a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Tag 17743

Geschafft. Endlich. Alle Skandale um gehäckseltes Mammut in der Leberwurst und wiehernde Geflügelpasteten sind für sechs Monate vergessen. Denn es ist Grillsaison, und man sieht überall wieder Nackensteaks, die sich hektisch unter einem Salat verstecken, und Bratwürste die sich im Obstkorb als Zucchini tarnen – alles nur um nicht auf den Grill zu kommen.

Aber wie alles hat auch die Grillsaison einen Nachteil. Denn es besteht die Gefahr eingeladen zu werden. Neinein, natürlich ist das per se keineswegs schlecht. Denn auf der Plusseite gibt es jemand anderen der seine Küche einsaut, Dips rührt, und solange spreisselndes Baguette in Scheiben schneidet, bis er hüfthoch in Bröseln steht.

Aber wenn ich an Grillen denke, dann denke ich an das Verschmurgeln von Teilen vierbeiniger Tiere. Rind – ok, Schwein – ok, Karnickel, Katze, Bambi, Wasserbüffel – von mir aus – was um diese Jahreszeit nicht schnell genug im Zoo oder der Lasagne verschwindet ist selber schuld.

Was aber nicht geht ist, mich auf ein derartiges Brandopfer zu freuen und dann Fisch serviert zu bekommen. Nichts gegen Fisch, ich liebe Fisch, aber Garnelen die zurückgucken, und Kalamari die sich am Teller festhalten haben mit Grillen einfach nix zu tun, auch wenn sie lecker schmecken.

Nur, wie vermeidest Du das zuverlässig ?

Ruft Dich der Gastgeber an ist es einfach. „Klar, gerne, für mich zwei Steaks, nein Salat muss nicht sein, soll ich Bier mitbringen oder hast Du welches ?“ Und damit ist alles besprochen.

Viel schwieriger wird es, wenn Dich die Gastgeberin anruft.

Furchtbar schwierig wird es dann, wenn kein Gastgeber sie rechtzeitig auf den Pfad der Tugend (die vierbeinigen Grillbestandteile) lenken wird. Denn dann hast Du ein Problem.

Nicht nur, dass Du zum Sattwerden aller Voraussicht nach einen Zentner Salat fressen wirst, wo sich Dir dank der Balsamicodosierung die Fussnägel in den Schuhen hochstellen und Du bis Mittwoch rülpsen wirst. Plus eine Monatsration irgendeines hippen Brots, dessen Sesamkörner Du Dir bis Donnerstag aus den Zähnen puhlen wirst. Du kannst auch nicht automatisch mit einem Bier rechnen, eher mit einem Hollunderblütenpunsch im hippen Glaskrug, Apfelschorle light, oder einem Pinot Bianco, der sein Leben lieber im Salat ausgehaucht hätte. Vor allem aber kannst Du nicht mit Fleisch rechnen.

Daher musst Du das Gespräch solange subtil in Richtung des Essens lenken bis endlich der Knackpunkt zur Sprache kommt. Der wird so oder so ähnlich lauten:

  • „Du, ich habe da ein tolles Rezept für Doraden in Alufolie“
  • „Da gibt es diese leckeren Garnelenspiesse …“
  • „Ich will mal einen anderen Salat probieren, hast Du eine Idee?“

Was Du jetzt keinsfalls tun darfst ist zu sagen was Du denkst: „Verdammt ich will Fleisch haben und welchen Salat es gibt ist mir egal denn ich esse ihn eh nicht !“. Auch alle vorsichtigen Umschreibungen davon sind der Erfahrung nach ziemlich unbrauchbar.

Hast Du es aber bis da hin gebracht und das letztliche Ziel des Abends lautet nicht, Euch gegenseitig zum Dessert zu erklären dann heisst es jetzt, geschickt zu taktieren:

„Hmm, mal überlegen. Naja, weisst Du, Meeresfrüchte und Salat, hmm, die machen mich immer so … naja … nervös … (kurze Pause und ein dezentes Räuspern).“

Jede Wette, Du kriegst mindestens ein Steak und zwei Bratwürste und siehst nicht eine schwarzverkohlte Auberginenscheibe.

Sicherheitshalber solltest Du aber ein Sixpack Bier im Kofferraum haben.

 

 


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Tag 17708.5

Ja. Ich bin schlimm. #shitstorm ? Zweite Tür rechts. Jeder nur einen Stein. Oder zwei, wenn man nicht zielen kann. Was ja vorkommt.

Habe andererseits nach wie vor nicht das Gefühl verinnerlicht so völlig falsch zu liegen, wenn ich schon wieder sowas lese. Bin mir umgekehrt aber sicher, die Zeichen der Zeit ganz furchtbar deutlich erkannt zu haben. (Edit: Schön dass andere das auch haben)

Meine Güte bin ich froh vor ein paar Wochen gerade noch rechtzeitig einen Mantel bekommen zu haben …

… jetzt ist mir auch klar wieso das so ein Schnäppchen war – das Zeug muss raus bevor es verboten wird, und man es nur noch konspirativ auf schummerigen Autobahnparkplätzen kaufen kann. Noch ein paar Wochen und die ganze Marke BOSS gibt es vermutlich gar nicht mehr, weil spätestens dann die Generation Molkedrink sich diskriminiert fühlt. Beim Anblick. Und weil es ihn nicht in ihrer Größe gibt. Also natürlich in der Größe nach der Frühlingsdiät. Und schon gar nicht in emeraldgreen.

Jetzt, mit meinem neuen Leitbild, muss ich mich nur noch dran gewöhnen. Ich arbeite dran. Wenn ich Zeit habe.


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Tag 17708

Weltfrauentag ? Herzlichen Glückwunsch ! Hätte ja gerne Blumen geschickt. Geht aber nicht. Sorry. Könnte einem mittlerweile falsch ausgelegt werden. Bin vorsichtig geworden.

Habe gestern einer Mitt- oder Endzwanzigerin interessiert auf den Hintern gekuckt. Wurde angeraunzt. Habe genickt und bin weiter gegangen. Den versifften Streifen Paketband der dort klebte und sie nicht richtig schmückte hat der Komplexhaufen aus der Generation Doof am anderen Ende der Fussgängerzone oder spätestens daheim dann sicher selber bemerkt. Und wird sich deswegen mindestens drei Tage lang blöd vorkommen und Vorwürfe machen. Was mich wiederum unheimlich freut.

Muss mich wegen dieser heimlichen Freude natürlich sofort öffentlich schämen, um die unmittelbar bevorstehende Steinigung durch die maximal politisch Korrekten grade noch abzuwenden:

Ich finde #Aufschrei 2.0 gut. Diese hyperventilierende Gruppe mit Menstruationshintergrund auf twitter ist dadurch in ihrem virtuellen Universum hoffentlich so lange beschäftigt bis es biologisch zu spät ist sich zu vermehren. Ich habe das nie gesagt. Fordere für die Zielgruppe zusätzlich staatlich subventionierte, immer mitzuführende handys mit unendlich großem Akku und unabschaltbarem tripperaccount. In pink. Und selbstverständlich in emeraldgreen – sexism hin oder her, es muss schließlich zur offiziellen Frühjahrsmodenfarbe 2013 passen.

Ich bin seit gestern ein überzeugter Kämpfer für die Quotenregelung. Auch wenn sie mir heute Kopfweh bereitet. In unserer Männergruppe haben wir nach einem langen Abend und einer hitzigen Diskussion mit Jack und Daniel einstimmig beschlossen, dass zukünftig in mindestens 55%, höchstens aber 50% aller Kirchen Frauen am Kreuz hängen müssen. Erster Aufruf zur karitativen Sammlung von Silbernägeln bei der Zielgruppe war jedoch nur ein mäßiger Erfolg. Sind verunsichert. Und verkatert. Suchen weiter nach dem Fehler in unserer Forderung nach mehr Gerechtigkeit.