a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Erfolgreicher Tag

Prolog: Chefchen ruft den BL in seinem Urlaub an, und bläst ihm den Schuh auf.

Freitag ruft mich BL panisch an: „wir müssen am Montag dringend reden“ höre ich aus dem Schwall an Worten raus.

„Bleib ganz ruhig, das machen wir schon, wir sehen uns Montag.“

Mein großer Vorteil gegenüber den Einheimischen ist, dass ich

a) mir Sachen merke (was gelogen ist, ohne den Huawei-Klodeckel wäre ich genau so planlos wie die alle sind)

b) dank des Klodeckels dran erinnert werde, andere Leute dran zu erinnern dass sie noch Arbeit haben und was denn damit nu sei

c) genug Projektmanagement gemacht habe und alt genug bin, um nicht in Panik zu verfallen, nur weil Chefchen oder sonstwem mal ein Furz quer liegt –  die leben alle nur vom Flurfunk, und die Wahrheit sagt ihnen ja keiner

d) ich es in meinem Sandkasten (in weiser Voraussicht wie ich betonen möchte) vor acht Wochen die tägliche Erhebung einiger KPIs angeleiert/eingefordert habe, weil mir die Schei**hausparolen im Flurfunk schon nach vier Wochen auf den Keks gegangen waren und ich sie (gegen Widerstände: „noch mehr aufschreiben ? Och menno“) durchgesetzt  habe.

Und Heute ? Heute habe ich die Ernte eingefahren. Und allen gesagt: „Genau für solche Tage wie heute habt Ihr den Scheiss jeden Tag gemacht weil ohne Zahlen wären wir jetzt im Arsch“

Natürlich hat keine der anderen Abteilungen im Weltkonzern mit Garagenflair vergleichbare Zahlen. Nur wir haben sie.

Natürlich hat keine der anderen Abteilungen die Zahlen aus zwei unterschiedlichen Quellen ermittelt und oh Wunder: sie decken sich sogar.

Also ließ ich Chefchen nicht im mindesten aufgeregt erstmal kommen. „Na was ist los, was drückt Dich grade?“ schien mir als Einleitung geeignet.

Eine Viertelstunde später wusste ich ungeheuer viele Dinge die sehr interessant waren, uns aber maximal peripher tangieren –  wenn man ganz stark schielt. Aber darüber gesprochen hatten wir, raus war es, der Druck war vom Kessel.

„Gut, ok“ sagte ich „verlassen wir mal kurz das allgemeine Jammertal, schauen wir uns doch mal ein paar Zahlen an, ok ?“.

Eine weitere Viertelstunde später schloß ich mit den Worten: „Tjo, näh, also so wie ich das sehe ist der Haufen hier genauso beschissen wie jeder andere Haufen hier, aber keinen Deut beschissener.“ Ein sehr offenes Gespräch wie gesagt, weil der BL der Abteilung war ja dabei.

Sein Vorschlag, die BLs alle rauszuschmeissen ist zwar prinzipiell keine ganz schlechte Idee … mein Argument dass er dann aber andere braucht weil er etliche hundert Leute sicher nicht selber wird führen wollen, führte dann aber doch dazu, dass wir lieber ernsthaftere Alternativen betrachten wollten.

Und als wir ihm dann noch unsere Vorschläge präsentiert hatten die zwar alle nicht die Welt retten aber zumindest Schritte in die richtige Richtung sind bzw. zu sein scheinen, schien die Welt wieder gut.

Dass wir unsere Hausaufgaben sehr wohl machen hat er später gesehen als ich ihm späterr kurz die Halle gezeigt habe… „guck mal hier, ach ja, und da noch .. ach weißt Du was der Rest ist unwichtig“.

Anschließend spielte ich noch eine Runde „Du erinnerst Dich, ich habe Dir gesagt, dass …“ und eine kurze Partie „Entweder schaue ich in die anderen Abteilungen so rein wie ich hier rein geschaut habe, oder jemand anderer, mir egal, aber indifferentes Rumkloppen auf dem Sandkasten hier muss nach den Zahlen die Du grade gesehen hast sofort aufhören weil nicht gerechtfertigt“.

Ein kurzes Abwehrgefecht später schien Chefchen dann sturmreif. „Na gut, machen wir, schau mal rein“ meinte er und ich sah ihm an dass er die Arbeit die damit auf ihn zukommt durchaus sieht, aber scheut. Nur er wäre nicht Chefchen geworden wenn er gegenüber logischen Argumenten und glasharten Fakten nicht aufgeschlossen wäre.

Ich kann ihn verstehen und so paradox es klingt: Auch ich sehne mich nach nichts weniger als das mit den anderen Truppen erneut von vorne weg durchzuspielen –  eine kleine Stimme in mir schreit ständig „Murmeltiertag ! Murmeltiertag !“, aber es ist nicht nur mein Job, viel schlimmer ist dass ich denke es ist richtig und gut. Weil so ein bisschen sind mir die maulfaulen Holzköppe mittlerweile ja doch ans Herz gewachsen.

Und somit war es mir ein immenses Vergnügen (und ein innerer Reichsparteitag) ihn drei Stunden später zu verabschieden im Wissen „ok, Du hast die Kuh vom Eis geholt“, „er hat gesehen wofür er Deine Rechnung bezahlt“ und der unausgesprochenen Warnung „wenn die anderen BLs versuchen mit mir Bullshit-Bingo zu spielen dann lernen sie mich kennen“. Und die miese Laune die er seit letztem Freitag kultiviert hatte, die schien auch verflogen.

Danach noch eine weitere Kuh mit der ERP vom Eis geschoben (wieso stehen eigentlich alle Kühe immer auf Eis ?) –  und einen kleinen Berg von Double-Schoko-Magnums mit rüber ins Terrarium der ERP getragen … ein angeblicher Frauenversteher (nicht meine Worte !!) macht sowas einfach … und zwar weil es wirkt 😉

 

 

 


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Erklärbär

An sich macht es ja Spass. Wenn Du aber um 10 bei ca. 34 Grad (um die Uhrzeit !) ,und nicht mal einem Eichhörnchenfurz der die Blätter bewegt, dem Chefchen sagen sollst was er eh schon weiss (nur nicht wahr haben will denn das macht ihm Arbeit), dann laufen Dinge anders:

  • Du gibst ein Stichwort
  • Chefchen nickt, versucht nicht mal ernsthaft sich zu verteidigen
  • Du gibst das nächste Stichwort und versuchst in möglichst kurzen Worten zu erläutern was das Problem Deiner Meinung ist, weil lange Sätze kriegst Du selber gar nicht zusammen … und er schaut aus als würde er sie auch gar nicht mehr aufnehmen können
  • Du streichst die Punkte 3 bis 10 ersatzlos und hoffst, dass wenigstens Punkt 1 oder Punkt 2 behalten und in Aktion umgesetzt wird.

Nächste Woche ist Lernzielkontrolle. Schau mer mal ob sein Gedächtnis besser ist als mein Klodeckel (= extended memory).

Note to self: Die nächte Besprechung machen mir am besten morgens von vier bis sechs … wenn wir aufwachen und auch wissen wie wir heissen.

Achso: Note to self: Fahr niemals mehr an die See, während dort tropischer Sommer ist. Nimm keine Aufträge an wenn Du absehen kannst Du wirst sie abwickeln müssen in der allergrößten Hitze. Und nein, heimzufahren aus der Vorhölle in ‚kalte‘ 25 Grad hilft nicht, denn irgendwann musst Du aus dem klimatisierten Raumschiff ja auch wieder mal rausklettern … weil es darin nämlich keine Badewanne gibt, auch keine Eistonne, und der Kühlschrank viel zu klein ist um rein zu klettern. Ich hab nachgeschaut, außer zwei Wasserpullen die well done waren hab ich aber nix gefunden.

Note to self: Nächsten Sommer brauchst Du einen anderen Wagen.

Noch ne note to self: Der Monat ist um, Du darfst ne weitere astronomische Rechnung schreiben. Hey, Armleuchter, freu Dich gefälligst. Ja, es ist anstrengend. Ja, es ist Schmerzensgeld. Ja, ein Teil davon ist sicher Hitzezulage. Und auch wenn es Dir grade wurscht ist wie nur was: dass Du nochmal ein halbes Jahr gewonnen hast obwohl Du ihm unendlich viele goldene Brücken gebaut hast um ihm Dich zu ersparen, ist eine gute Sache.

Note to self: Wenn Du das nicht willst, dann vermittle einmal in Deinem Leben nicht den Eindruck Du wüsstest was du tust !


2 Kommentare

Hüter einer Ameisenfarm

Wenn ich um halb sieben in der früh aufwache, ohne Wecker, auch ohne einen tauben Trommler der einen Meter von mir weg sein Schlagzeug malträtiert, und ohne Vögel die um 5 Uhr 47 pünktlich anfangen zu tuten, zu hupen, zu piepen oder zu krähen, dann :

  • Bin ich im nordischen Irrenhaus
  • Bin ich nicht daheim in Bayern
  • Fällt mir auf dass mir irgendwie verflucht heiss ist
  • Fällt mir in der Dusche auf dass mir heiss ist weil ich den Tag vorher zwar ins Hotel gefahren, aufs Bett gefallen, dann jedoch sofort in einen komatösen Schlaf gefallen bin, noch bevor ich zumindest sämtliche Klamotten von mir werfen konnte
  • Wie ich der Tusnelda beim Frühstück meine Zimmernummer sagen soll nach der sie mich jeden Tag wieder fragt wenn ich sie selber nicht weiss (ich weiss noch nicht mal meinen Namen !) sie sie aber wissen müsste denn es ist dieselbe wie schon seit Wochen
  • Habe ich null Idee wie ich bis halb acht duschen soll, frühstücken soll ohne mich dabei komplett einzusauen um mich nicht nochmal umziehen zu müssen, und wie ich mich schließlich nur leise fluchend durch die hiesigen Ureinwohner schlängeln soll die mit dem Tempo der Kontinentaldrift über die Strassen huschen, um pünktlich mit guten Beispiel auf der Rampe zu stehen und mit den Teamleitern dem vergangenen Tag zu besprechen
  • Frage ich mich, wieso ich nach zwölf Stunden Schlaf derart gerädert sein kann

Gelernt: Wenn ein Tag danach back to back mit Besprechungen zu gepflastert ist, und ich zwischen zwei Terminen einen Hirn-Reset brauche, dann muss ich nur einen vollen Kaffeebecher fallen lassen und ihm zuschauen wie er langsam in Teilen über die Fliessen trudelt während er die komplette Küche in ein Schlachtfeld verwandelt, während ich den Henkel nach wie vor fest umklammert habe weil irgendein Arsch scheinbar den Henkel einer kaputten Tasse angeklebt hatte statt das Scheissding im Wert von 99 Cent in die Tonne zu kloppen. Arghhhh.

Nebeneffekt: Die ganze Truppe war schlagartig hellwach als ich ausdauernd und gotteslästerlich geflucht habe. Ich auch. Da war es allerdings schon kurz vor elf.