a life less ordinary ?

the egghead diaries

Tag 17802

2 Kommentare

Da fährst du an den einzigen Punkt in der Republik, von dem Du eben nicht notfalls in den Rest der Welt schauen kannst. Die digitale Hölle.

Packst deinen Scheiss aus, und baust den Elektroschrottladen mit Hilfe von ein paar Kilometern Kabel und Netzteilen um.

Natürlich ist das Testsystem nicht pünktlich geliefert und aufgebaut worden. Sondern wie mit dem Bagger hingekippt, und äusserst kreativ verkabelt.

Natürlich ist das Testsystem nicht auf dem Ausgabestand des Produktivsystems. Also spielst Du erstmal stundenlang Versionsmemory –  finde zwei gleiche – damit die Tests wenigstens halbwegs der Realität entsprechen können.

Natürlich ist die Simulation für die ganze Anlagenperipherie – die ja nicht am Testsystem hängt – nicht mal halb fertig. Die ersten Aufträge laufen also einer nach dem anderen in Anlauffehler, weil alle Waagen Gewicht 0 haben, und alle Dosierungen von Komponenten nix in ihren Rohwarenzellen finden. Ja wie auch, wenn man nix simuliert.

Du wütest mit dem digitalen Hammer und kloppst fluchend nacheinander alles das grade, was Du brauchst.

Der Tag ist halb rum. Du hast noch nix geschafft. Du startest wieder mal einen Auftrag und wartest auf die nächste virtuelle Blähung der simulierten Anlage. Dein Blick geht durch die Betondecken hindurch zum grossen Kürbis – Du meinst ihn ganz leise kichern zu hören.

Aber … der Auftrag läuft. Du siehst völlig versteinert zu. Solange, bis er sich von selber beendet, weil fertig.  Wer konnte denn damit rechnen.

Und … er bucht. Dir fallen spontan die beiden Chili-Cheese aus dem Gesicht, die Dein Frühstück/Mittagessen waren.

Du untersuchst den fensterlosen Raum geschwind auf Kameras – und als Du keine findest, führst Du einen total peinlichen Siegestanz auf und summst die Titelmelodie vom A-Team.

In diesem Moment, keine 30 Sekunden später, erinnert sich der grosse Kürbis an Dich. Und läßt Dein Mäuseklavier wild klingelnd vom Tisch hupfen.

Alpha und Beta, die beiden rachitischen Server von der Baustelle aus dem letzten Jahrtausend, sind dran.

Cheffe hat ein dicker-Daumen-Problem gehabt. Und mit ein paar clicks sein komplettes Lager geleert, bis auf fünf Paletten von irgendwas, das keiner braucht. Du schaust auf die Uhr. Hmm, joah. Normale Menschen machen jetzt Feierabend. Sie setzen sich in den Biergarten und kippen sich ein wohlverdientes Radler in die Rüstung, oder zwei oder drei. Du hingegen setzt Dich ins Auto und fährst spasseshalber einfach nochmal 100 Kilometer weiter. Machst irgendwo auf der Autobahn einen Hirnreset, um Dich ins richtige mindset zu bringen für den baldigen Besuch in Stonehenge.

Rettest die Welt in achtzehn Zeilen SQL, und erntest grosses Frohlocken.

Auf der Rückfahrt musst Du Dich furchtbar konzentrieren, um nicht den gewohnten Weg nach Hause zu wählen, sondern den anderen, zurück in die Hölle. Du kommst zurück und bestellst mit nur wenigen Stunden Verzögerung bei der sichtlich überraschten Bedienung direkt zwei Radler. Du möchstest gerne beidhändig trinken. Du gibst jedoch keine Erklärung ab. Erst in dem Moment, als sie Dir das erste davon auf die Hose und die Schuhe kippt erklärst Du ihr, dass Du das vorhergesehen hättest, was ihre Überraschung noch weiter steigert. Sie wird Dich ziemlich sicher nie vergessen.

2 Kommentare zu “Tag 17802

  1. Well, hattest wohl Glueck und Pech gleichzeitig (wie eigentlich haeufig im Leben – man ist nur blind und sieht/zaehlt meist nur EINEN von den beiden!) als Duo durch Dein Leben ‚tanzen‘, was?
    Wenigstens. KsD, wohl in der richtige(re)n Verteilung, von wer von ihnen welchen ‚Job‘ uebernahm.
    Die Radler auf der Hose ist zwar nicht angenehm, koennte aber noch schlimmer sein: Winter; nur allg. eine Eintagesreise und keine Austauschklamotten dabei ect. ?
    Vielleicht war’s auch nur ein Flirt-Versuch – hast Du guuuut hingeguckt?
    Denn auch ich muss gestehen, dass ich den Kellner in Mailand auch nicht vergessen werde, welcher auf mein „Mille grazie“ langsam das noch Tischtuch zurechtzupfend meinte „prego quinque mille“.
    Ausserdem auch nicht den jungen Herrn am Fruehstuecksbuffett im Marriott in Wien, welcher mir tagelang wohl immer zuhoerte, wenn ich mich bei den ersten Bissen meines Fruehstueckes staendig ‚verhustete‘ um dann eines Tages ‚out of the blue‘ suess laechelnd aber ansonsten Kommentarlos mir extrem liebevoll ein Glas Wasser vor die Nase zu stellen und selbiges von dort dann noch mit zwei kurzen weiteren Schueben mir noch naeher in meine ‚persoenliche Privat-Sphaere‘ stellte.
    Needless to say, dass ich ‚dieses‘ Kerlchen von da an jeeeden Tag zumindest sehr freundlich gruessend ‚zur Kenntnis‘ nahm obwohl sonst niiie gesehen (Inkl. dann bei der Ver-, aehem, Be-Urteilung herausstellte) !
    😉

  2. Nachtrag:
    nachdem es mich hier heute ordentlich einregnet und darum meine eigenen flottere Tanz-Sport-Versionen ein absolutes MUSS sind (da keine Lust auf 3x tgl. umziehen bei Nasswetter und wenn Arbeit outdoors nicht lebenswichtig ist) ist mir Dein Post noch grinsend eingefallen:
    Wirst Du jetzt wohl doch – auch – ‚reif‘ fuer Island-Bench-Dances? Freudentaenze – egal welcher ‚Frosch-im-Mixer‘ Stil (so im Mai einmal bei einem befreundeten Blog beschriebener Tanzstil 😉 )?

    Na ja, egal wie hier gleich die Hoffnungen vieler Maedels fuer Dich als brauchbarer, zukuenftiger Tanzpartner, hochschiessen: Island Bench (‚a la Chef‘ als Stolperkasten in der Mitte der Kueche*) ist trotzdem nicht schlecht:
    Grund:
    a) tanzen = keine weitere Erklaerung noetig

    b) bei gemeinsamem Kochen kann man sehr gut und schnell unkontrollierbaren und unerwarteten Bewegungen der jeweiligen in ‚Chef und Sous Chef‘ verpflichteten Rollenbesitzer aus dem Weg gehen

    c) ich persoenlich finde sie Diskussionsfoerdernd hilfreich bei Ehe-Kraechen. Vor allem so lange auch noch irgendwas Zerbrechliches auf den Dingern aufgebaut ist, bzw. sie hoeher sind, als der maennliche Partner notfalls mit Hechtsprung drueber temperamentvoll eine von der weiblichen Seite angesetzte Jagd waehrend der Diskussion abzukuerzen faehig ist. Tische – egal wie solide – sind hierzu leider nicht so gut geeignet, weil sie eher zum Gegenteil benutzt werden: als Flucht-Barriere mitunter gegen einen geschoben und man kann damit nur schneller in eine Ecke ge-cornered werden!
    Darum meine fast ‚gesetzliche Bau-Vorschrift‘: Island Bench! 😉 😀

    Uebrigends: wehr‘ Dich spaeter mal, wenn ‚Frosch-im-Mixer-Stil‘ womoeglich behauptet und/oder angekreidet wird und ausgelacht! Auslachen ist nur erlaubt, wenn mit anlachen und anflirten und/oder wenigstens dann wieder ‚i.O.-Kuschel-Arbeit‘ verbunden! Aaalle Menschen haben ihren eigenen ‚Choreografie-Stil‘ – deswegen wurden Tanzkurse erfunden, um diese Sache auf einen einheitlich verstaendlichen Nenner von ‚Obedience‘ zu bringen! Dies mal Dir gleich indoktriniert, zur Vermeidung aehnlichen Leidens, wie dies mein Vater leider durchzustehen hatte!

    LG, G.

    * Hubby gerade am Herausfinden, wie er wieder seine gewohnten Kick-Plate-Schubladen; Doppel-Schiebe-Einlagen in Schublaeden sowie ein eigenes Muelleimer-Kabinet kriegt, welches sich durch Fusstritt eines Oeffnungsmechanismus vor dem Kick-Plate (Sockelleiste ?) selbst oeffnet und einem die Haende frei laesst.
    Well, well – manchmal ist Bauen from scratch doch nicht so unsinnig; d.h.: Dir selbst das groesste Daumendrueck fuer ein gutes Gelingen Deiner Plaene diesbezueglich!

    Btw: Dienstreise-Erschwerniss-Konditionen z.K. genommen – kein RSVP erwartet!

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