a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Tag 17866

Ich denke inzwischen, es gibt nur zwei Varianten:

  • Entweder der Kürbis hat mich in eine Endlosschleife geschickt ohne dazu zu sagen, ob sie einen Tag, eine Woche, oder zehn Jahre lang ist.
  • Oder er hat gelernt was ein Möbiusband ist, und seit er das weiß Spaß daran gefunden, mich darauf den Marathon trainieren zu lassen.

Zumindest kommt mir der Tag genau so vor wie mindestens einer aus jeder anderen Woche an die ich mich zu erinnern glaube.

Was mich aber nach wie vor verwirrt sind die jedesmal anderen Flecken auf dem Hemd: Heute habe ich auf der Rückfahrt die Chili aus dem Chili-Cheese IN die Hemdtasche gekleckert statt wie sonst irgendwo hin – aber das ist vielleicht nur ein kleiner Fehler in der Matrix um mich zu verwirren.

 


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Tag 17802

Da fährst du an den einzigen Punkt in der Republik, von dem Du eben nicht notfalls in den Rest der Welt schauen kannst. Die digitale Hölle.

Packst deinen Scheiss aus, und baust den Elektroschrottladen mit Hilfe von ein paar Kilometern Kabel und Netzteilen um.

Natürlich ist das Testsystem nicht pünktlich geliefert und aufgebaut worden. Sondern wie mit dem Bagger hingekippt, und äusserst kreativ verkabelt.

Natürlich ist das Testsystem nicht auf dem Ausgabestand des Produktivsystems. Also spielst Du erstmal stundenlang Versionsmemory –  finde zwei gleiche – damit die Tests wenigstens halbwegs der Realität entsprechen können.

Natürlich ist die Simulation für die ganze Anlagenperipherie – die ja nicht am Testsystem hängt – nicht mal halb fertig. Die ersten Aufträge laufen also einer nach dem anderen in Anlauffehler, weil alle Waagen Gewicht 0 haben, und alle Dosierungen von Komponenten nix in ihren Rohwarenzellen finden. Ja wie auch, wenn man nix simuliert.

Du wütest mit dem digitalen Hammer und kloppst fluchend nacheinander alles das grade, was Du brauchst.

Der Tag ist halb rum. Du hast noch nix geschafft. Du startest wieder mal einen Auftrag und wartest auf die nächste virtuelle Blähung der simulierten Anlage. Dein Blick geht durch die Betondecken hindurch zum grossen Kürbis – Du meinst ihn ganz leise kichern zu hören.

Aber … der Auftrag läuft. Du siehst völlig versteinert zu. Solange, bis er sich von selber beendet, weil fertig.  Wer konnte denn damit rechnen.

Und … er bucht. Dir fallen spontan die beiden Chili-Cheese aus dem Gesicht, die Dein Frühstück/Mittagessen waren.

Du untersuchst den fensterlosen Raum geschwind auf Kameras – und als Du keine findest, führst Du einen total peinlichen Siegestanz auf und summst die Titelmelodie vom A-Team.

In diesem Moment, keine 30 Sekunden später, erinnert sich der grosse Kürbis an Dich. Und läßt Dein Mäuseklavier wild klingelnd vom Tisch hupfen.

Alpha und Beta, die beiden rachitischen Server von der Baustelle aus dem letzten Jahrtausend, sind dran.

Cheffe hat ein dicker-Daumen-Problem gehabt. Und mit ein paar clicks sein komplettes Lager geleert, bis auf fünf Paletten von irgendwas, das keiner braucht. Du schaust auf die Uhr. Hmm, joah. Normale Menschen machen jetzt Feierabend. Sie setzen sich in den Biergarten und kippen sich ein wohlverdientes Radler in die Rüstung, oder zwei oder drei. Du hingegen setzt Dich ins Auto und fährst spasseshalber einfach nochmal 100 Kilometer weiter. Machst irgendwo auf der Autobahn einen Hirnreset, um Dich ins richtige mindset zu bringen für den baldigen Besuch in Stonehenge.

Rettest die Welt in achtzehn Zeilen SQL, und erntest grosses Frohlocken.

Auf der Rückfahrt musst Du Dich furchtbar konzentrieren, um nicht den gewohnten Weg nach Hause zu wählen, sondern den anderen, zurück in die Hölle. Du kommst zurück und bestellst mit nur wenigen Stunden Verzögerung bei der sichtlich überraschten Bedienung direkt zwei Radler. Du möchstest gerne beidhändig trinken. Du gibst jedoch keine Erklärung ab. Erst in dem Moment, als sie Dir das erste davon auf die Hose und die Schuhe kippt erklärst Du ihr, dass Du das vorhergesehen hättest, was ihre Überraschung noch weiter steigert. Sie wird Dich ziemlich sicher nie vergessen.