, weil … keine Ahnung, ich war schon bei der Überschrift lachend zusammengebochen und musste mich den ganzen Abend über furchtbar beherrschen, das nicht zu zeigen.

Denn auch wenn der freundliche Mafioso von nebenan keine Bedenken hat, das Eiscafe seiner Gegenspieler einem warmen Abbruch zuzuführen, oder seinen Besitzer mit Zementsocken im Teich zu versenken – vor der Bürokratie hat er einen Heidenrespekt. Und so klagte Antonio mir sein Leid. Und wir brauchten eine Pulle Limoncello (und 17 Beruhigungsbiere um den widerlichen Geschmack wieder weg zu kriegen) und eine Schubkarre, um ihn nach Hause zu bringen.

Vorhin jedoch, als ich gerade von der Besichtigung einer „wunderschönen 5 1/2 Zimmerwohnung in bester Lage“ wiederkehrte – bei der nur vergessen wurde zu erwähnen, dass sie einen eigenen Autobahnanschluss hat – saß er wieder vor der Tür und rief klagend sämtliche Heiligen an, während er mir verzweifelt ein leeres Ölkännchen aus der Trattoria hin hielt.

Denn es war geschehen was niemand mehr zu träumen gewagt hatte: Das verantwortliche Arschloch bei der EU hat tatsächlich auf irgendwelchen Umwegen mitbekommen, dass sein Vorschlag irgendwie nicht so begeistert aufgenommen wurde wie er annahm – und ihn bestürzt zurückgezogen.

Doch Antonio hatte die drohende Verordnung bereits vorsorglich umgesetzt. Er muss jetzt nicht nur neues Öl für die Kännchen kaufen. Er braucht auch einen neuen Fiat. Sein alter fährt nicht mehr so gut, seit er alle Kännchen in den Tank geleert hat. Das mit dem Unterschied zwischen Frittenfett und Olivenöl hat er nicht so drauf … „isse Öl, oder ?“

Und ich muss jetzt Bier holen – es könnte heute wieder etwas länger werden, und er hat wieder eine Pulle Limoncello dabei. Und ich darf wieder den ganzen Abend nicht lachen. Solltet ihr nix mehr hören, fragt Antonio wo ich bin.


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Tag 17767

Das Unterbewusstsein ist eine doch feine Sache.

Palaver bei den Rittern der Schwafelrunde. Blauäugig von den Rittern gedacht als “ ach geht ja sicher fix, zwei Stunden und wir sind durch“ weiß der erfahrene Pixelschubbser, dass es in Wahrheit ein klassischer Snickers-Termin ist, aus der Reihe „wenn’s mal wieder länger dauert“.

Leider nicht ganz pünktlich dort angekommen.

Sondern vier Stunden … zu früh! 10:00 Uhr statt 14:00 Uhr. Whoops, scheinbar eine klitzekleine Bregenpanne beim Umherschieben der ganzen Termine im großen Kalender-Tetris. Oder der große Kürbis hatte mir ganz hinterlistig einen Löffel weiser Voraussicht in den Kaffee gerührt. Man weiß es nicht.

Folglich die ganze Bande mit der vorzeitigen Ankunft komplett in Aufruhr versetzt – Planungen für den Tag wurden geändert, Besprechungen verschoben, abgesagt, die handys glühten. Sehr nett, sehr flexibel. Und wir haben kurz nach 10 voller Elan angefangen.

Gegen 13:00 Uhr hatte ich ein Pappmaul. Denn irgendwie war die Veranstaltung auf mysteriösem Weg wieder zu einer Kinovorführung mutiert.

Gegen 14:00 Uhr waren wir dann bei der elementaren Frage, ob dies und jenes blau oder grün sein soll. BTW: Wie zur Hölle haben wir eigentlich damals ™ überlebt, als es noch keine Beamer gab, mit denen man bereits die in bits gekloppte halbfertige Weisheit der Welt zeigen und mit sechs Journalisten aus sieben Ländern drüber diskutieren konnte ? Irgendwie war diese Welt schön. Denn dass es in Wahrheit hellgrau auf dunkelgrau ist merkten sie ja erst bei der Abnahme Monate später. Das hat irgendwie viel Zeit gespart.

Gegen 16:30 Uhr dann merkte der Chef an, dass meine verfrühte Ankunft gar nicht mal so schlecht gewesen sei. Denn bei pünktlichem Beginn wäre es jetzt bereits halb zehn am Abend. Und man hätte noch zwei Stunden zu tun.

Gegen 18:00 Uhr hatten wir uns dann geeinigt.

Es wird blau. Tardis-blau. Because i’m the doctor. I am definately a mad man with a box.

 


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Tag 17757

Heute in die andere Richtung gegurkt, Verabschiedung des allwissenden Faktotums beim Lieblingskunden in den wohlverdienten Ruhestand.

Im Kaff große Blumenrallye gefahren. Gehört sich ja schließlich, ein Bündel sorgsam arrangiertes und verpacktes Drachenfutter mitzubringen, wenn man als Lieferant schon zum Abschiedsgrillen eingeladen wird. Und im Kofferraum nur Kakteen die Fahrt überleben würden. Also dreimal mit kreischenden Reifen angehalten um eine vorbeilaufende Dame nach einem Gemüseladen am Ort zu fragen.

Großer Fehler. Hätte nach deren Beschreibungen einen Notizblock gebraucht. Und einen Kompass. Und einen Pass. Und ein Flugzeug. Dabei ist das ganze Kaff so klein dass eine von den dreien garantiert mit dem Inhaber verwandt sein muss.

Also mitten auf den Marktplatz gefahren und den ersten Kerl gefragt der so aussieht als hätte er schon mal einen Riechbesen gekauft: „Mahlzeit, ’ne Idee wo’n Blumenladen sein könnte ?“ „500 Meter, rechts, links, hat über Mittag auf.“ „Danke !“.

Nun ist Riechbesenzusammenstecken eine handwerkliche Tätigkeit, die volle Konzentration erfordert. Mitten in der gefühlten halben Stunde höre ich ein lautes *dongschrappknirsch* hereinkommen und mache mich besorgt auf den Weg nach draussen.

Mutti hat ihrem Flugzeugträger neben mir eingeparkt. Und obwohl sie in ihrem Pampersbomber ja nu wirklich weit oben sitzt den riesigen Betonblumenkübel vor dem Laden einen guten halben Meter versetzt.

Ich sehe sie in dem Moment als sie aussteigt und mir die Kante der Tür in den Kotflügel rammt.

ToDo:

– Smartrepairfritzen aufsuchen damit er die Delle rausmassiert. Ist Kurzwahltaste fünf. Das war jetzt die dritte Mutti in fünf Monaten.

Ich bin ja nur froh dass Ihr so viel aufmerksamer fahrt als wir Männer 😉


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Tag 17756

„Sind Sie sich sicher, bis KW 17 fertig zu sein ?“ fragte ich die Blechpatscher.

„Ja, kein Problem ! KW 16 machen wir E/A-Tests, KW 17 geht’s dann los.“

Den Montag in weiser Voraussicht gleich selber gestrichen und erst abends angereist. Man hat ja eine gewisse Grunderfahrung.

Am Dienstag früh dann den Oberblechpatscher gegriffen und interviewt.

„Na, wie schaut’s aus, legen wir los ?“

„Naja, ja, hmm, nee,  <insert half an hour Blechpatschertechnobabble>, aber Mittwoch nachmittag könnten wir unter Umständen vielleicht so ein bisschen …“

Also haben wir, ein bisschen. Eigentlich haben wir genau das gemacht, was wir vor ein paar Wochen im Schnittstellentest auch schon gemacht hatten. Und in zwei Wochen treffen wir uns wieder.

Manche fliegen nach Paris um gut zu essen. Ich fahre an den Dodesstreifn ™. Um die ersten butterzarten Filets vom Grill im Garten zu essen. Und den ersten leichten Sonnenbrand auf der Stirn zu haben … von der Rückfahrt.

Merken: Die Winterschuhe müssen vom Raumschiff. Das Raumschiff muss zum ersten Service.

Gelernt: A70 vermeiden, Riesenbaustelle. Mindestens so lang wie die auf der A9 in Thüringen, wo nur knapp 24 Jahre nach der Eingemeindung seit über einem Jahr das „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ (und somit der Ersatz einer Betonpiste, zweispurig, ohne Standstreifen) mit dem enormen Einsatz von zwei rachitischen Baggern und drei einarmigen Arbeiterdenkmälern energisch vorangetrieben wird.

Wettangebot: die A70 wird früher fertig werden als die A9. Weit früher. Und vorher mindestens noch einmal neu asphaltiert. Nachdem sie sich die Zeit genommen haben sie achtzehnspurig zu machen, sie komplett zu überdachen und just for fun einen Looping reinzubauen.