a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Tag 17811

Laberfahrt. Was ist eine Laberfahrt ? Eine Laberfahrt ist, wenn man Dich bittet den Key-Account-Manager zu seinem Kunden zu begleiten, damit dieser weder Humbug erzählt, noch weisse Elefanten verkauft. Eine prinzipiell gute Einrichtung jemanden mitzunehmen der sich damit auskennt. Eierschaukeln auf hohem Niveau – denn wenn Du gebraucht wirst, tritt man Dich unterm Tisch sanft gegens Schienbein. Ansonsten kannst Du in der Regel kleine Türmchen aus Kaffeesahnendöschen bauen, oder im Kopf irgendwas ganz was anderes konzipieren, bis Dein Einsatz kommt.

Du kennst den Firmennamen des Kunden, seine Produkte siehst Du in jedem zweiten Laden. Was sie eventuell möglicherweise vielleicht haben wollen könnten weißt Du auch grob. Sonst jedoch weißt Du nix.

Aber: Du hast ja noch knapp 3 Stunden Fahrt, wo Dich der KAM währenddessen briefen kann. Klassisches Gewinnersetup. Funktioniert auch sehr zuverlässig. Meistens.

Du hast Dir also Lärmmaschinen gestellt für 06:00, 06:15 und 06:30 in der Annahme, irgendwas von dem infernalischen Krach wird Dich hoffentlich aus dem Schlummer holen. Natürlich, wenn Du da schon mal dran denkst, dann stehst Du um 06:00 Uhr senkrecht im Bett. Während Du langsam versuchst, Deinen Namen zu buchstabieren und Dir zu überlegen wieviel Schuhe der Mensch so anhaben sollte planst Du, zwei von drei Stunden der Fahrt auf dem Beifahrersitz zu verschlummern und Dich nur mit Infos berieseln zu lassen.

Kurz vor 7 schleppst Du Dich voller Elan ins Raumschiff um Dich mit dem KAM zu treffen. Gerade als Du losgefahren bist klingelt das Mäuseklavier. KAMs Cheffe ist dran. Der KAM sei ein Bazillenmutterschiff und ausserstande, sich irgendwo anders hin zu bewegen als wieder zurück ins Bett. Wahrscheinlich Todesschnupfen. Du müsstest das alleine stemmen. Du kicherst in Dich hinein – genau das hattest Du von Anfang an vorgeschlagen und alle tönten „neineinein, der KAM muss da mit!“. KAMs Cheffe kann Dir immerhin schon mal sagen, wie die Stadt heißt, in die Du nun wirst selber kutschen müssen. Die Adresse wird er Dir später durchgeben können. Von den Teilnehmern kennt er exakt einen und hat auch keinen Schimmer, wie groß die Runde denn zu werden gedenkt. Oder wie viel Zeit sie haben werden.

Das ist der Moment wo Du intensiv den Himmel absuchst, ob der grosse Kürbis Dir gerade durch den Hochnebel hindurch den Finger zeigt. Du bist überrascht wieviele Hände er hat. Dann betankst Du das Raumschiff.

Du bekommst die Adresse genau in dem Moment, als Du ins Werksgelände einbiegst. Bist jedoch positiv überrascht. Grosser Besprechungsraum. Beamer nicht nur da, sondern auch angeschlossen. Butterbrezen, Kaffee – wenn man jetzt noch wüsste worum es geht, beinahe ideal. Du benutzt die Viertelstunde die Du zu früh da bist mehr oder weniger, um zu frühstücken.

Dann laufen die ersten Gladiatoren ein. Und noch ein paar. Und noch ein paar. Irgendwann denkst Du Dir „hossa, kommt da noch eine Vor-Band vor der show, oder bin etwa ICH die Vor-Band ?“

Es kommt keine Vor-Band. Mangels weiterer Info spulst Du Dein Standardprogramm runter. Aufmerksames Schweigen, interessierte Zwischenfragen, Du merkst Du liegst wohl nicht völlig neben der Spur, alles ist gut. Aber nach einer guten Stunde bist Du fast durch und beginnst aufmerksam in die Runde zu schauen, ob sie schon mit den Hufen scharren, oder ob sie Zeit haben. Zeit ist scheinbar kein Thema. Also flichst Du an gewissen Stellen dezente Hinweise in Nebensätze ein, was man noch alles so machen könnte. Wenige Minuten später ist Dir klar: Dir kann völlig egal sein wie viel Zeit sie haben, sie wird niemals reichen. open the flood gates, wir spielen ab jetzt nicht mehr vom Blatt, sondern wir komponieren und improvisieren Zugaben.

Am Ende ist das Display von „Jaws“ mit lauter digitalen gelben Notizzetteln gepflastert auf denen Du versucht hast, zumindest die Stichpunkte der ganzen Traumsequenzen zu notieren.

Mit einem Pappmaul steigst Du zwei Stunden später zufrieden erneut ins Raumschiff und versuchst, den dunkelschwarzen Wolken davon zu fahren. Das wird wieder so ein „mit Allem, zum Mitnehmen bitte“ – Projekt werden, das ist Dir klar.