a life less ordinary ?

the egghead diaries

Tag 17726

12 Kommentare

„Diskrimierung“ schallt es von den Rängen. Wiedermal. Denn das nächste Fahrrad ist umgekippt. Und das Klagelied im besten Stil von Morbus Bosporus wie zu erwarten entsprechend groß. Weil die türkische und die griechische Presse wohl keinen Platz auf der Pressetribüne beim NSU-Prozess haben wird.

Nun, Prozesse finden hierzulande nicht im Olympiastadion statt. Und das ist nicht ganz schlecht, wie wir in der Vergangenheit gelernt haben.

Also nimmt man einen normalen Sitzungssaal. Und hat man dann wie zu erwarten mehr Presseanmeldungen als Plätze, bleiben einem nur drei Verfahren zur Vergabe:

  • „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ (zeitlicher Eingang)
  • „Kommen Sie, kaufen Sie, jedes Los gewinnt!“ (Losverfahren)
  • „Du kummst hier nit rein“ (Faustrecht)

 

Mir persönlich würde Letzeres ja sehr gefallen. Ich würde sogar begeistert Schlagringe und Fahrradketten spenden, damit sich diese Aushilfsjournalisten- und Twittermeldungsvorlesergilde selbst dezimiert. Dummerweise stehe ich damit weitgehend alleine, und nur die anderen beiden Verfahren gelten als akzeptabel. Schade, ist aber so.

Auch mit der Enkeltochter von Karin Tietze-Ludwig als Lottofee könnte ich vermutlich leben, wenn man mir vorher ein Bild von ihr zeigte. Tough luck, not going to happen.

Vergabe nach politischer Korrektheit steht jedoch nicht auf der Liste. Warum nicht ? Weil es darauf nichts zu suchen hat ! Deshalb !
Und daher lautet meine Devise „Lebt damit“ an all diejenigen, die wieder mal zu langsam, zu faul, zu dumm waren. Macht Eure Hausaufgaben, dann steht Ihr auch nicht draussen im Regen. BTW:  Wenn Ihr langsamer, fauler oder dümmer als die Kollegen von der „BILD“ seid, dann wechselt schleunigst den Beruf. Nur ein gut gemeinter Rat.
Das einzige was ich schlimm finde ist, wenn sich der Seibert hinsetzt und verkünden muss, die Regierung würde sich eine Beteiligung der türkischen Presse wünschen. Politische Rücksichtnahme hat nämlich spätestens da aufzuhören, wo demokratische Grundprinzipien wie die Gewaltenteilung gelten. Und da hat Mutti bzgl. der Pressetribüne in einem Gericht so überhaupt nichts zu sagen – ja, nicht mal zu wünschen hat sie da etwas. Abends als Hausfrau darf sie meinetwegen wünschen soviel sie mag – als Kanzelerin aber hat sie sich da rauszuhalten. Demokratisches Einmaleins, recht weit oben auf der ersten Seite. Zur Auffrischung in ganz Berlin dringend empfohlen. Denn so richtig traurig dabei ist, dass jeder andersfarbige denkbare Kanzler mindestens genauso schwungvoll in die selbe Falle reingerannt wäre.

Wir sind umgeben von Amateuren ohne Rückgrat.

12 Kommentare zu “Tag 17726

  1. Tuerken vor Wien 1683: nix geht sich!
    Tuerken Fussball 2009 (?) mit Oesterreich: nix geht sich !

    Wie meint man, das Schengener Abkommen von ‚A nach B‘ zu ueberspringen? 😉

    Nichts desto Trotz: einige meiner besten und ZUverlaessigsten Freunde tragen diesen ‚Nationalitaets-Stempel‘ = nicht uebel; auch wenn ich ’normal‘ Tee lieber ’schwarz und unsuess wie meine Seele‘ mag! 😉

    • Nur falls da evtl. Unklarheiten bestehen: Wir sind nicht Österreich. Auch wenn es um diese Jahreszeit vielleicht so wirkt, weil wir hordenweise dahin in die Berge zum Skilaufen fahren.

      Österreich ist auf der Karte der dank Schnee etwas hellere Fliegenschiss rechts unterhalb von uns, am Ende der A8. Pickerl nicht vergessen!

      • … kenne ‚Operetten-Staats‘ Laengen-/Breitengrade sehr wohl, ‚Hoerrr Castagir‘; nachdem mir dort fast mein vorzeitiges Lebensende bevorstand, durch in dem ‚Geheimrat-Geschwafel‘ siechend zugrunde zu gehen!!!
        ABER: fuer ‚Besuche‘ kann man wohl das Schengener Abkommen nicht einschalten, oder? Denn heutzutage nehmen sie ja Flugzeuge (und keine Boote wie hier!)
        Reg‘ Dich wieder ab, mein Herr, ICH habe die Smileys NICHT vergessen – nur DU !
        Schoene Ostern dann noch, Du H.o.L. oder eher L.o.H. !
        (Ich geh‘ wieder zu meiner Blog-Party!)

        Aber Ihr koennt Angie ja kurz troesten: England wurden per Gericht auch ein paar Sachen untersagt und uns bezueglich Asylanten auch, also: gute Gesellschaft; regiert werden wir von … ?

  2. Wir sehr Du recht hast – Mutti darf wünschen. Von Vati. Aber an den Gerichtsbarkeiten und deren Entschlüssen; daran hat sie nichts zu pfriemeln.
    P.S.: Hab´ mir erlaubt, den Link hierzu unter Deinen Kommentar zu setzen.

    • Klar, natürlich. Ich wollte nur nicht selber linkspammen 😉

      • Beim nächsten Mal einfach dazu setzen, kein Problem 🙂

        • Sorry an Beide hier: Blogherrn fuer Zweckenfremdung und ‚DersilberneLoeffel‘ fuer Ihn hier ansprechen!

          Wir hatten hier zum ‚Spaet-Stueck‘ gerade per TV einen Beitrag in ‚Foreign Correspondent‘ ueber das laaangsame Abzeichnen des ‚Pferdefleisch- Betrugs-Marktes‘.
          Ich moechte hiermit ‚DersilberneLoeffel‘ – noch einmal – meine groesste Bewunderung zu seinem Beitrag/Erklaerung in dieser Angelegenheit zollen und danken: seiner war wesentlich ausfuehrlicher und verstaendlicher!
          Die TV-Form war mir zu gerafft, wie es denn eigentlich gestartet haette und warum es wohin fuehrte = auch nicht schlecht, aber: dass Pferd und Pferd nicht dasselbe ist und WARUM hat ‚DersilberneLoeffel‘ eindeutig wirklich besser erklaert.

  3. Das ist wieder eine von den Fragen, die man nicht eindeutig beantworten kann. Natürlich haben wir noch immer die Gewaltenteilung , und ja, die Politik sollte dem Gericht nicht vorschreiben, was zu tun ist. Aaaber: Das Ansehen unseres Staates leidet unter einem unfähigem System. Gut, die Plätze sind weg. Die Frage ist, woher sollen Reporter in der Türkei wissen, ab wann sie sich anmelden müssen? Und hätte man nicht von vornherein Plätze freihalten können? Es ist schließlich hinlänglich bekannt, dass die Türkei unserem Rechtssystem, warum auch immer, nicht traut. Man denke an die letzte Brandkatastrophe in Backnang, dort wußten auch gleich alle türkischen Familienmitglieder, dass der Fall niemals aufgeklärt wird. Und ja, auch mir geht die Vergangenheit unseres Landes und der Rechtsextremismus auf den Keks, trotzdem oder gerade deshalb sollte das Gericht sein Verhalten überdenken. Jedes blöde Fussballspiel kann man überall hin übertragen, warum nicht die Verhandlung in einen Nebensaal mit viel Platz?

    • Ich finde da muss man die Kirche im Dorf lassen.

      Da werden deutsche mutmassliche Täter Verbrechen angeklagt die sie wenn, dann auf deutschem Boden begannen haben, und vor ein deutsches Gericht gestellt. Es gelten folglich die Regeln unserer Gerichte und Prozessordnung – auch bzgl. der Zulassung von Pressevertretern.

      Wenn die türkische Presse damit ein Problem hat, ist das nicht unseres. Und wenn sie oder wer auch immer ein Problem mit unseren Rechtsprinzipien im Allgemeinen hat, dann hat das nicht dazu zu führen, dass wir die ändern.

      Es gibt auch keine weltweite Veröffentlichungspflicht der Art „hey, Jungs, wir veranstalten nächstens einen Prozess, es gilt first come first served für die tickets!“. Weil das ist keine Showveranstaltung. Und über die Vergabeverfahren weiß man Bescheid, wenn man kein Dilettant ist.

      Die Jammerprofis haben darüber hinaus auch genug Informationen oder Möglichkeiten gehabt – die Hürriyet hat schließlich ein grosses Korrespondentenbüro in FFM. Wenn die da aber lieber eine Vaselinepolonaise durch die Räume machen statt ihren Job zu tun ist das ihre eigene Priorität.

      Videoübertragung ist qua Gesetz bislang verboten, also kein Diskussionspunkt. Ob man das ändern und einen court channel einführen sollte (ich persönlich sehe den Grund dafür nicht, Mordprozesse sind eben keine Fussballspiele und auch nicht popcornkompatibel), ist eine andere Diskussion.

      Aber gerade solche Prozesse sollten _null_ Ansatzpunkte für Formfehler liefern – z.B. dadurch dass man die Prozessordnung aufweicht oder erlaubt, dass die Tickets auf dem schwarzen Markt wild gehandelt werden. Die Täter sollen – sofern schuldig – revisionsfrei verknackt werden können – das ist nämlich weit wichtiger als die Tatsache, ob so ein Schmierenschreiber von der Hürriyet einen Platz von einem Schmierenschreiber von der BILD bekommen darf oder nicht.

      • Die Zeiten des Nationalsozialismus sind seit gut 70 Jahren vorbei. Wir haben ein Grundgesetz, wir haben eine Verfassung und wir haben eine Gerichtsbarkeit, welche vielleicht manchmal Urteile fällt, die für Außenstehende schlecht zu verstehen sind. Aber: wir haben den Grundsatz, dass gleiches Recht für Alle gilt. Eben auch für deutsche Mörder, welche auf deutschem Boden Unrecht getan haben.

        Wir haben keine Scharia, wir haben kein Schattensystem (naja, vielleicht ein wenig…) und wir haben keine Justiz, welche durch und durch korrupt ist.

        Wenn doch für die türkische Presse ein Beiwohnen zu diesem Prozess so wichtig ist; warum hat man sich nicht vorher darum gekümmert, welche Bedingungen für solche Prozesse gelten? Und warum sollte ein Prozess in einen größeren Saal verlegt werden? Wir sind doch aus dem Zeitalter der Schauprozesse lange heraus. Ist die Türkei mit ihrem Rechtssystem schon so weit,dass diese das Recht hat, unserem zu vertrauen? Ist das nicht vielleicht auch ein klein wenig ein Rassismus und die Vorverurteilung von gut 82 Millionen Menschen?

        Im Prinzip stellt uns die türkische Presse unter den Generalverdacht, noch immer rassistisch motiviert zu urteilen.

        Neueste Entwicklung: türkische Abgeordnete „fordern“, dem Prozessverlauf beiwohnen zu dürfen.Was soll das? Ich kann mich an die Posse um die angebliche Vergewaltigung eines deutschen Jungen gegenüber einer englischen Maid erinnern. Wo war da die Möglichkeit, dass WIR dem Prozess beiwohnen durften? Und der mutmaßliche Mörder von Jonny K. in Berlin. Der wurde – obwohl der Tatbestand hieb- und stichfest ist – von der Türkei schnell eingebürgert, um eine „Verfolgung“ zu verhindern. Bitteschön – erst selbst den Augiasstall ausmisten, dann anderen Ländern Vorschriften erteilen wollen.

  4. Hey, fang, oh Du meine ‚Lieblings-Kratzbuerste‘: bester bayer.
    Osterbrauch in rot! 😉

    (seit laaangen Jahren nicht mehr sooo viele verteilt 😉 )

  5. Frohe Ostern, lieber Capt’n! Arbeite nicht so viel und besuch‘ mal Deine Eltern…

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