a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Frischzellenkur oder: Botox geekstyle

Vor einer Woche begann „Jaws“, mein Notebook, mir auf den Sack zu gehen weil das Hochfahren von drei, vier VMs zu vermehrtem Kaffeekonsum führt, der wiederum zu vermehrtem Blutdruck führt. Warum ? Weil die VMs immer fetter werden. Achso, warum „Jaws“: Naja, wenn es die Klappe aufreißt ist es so groß wie der weisse Hai, nur in schwarz – und zweitens bleibe ich jedesmal an irgendeinem des halben Dutzend aus den Buchsen rausragenden Kabel oder Miniatur-USB-Stöpseln oder sonstigen Vorsprüngen hängen, die wie Haifischzähne nachzuwachsen scheinen.

Was tun? Tonne ? Das Ding braucht noch ein halbes Jahr um abgeschrieben zu sein. Für 3 Euro fuffzich verkaufen und dafür einen Tag lang die Platte besenrein putzen ? Fragwürdig, zumal das Einrichten des Neuen mindestens einen weiteren Tag in Anspruch nähme. Mamatauglich machen und ihres durch dieses ersetzen ? Kostet eine Woche und ’ne Familienpackung Valium um Ihr Win 7 zu erklären. Und eine weitere um die Original-Lemmings von 1980 darauf zum laufen zu bringen, während sie mich mit festen Mahlzeiten zu festen Zeiten zwangsernährt. Das hält mein Magen zur Zeit einfach nicht aus. Fällt also auch flach. Ausschlachten und als Bonsaischale nehmen war noch ein Ansatz, der aber schnell verworfen wurde – wenn ich nach 20 Jahren plötzlich anfange Grünpflanzen steuerlich geltend zu machen werden die Finanzschimpansen garantiert wach und das braucht kein Mensch.

Auch wenn ich schon seit langem nicht mehr gerne selber schraube, die günstigste Variante war, die letzte noch im Fuhrpark vorhandene Wanderdüne durch eine SSD zu ersetzen.

Was braucht man dafür ?

  • Samsung muss den Nachfolger der MZ-7PC (a.k.a. Serie 830) ankündigen. Das führt nämlich dazu, dass der Preis der 256GB-Variante der 830 schlagartig binnen 24h von rund 240 auf 160 Euro fällt (inkl. MwSt. und Versand), wenn Du auf den ganzen Kabelscheiss der Desktop- oder Notebookvarianten verzichtest, weil Du die sowieso nicht brauchst, die Kabel bzw. Steckerleisten sind ja schon im Bechotto drin.
  • Dann brauchst Du exzellentes Uhrmacherwerkzeug. Denn die kleinste Schraube der Festplattenhalterung im Notebook hat mit der Schieblehre gemessen eine Höhe von 2,3 mm und das Gewinde halb soviel Durchmesser. Und ist genau so mattschwarz wie das gesamte Innenleben des Gehäuses. Das Flutlicht aus dem Olympiastadion kurzfristig auszuleihen ist daher nicht die schlechteste Idee.
  • Dann musst Du berücksichtigen, dass Du ab dem Moment der Bestellung bis zum Einbau weder Coke noch Kaffee trinken darfst, denn selbst das Zittern einer tiefenentspannten Weinbergschnecke fühlt sich an wie Schüttellähmung, während Du mit den zwei kleinen Schräubchen in einer Aussparung von 5mm Breite hantierst. Das kann zu Entzugserscheinungen führen, weswegen Superduper-Express-Versand („any minute now“) dringend angeraten ist.
  • Dann musst Du Dir eine Strategie überlegen, wie Du die ja nun dank leerer SSD dumme Rübe wieder schlau machst, ohne einen Tag lang diskjockey zu spielen und keys einzugeben bis Du schwarz wirst.
  • Nachdem Du ja seit der Lieferung wieder Coke trinken kannst, eignet sich das mitgelieferte Norton Ghost V15 als prima Glasuntersetzer. Es wurde vermutlich auch zu genau diesem Zweck beigelegt, zumindest erscheint mir das sinnvoll denn wofür sollte es sonst gedacht sein.
  • Dann nimmst Du den Gang ins unterste Schubfach des Rollcontainers (a.k.a. das schwarze Loch des Vergessens) auf Dich und buddelst Deine Acronis-Disks der Version 8, 9 und 10 aus, die gefühlte acht Jahre alt sind aber auf Nicht-Servern unter NTFS nach wie vor hervorragend Ihren Dienst tun wenn man direkt von ihnen bootet. Eine davon geht immer.
  • Eine gute halbe Stunde später hat der ganze Kram der Wanderdüne Platz gefunden auf einer USB-HDD.
  • Nun ist der Zeitpunkt für das Uhrmacherwerkzeug, mit dem Du nacheinander erst die Abdeckung des Akkus und des RAM-Slots aufschraubst, bis Du unter der dritten und kleinsten Abdeckung im Geräteboden dann doch die Festplatte findest.
  • Jetzt wird es wichtig möglichst wenig rumzuzittern und die richtige Grösse des Schraubendrehers zu erahnen (sehen kannst Du es eh nicht), denn die winzigen Schräubchen die die Festplatte innerhalb des Einbauschachts fixieren (was ja wichtig ist) sind erstens ab Werk bis kurz vor „nach fest kommt ab“ angezogen, und auch ratzfatz vergurkt, wenn Du mit dem Spannungsmesser oder irgendwas das man mit blossem Auge noch als Schraubendreher erkennt daran rumfuhrwerkst. Und dann stehst Du da mit Deinem Dremel und kannst das Ding raussägen.
  • Die nun frei bewegliche Notebookplatte ziehst Du vom Steckkontakt ab um erstaunt festzustellen dass sie zwar winzig ist, aber mit 9mm trotzdem noch fast doppelt so hoch wie die SSD. Und Dir wird schlagartig klar, dass Du eine weitere Begegnung mit den beiden unsichtbaren Schrauben haben wirst weil Du das Luder ganz sicher wirst fixieren müssen damit es fest an der Kontaktleiste hängt.
  • Dauert das unfallfreie Rausdrehen bereits so lange wie ein acht-Gänge-Menü kann man das Reinfummeln zweier unsichtbarer Schrauben in zwei unsichtbare Löcher nur noch damit vergleichen, aus zwei Zentnern Hack ein Schwein zu bauen. Weil Du Depp Dir (wegen des mitgelieferten Norton Ghost) mittendrin natürlich einen Eimer Coke ins Gesicht kippen musstest und gar nicht mehr so richtig tiefenentspannt bist.
  • Nun lässt Du Acronis den ganzen Mist von der externen Platte auf die SSD schaufeln.
  • Fünf Minuten lang Win 7 daraufhin checken, dass es keinen Murks macht den es auf SSDs nicht machen muss wie Defragmentieren und solche Scherze und ob das alignment passt.

Zeitaufwand: 2 Stunden, Einschalten bis login: 11 Sekunden (vorher 40+), und 1 Jahr gewonnen bis das Ding dann doch zur Bonsaischale wird.


Ein Kommentar

Die nachträgliche SSD [maximum geek content]

Das Problem:

  • Ursprünglich hatte Dein PC eine Festplatte (oder zwei oder viele). Auf eine davon hattest Du Win 7 installiert. Wir nennen sie Wanderdüne.
  • Später dann hast Du eine SSD eingebaut um alles ein wenig flotter zu machen.
  • Auf der SSD hast Du ein neues Win 7 installiert, und die SSD zu C: umbenannt, weil Du es so gewohnt bist.

Alles ist gut. Alles ? Nun, zumindest solange, bis Dir die Wanderdüne abraucht, oder Du sie umpartitionieren und/oder formatieren willst.

Warum ist das so ?

  • Weil auf der Wanderdüne der Bootloader liegt
  • Der beim Hochfahren gelesen wird
  • In dem steht dass von der SSD gebootet werden soll
  • Und er das dann auch macht

Woran sieht man das ?

  • Weil in der Datenträgerverwaltung die Wanderdüne als System / Startpartition markiert ist.

Was tun, sprach Zeus ?

  1. Als erstes markiert man die SSD in der Datenträgerverwaltung als aktiv, sonst geht gar nix.
  2. bcdboot c:\windows /s c: schreibt die versteckte Datei bootmgr und das versteckte Verzeichnis boot auf die SSD.
  3. Kiste aus. Wanderdüne(n) abklemmen
  4. Kiste an.
    a) es klappt
    b) es klappt nicht
  5. im Falle ‚klappt nicht‘ eine Win 7 DVD nehmen
  6. von dieser booten
  7. Ländereinstellungen abnicken
  8. Auf dem nächsten Screen ‚Computerreparaturoptionen‘ wählen
  9. ‚Systemstartreparatur‘ wählen, das Win 7 versucht dann, das Windows auf der SSD zu finden und bootfähig zu machen
    a) klappt
    b) klappt nicht
  10. Beim nächsten Durchgang ‚Eingabeaufforderung‘ wählen
  11. bootrec /fixmbr
  12. bootrec /fixboot
  13. bootrec /rebuildmbr
  14. … bauen den Bootmanager wieder zusammen.

Kaltstart ohne Wanderdünen, schauen ob es jetzt klappt.

  • Kiste aus
  • Wanderdünen wieder dranstöpseln
  • Kiste an
  • Es wird booten

Aber: In der Datenträgerverwaltung steht die Wanderdüne immernoch als System / Startpartition !! Was ist denn da nun faul ?

Ganz einfach, wenn man kurz grübelt: Hier ist das BIOS gefragt. Bei mehr als einer Platte im System kann man in den advanced options einstellen, in welcher Reihenfolge die Platten abgegrast werden sollen um einen Bootloader zu finden.

  • booten
  • ENTF drücken (oder was immer Euer Bios-Hersteller als setting für die BIOS-Einstellungen vorgesehen hat, F2, F12, whatever)
  • advanced options
  • boot sequence
  • Hier gehört die SSD nach vorn, die Wanderdünen nach hinten.
  • booten
  • In der Datenträgerverwaltung ist nun alles so wie es sein soll, die SSD ist System / Startpartition, die Wanderdünen hundsnormale Partitionen, die man jetzt nach Belieben verwurschteln kann ohne das Windows einem in die Suppe spuckt.

Disclaimer: Du hast nicht nur Win 7, sondern Hinz, Kunz, ein altes XP, ein Rudel Pinguine und noch ein paar Exoten auf der Kiste installiert ? Tough luck, dude, but i really don’t care. Sowas gehört in VMs, nicht auf das Blech installiert. Das hier ist für Leute die ein einzelnes Basissystem auf dem Blech haben.

Und kaum sind wir zwei Seiten älter, kann ich die drei Wanderdünen (die wahrlich keine sind, aber im Vergleich zu einer SSD halt doch langsamer) zu einem großen volume mit einem einzigen Laufwerksbuchstaben zusammenfassen. Was ursprünglich das Ziel war, weil das Alphabet bald ausgereizt ist.