a life less ordinary ?

the egghead diaries

und die Moral von der Geschicht …

4 Kommentare

… handwerkliche Fehler rächen sich.

Unsere alte – ein bisschen angestaubt wirkende aber knallharte – Mark aufzugeben, um unsere Brüder und Schwestern mit den seltsamen Dialekten und den rechtwinkligen Kurven in den Strassen heim in den Schoß der dreispurigen Autobahnen zu holen – das war ein Preis den wir zahlen mussten.

Mileage varies – aber ich selber empfand es auch gar nicht als so furchtbar. Die gedankliche Umrechnerei war nach ein paar Wochen rum und ich hab mich dran gewöhnt. Auch an die Kurven. Dass das verdammte Kleingeld für den Kippenautomaten plötzlich doppelt so dick war und mir das Portemonnaie ausgebeult hat war ein kleiner Preis für die „blühenden Landsch…“ nein, ich kriege es immer noch nicht raus, ohne zu lachen …

Aber hey, es musste sein – an Mitterand’s Stelle hätte ich auch Schiss gehabt, wenn statt 65 plötzlich 80 Millionen hornbebrillte Humorbefreite uneingezäunt da draussen rum rennen, und dazu auch noch die Betonmark in den Händen halten. Der hatte vorher schon genug zu rudern um auch nur halbwegs mit zu halten. Trotzdem wäre es vielleicht besser gewesen, wir hätten ihm statt die Mark aufzugeben das Saarland gegeben … aber naja, die Chance hat Birne verpeilt – und vielleicht wollte Mitterand es auch gar nicht mehr so dringend haben wie seine Vorgänger noch.

Aber schon 99 hab ich mich bei knapp der Hälfte der Teilnehmer gefragt, ob die sich nicht den ganzen Tag schlapp lachen über die depperten Deutschen, die ernsthaft ihre Mark gegen die landeseigenen Aluchips eintauschen wollen.

Nur mit den ersten 11 Teilnehmern hatten wir anscheinend noch nicht genug trübe Tassen im Boot. Also musste schleunigst nachgelegt werden, mit kerngesunden, kräftigen und steinreichen Volkswirtschaften wie z.B. Griechenland, Slowenien, Malta, Zypern, Slowakei, Estland, Lettland, Litauen. Ohne einem davon zu nahe treten zu wollen – das Bruttosozialprodukt der Meisten kann sich vielleicht mit dem des Saarlands messen. Und wenn sie sich ganz arg rein hängen, stechen sie vielleicht sogar Bremen aus (wäre auch etwas gewesen das wir stattdessen hätten weggeben können, ohne dass es über Jahre auch nur eine Sau bemerkt hätte).

Was mich aber noch mehr verwundert, ist die Auswahl der Musiker in diesem Konzert. Eine ähnliche Mentalität von allen Teilnehmern einer Währungsunion einfordern zu wollen wäre sicher grundfalsch. Unsere eigene hat zweimal halb Europa planiert, da sollten wir uns selber vielleicht auch nicht gar so weit aus dem Fenster lehnen. Und der alternative Ansatz „aufkaufen statt einzumarschieren und den Rest regeln wir über die TUI“ ist nach zwei gründlich vergeigten Versuchen prinzipiell ja auch nicht grundverkehrt.

Aber wenigstens die basics wären doch wünschenswert gewesen: Ähnliche Besteuerungssysteme ? Halbwegs vergleichbare Sozialsysteme ? Ein wenigstens in Ansätzen untereinander kompatibles Verständnis von Wirtschaft im Allgemeinen ? Korruption wenigstens nach einvernehmlichen Regeln ? Konsequenzen, wenn einer aus der Reihe läuft und ständig Scheisse baut ? Ein Weg, um Pattex-Berlusconis als Chefs ganzer Länder gegebenenfalls auch ohne eine 9mm oder eine Tomahawk loszuwerden ? Naja, aber wer braucht denn sowas, wenn man eine gang von um die 20 buddies ist – da wird jeder schon für den anderen einspringen. Wie blöd oder blau muss man eigentlich sein um nicht vor dem Start schon zu erkennen, dass man da irgendetwas recht Wichtiges in den Teilnahmebedingungen vergessen hat ?

Wohlgemerkt, dass der Dicke da seinerzeit mit dem Bus drüber gefahren ist und das prinzipiell mal durchgedrückt hat, finde ich nach wie vor völlig ok – ein paar Jahre später wäre der Zug für die nächsten 50 Jahre schon wieder abgefahren gewesen. Ob das schlecht gewesen wäre darüber kann man sicher streiten – ich fand und finde es gut und richtig.

Nur die Naivität, die in der Zeit davor und danach an den Tag gelegt wurde, die finde ich erschütternd. Unter 20 beliebigen Geschäftsleuten sind geschätzt 5 bis 10 Betrüger, die im Zweifelsfall den anderen gnadenlos über den Tisch ziehen werden. Wir haben hier aber nicht 20 Geschäftsleute vor uns, sondern 20 Politikerkasten – und das bedeutet 20 bis 20 pathologische Lügner.

Das entsprechende Gesetzbuch dafür müsste demnach im Laden zwingend zusammen mit einem Gabelstapler ausgeliefert  werden, weil es kein Schwein tragen kann.

Stattdessen haben wir eine Reihe von auf Servietten gekritzelte Schönwettererklärungen wie die Maastrichter Verträge. Jeder minderbemittelte Jura-Erstsemester, dessen Eltern und Großeltern miteinander und mit der Ziege verwandt waren, kann im Vollsuff und unter Drogen binnen fünf Minuten rausfinden, dass sie wertlos sind. Und es braucht keinen Asimov’schen Textkonzentrator um zu ermitteln, dass nach dem Streichen jeglicher Worthülsen von dem ganzen Machwerk nur noch die Seitenzahlen und das Druckdatum als belastbarer Inhalt übrig bleiben.

Bis ich damals mal in die Entwürfe reingeschaut habe, hatte ich ja noch eine gewisse Grundachtung vor der Expertise einiger Hutträger. Kurz nach dem Lesen des Vorworts bin ich allerdings in die Geschlossene eingeliefert worden. Und als sie die Medikamente endlich abgesetzt hatten und ich wieder aufwachte, da waren zwei Jahre rum und die Olivenpflücker auch schon erfolgreich eingemeindet worden. Danach habe ich wie alle anderen resigniert.

Deshalb haben wir die ganze Bagage jetzt am Hals. Und der Einzige, der die Klappe aufgerissen und wenigstens halbwegs rechtzeitig gemeckert hat, ist der Bosbach. Ausgerechnet. Verdammt, sowas ist doch echt peinlich. Dass die Linken ihn dafür in Streifen geschnitten und die Rechten ihn dafür kaltgestellt haben, das war ihm sicher selber klar und insofern war es sehr mutig. Aber trotzdem. Der Bosbach ? Als Einziger ? Ernsthaft ?

Und darum gibt es nun beinahe stündlich „allerletzte“ Gespräche und milliardenschwere Angebote, um das tote Pferd noch ein paar Meter weiter zu reiten bevor man sich endlich eingesteht, dass es hinüber ist und die Fliegen nicht deswegen drüber kreisen, weil es ein so schönes Fell hat.

Wir haben alle gemeinsam versagt, yippie. Das sollte uns irgendwie stolz machen und vereinen, finde ich. Denn man sollte versuchen das Positive zu sehen, so unscheinbar – oder inexistent – es auch immer sein mag.

Nur sollten wir mit dem Frohlocken vielleicht noch etwas warten. Denn wenn die ganze Scheisse jetzt richtig aufgekocht und dann in den Ventilator gekippt wird, dann wird das ganz unerquickliche Sprenkel geben – und weder wir, noch unsere teflonbeschichteten Hutträger werden da blütenweiss und wohlriechend draus hervorgehen – selbst wenn wir Sigmar als größten anzunehmenden Tropfenfänger vorne dran stellen.

Advertisements

4 Kommentare zu “und die Moral von der Geschicht …

  1. Ich weiß gar nicht, was Du hast – die Landschaften blühen doch! Anders wäre es, würden dort Arbeitsplätze in Fabriken geschaffen. Aber so hat der Bundeskohl recht gehabt: Gewächse, wohin man schaut. Und Griechenland ist doch auch bekannt für die weiten Tulpen- und Rosenfelder.

    Oder?

  2. Bestimmt war man nur besorgt, dass der starke Euro den Dollar überflügeln könnte und hat daher Maßnahmen einer Selbstbeschränkung getroffen. Yin und Yang, wobei allerdings der Hänger inzwischen Übergewicht bekommt.

  3. Wunderbarer Essay.
    Die Dämlichkeit nimmt aber kein Ende. Auf einigen Blogs wird heute doch tatsächlich zu Spenden für Griechenland aufgerufen.
    Muß auf meinen Blutdruck achten, ansonsten hätte ich da gerne wen zusammengefaltet;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s