a life less ordinary ?

the egghead diaries

Handykauf leicht gemacht

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Erster Akt, Samstag.
Das Mäuseklavier nervt.

Also soll es ein neumodisches Riesending sein, das
a) die Größe eines tragbaren Fernsehers hat (die Älteren erinnern sich vielleicht, sowas gab’s mal)
b) die Rechenleistung eines Atomforschungszentrums hat (eierlich wollt ich ja nur telefonieren, aber gut …)
c) den gefühlten Preis eines Kleinwagens hat (ernsthaft ? Ein knapper Tausender für ein Teil das mir einmal aus der Hand glitscht und dann Elektroschrott ist, das muss man mögen … ist aber wohl so gedacht)
d) das alles kann außer Brötchen aufbacken … wenn man die Kabeltrommel dabei hat.

Nach einer mehrtägigen Odyssee durch diverse Fachzeitschriften, die mir alle bestätigten dass die Dinger alle gleich viel können das ich nicht entweder nicht brauche (oder noch meine nicht zu brauchen), war dann Samstag der Tag der Tage.

Also rein in den magentafarbenen Zombie-Shop.

Erste Überraschung: Er war nicht überfüllt.
Zweite Überraschung: Das Modell was ich wollte war vorrätig.
Dritte Überraschung: Das Mädel machte den Eindruck als hätte sie tatsächlich Ahnung von dem was sie da tut.

Labellaber, yadayada, der Scheiss kostet also soundso viel. Gut, ich nicke, „zum Mitnehmen bitte, danke“.

„Ich bräuchte kurz Ihren Ausweis“
„Na schön, hier“
„Ähm, der ist aber abgelaufen“
„Wot? Ui … abgelaufen … 2013, cool. OK, dann reservieren Sie mir das Ding bitte, ich komme Montag wieder“

Wieso das Mädel im Zombieshop das erkannt hat, während keinem der insgesamt rund einem Dutzend uniformierter Mitglieder der Schnittlauchtruppen seit 2013 aufgefallen ist dass das Ding ’nur a bisserl‘ abgelaufen ist, ich mein knapp 5 Jahre, das ist ja fast nix, nun das macht mich einerseits nervös ob der Qualifikation unserer Gesetzeshüter, andererseits ist es mir auch wieder wurscht. In jedem Fall musste ich im Zombieshop auf dem Weg raus schallend lachen.

Zweiter Akt, Montag drauf.

Naja, sind wir ehrlich dann ist es eigentlich ungefähr der 27te Akt, denn von Samstag bis Montag habe ich fieberhaft die ganze Hütte auf den Kopf gestellt um meinen Reisepass zu finden in der Annahme dass
a) das Ding bestimmt länger gilt als der Personalausweis und evtl. noch nicht abgelaufen wäre (was er beides tut, letzteres ist aber knapp, andererseits find ich ihn ja eh nicht)
b) er da wäre da wo er immer war (was er jedoch leider nicht tat)

Es ist erstaunlich was man alles findet wenn man an der unmöglichsten Orten sucht … nur der Pass war nicht dabei. Nun ist es nicht so dass ich ihn ständig brauche, ich glaube das letzte Mal sollte ca. 2009 gewesen sein. Aber trotzdem hat es mich maximal genervt dass das Mistding auf Safari war, ohne mich.

Unverrichteter Dinge wackelte ich also zum Rathaus, zog ne Nummer (nachdem ich zunächst mal in den falschen, vor ca. 20 Jahren als ich das letzte Mal mit den Sesselfurzern zu tun hatte noch gültigen Stock geklettert und wieder zurück geschickt worden war), und besichtigte kurz die Innenstadt denn es roch stark nach „bring lieber Zeit mit“.

Scheinbar braucht jeder Dackel am Montag einen neuen Ausweis, nicht zu vergessen Bazillionen von Kulturbereicherern die entweder in ihrer Landessprache, oder durch pantomimische Fruchtbarkeitstänze versuchen, ihre jeweiligen Anliegen vorzubringen.

Irgendwann kam ich dann dran, der tiefenentspannte städtische Sklave war sogar erstaunlich fix. Nur die Geschichte mit den drei bis fünf Wochen Lieferzeit war für mich nicht so recht akzeptabel. Aber auch hierfür hatte er eine Lösung und 100 Euro später hatte ich scheinbar genügend Dokumente unterschrieben um zusammen mit einem vorläufigen Waschzettel und der Bestellung neuer Papiere aus den Hallen zu wanken … und zum nächsten Imbiss, denn es ist erstaunlich wie viel Hunger man bekommt während man der Farbe an der Wand beim Trocknen zuschaut.

Nun ist der magentafarbene Zombie-Shop in unserer Stadt denkbar beschissen, also mitten in der Fussgängerzone, gelegen. Da denkt sich der schlaue Pixelschubbser „ha! parken wir halt bei der Spasskasse und bringen mal das Kleingeld weg, das ist ja quasi gegenüber und da kann ich ran fahren!“

Ja, im Prinzip eine gute Idee. In der Praxis weiß ich nun

a) dass Kleingeld loszuwerden alles andere als einfach ist denn die Zählautomaten wo ich den Mist früher einfach reingekippt hatte gibt es nicht mehr
b) dass es eine absolute Scheissidee ist das Küchenglas mit Münzen zu füllen (geschätzt 18kg), die Henkeltasche zu suchen in der Du den Mist früher immer zur Spasskasse getragen hattest … um festzustellen, dass die auch voll ist (nochmal gefühlt 18kg)
c) wieso Omma Kasuppke und die restliche Brut an den Kassen immer fieberhaft nach Kleingeld suchen, weil sie es anders auch nicht loswerden, arghh …

Nachdem ich mich außerstande sah diese Mengen an Mist durch die Stadt zu schleppen hab ich also erstmal das halbe Küchenglas eingepackt (nicht ohne eine Münzenspur durch die halbe Hütte für die Staubsaugerdompteuse zu hinterlassen, die wird mich anschauen als sei ich jetzt völlig verrückt geworden).

In der Zentrale der Spasskasseninsassen angekommen und nur leicht derangiert ob der immer noch bleischweren Fracht habe ich dann in der Haupthalle unter immensem Getöse Münzen in lustige kleine Beutelchen gefühlt, nochmal mehrfach unterschrieben oder eine Waschmaschine gekauft oder was auch immer, und bin dann, mittlerweile erheblich derangiert rüber zum magentafarbenen Zombie-Shop gewankt – nicht ohne einen kurzen Stop beim örtlichen Brötchendealer zu machen, denn Scheiße schippen ist nunmal anstrengend…

Dort angekommen war

a) überraschender Weise wieder erstaunlich wenig Betrieb (naja, andererseits, Montag Vormittag, welcher vernünftige Mensch geht da schon in den Zombieshop
b) das Mädel vom Samstag wieder da und hat mich sogar wieder erkannt und gewusst dass ich wegen eines Handys da gewesen war und einen abgelaufenen Ausweis hatte

Nachdem sie mir also den ganzen Sermon nochmal erzählt hatte den sie mir Samstags schon ins Ohr gedrückt hatte, mir geschätzt acht Seiten Käse auf dem Antrag vorgelesen hat, damit ich ihn anschließend schriftlich abnicke, ging es dann an den neuen, gültigen Lichtbildausweis.

Als ich den freudestrahlend raus zog und ihr überreichte (noch hat er weder Kaffeeflecken noch Eselsohren, ist weder zerfleddert noch zum Öffnen von zugeschappten Türen missbraucht worden), saß sie ratlos vor Ihrem Terminal … denn irgendwie wollte das Ding die neue Nummer meines neuen temporären Ausweisdokuments nicht akzeptieren.

Ich begann wieder hungrig zu werden … und müde, so müde …

In einem Anfall von Geistesblitz hatte ich jedoch Stunden vorher bei den Sesselfurzern im Rathaus meinen entwerteten alten Personalausweis mitgenommen ! Der war zwar einerseits abgelaufen und ungültig, andererseits hatte er scheinbar eine Ausweisnummer die dem System der magentafarbenen Zombies genehm war – mit der Folge dass das Mädel was auch immer sie dort eingegeben hat, ihre Körbchengröße, Schuhgröße, wurscht – in jedem Fall hielt ich nur geschätzt fünf weitere Unterschriften später das in der Hand wofür ich einen guten halben Tag im Zoo zugebracht hatte, ein nagelneues, garantiert nicht mehr hemdtaschentaugliches Mäuseklavier.

Welches natürlich dumm wie Brot ist und nun erstmal nach dem unboxing stundenlang begrabbelt, eingesaut und mit den wichtigsten Dingen bespielt werden will, die der moderne Mensch halt so braucht. Den ersten Anruf hab ich schon mal erfolgreich nicht annehmen können weil ich den richtigen Knopp nicht schnell genug gefunden habe, yippie.

Mission accomplished.

 

 

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