a life less ordinary ?

the egghead diaries

Tag 17705

14 Kommentare

Dieser Dienstag ist keiner, er ist ein Montag 2.0 extra large. Gestern die Welt zu retten war ja schön und gut, Tagesgeschäft halt.

Nur an sich war das Universum zu retten. Hätte man mir ja sagen können. In der Panierfabrik tobt der Mob – der Eichkasper spielt mit seinen Waagen, der Chef muss parallel eine Rückrufaktion vorbereiten, und wo der Blechpatscher auch hinfaßt, es ist anschließend kaputt oder vermurkst. Das wäre ja noch nicht so wild – bestenfalls eine Standard-Rettung eines kleinen Sonnensystems.

Aber es gibt ja noch Alpha und Beta, die beiden rachitischen Server Baujahr 1542 am Arsch des Universums in ‚eine Stunde Autobahn‘ ™. Und es gibt Petrus, dessen Blick dank keiner Wolken zum ersten mal seit Monaten auf die Erde fiel und der einfach mal beschlossen hat, mit allen Trollen Gassi zu gehen und sie von der Leine zu lassen. Und es gibt den großen Kürbis. Der stellt immer fest wenn die Gefahr besteht dass es mir zu gut geht. Und dann holt er aus und tritt mir mit Anlauf in den Arsch.

Und deshalb haben sie heute die IT des Kunden nach ‚eine Stunde Autobahn‘ ™ geschickt.

Alpha steht schon seit Jahrhunderten in einem staubigen Kabuff irgendwo auf dem Werksgelände … wo genau bleibt geheim, denn die IT soll ihn nicht finden. Beta jedoch … ja Beta, hach. Beta ist im zentralen Serverschrank eingebaut. In dem und dem daneben das ganze andere teure alte Blech steckt. Er ist also in Sichtweite. Ganz schlechte Planung meiner Vorgänger. Und was macht man als erstes wenn man auf eine Anlage kommt die man nicht kennt ?

Natürlich, man fährt Beta runter. Anschließend ruft man mich an um mitzuteilen man würde ihn jetzt aus dem Schrank ausbauen weil man gehört habe, da liefe ohnehin nix mehr drauf. Angesichts meiner launigen Frage wie lange man denn vorhabe, 70-80 Tonnen Material pro Tag mit kleinen Schäufelchen in Säcke zu füllen klingt bedrückte Ruhe aus dem Hörer, und dann ein

‚Achso? da läuft wirklich noch was drauf ?‘

‚Naja, wie man’s nimmt, nur die zentrale Werksteuerung halt. Aber wer braucht die schon. Solange Ihr Outlook geht, und Sie genügend Schäufelchen haben ist alles gut.‘

Strike one.

Das Schweigen wird länger. Und länger. Und dann kommt ein:

‚Naja, wissen Sie, das eigentliche Problem ist das: Wir kriegen ihn nicht mehr eingeschaltet. Irgendwas ist wohl beim Ausschalten verreckt.‘

Strike two.

Meine letzte Sicherung ist von Mitte 2009. Die des für die Rübe verantwortlichen Kunden ist älter. Viel älter. 2009 Jahre älter um genau zu sein.

Strike three.

Die Platten auf denen die aktuelle Version liegt sind ein RAID-Verbund mit einem speziellen Controller. Den man nur durch Beschwörung, einem Regentanz, und dem Absingen der kasachischen Nationalhymne überhaupt zu laufen bewegen konnte. Damals, als es noch gedruckte Dokumentationen gab. Und man noch Zeit für solchen Kram hatte.

Strike four.

Es ist eine VM. Die vermutlich unter V4 oder V5 läuft, aber ganz sicher nicht unter V7, V8, ESX oder vSphere oder dem ganzen anderen modernen Mist den man heute so unbedingt haben will.

Strike five.

Und der die Softwareänderungen von nur vier Jahren fehlen. In denen die halbe Anlage umgebaut wurde.

Strike six.

Und es ist grad mal mittag. Wenn das so weiter geht werden aus den IT-Fritzen noch richtig gute Bowler. Den halben Weg zu einem perfekten Spiel haben sie schon geschafft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

14 Kommentare zu “Tag 17705

  1. umsatteln auf ente

  2. hehe also janosch ente hätte ich auch in form von converse 😉 aber es wäre das kostengünstigte model sieht fetzig aus und hat sicher nicht jeder!!

  3. Hmmm, fang‘ : Vit.B.-Tbl.; sogar neueren Datums (vor Weihnachten; glaube ich), als ich mich erwischte, dass ich das Beduerfnis hatte einem wildfremden Gegenüber auf dem Parkplatz an die Gurgel zu gehen fuer … herzlich wenig/zuuu wenig für die Menge Rage, welche ich verspuerte (mM; noch immer!)
    Ich ging dann rueckwaerts wieder in den SuMa und kaufte die Dinger sep., weil mich dieses mir doch eher sehr seltene Geschehen mich vor mir selbst erschrecken liess.
    Magst vielleicht doch auch mal eine?
    Man kann trotzdem noch herumwueten zum Ärgern, aber die Herzinfarktgefahr senkt sich ‚leicht‘!
    Ich meine ja nur … auch wenn reiner Eigennutz 😮 + 😉 !!!!

    Kopf hoch, Junge, viel Glück und Daumendrueck!
    … und – notfalls – gute Reise!

  4. Aua. Hört sich nach einem perfekten Tag an. Wenn man ein Magengeschwür ist.

    • Der 5te März ist somit ab jetzt offizieller Feiertag, bundesweit, an dem die Fauen ihren Männern traditionell eine Kanne Kamillentee reichen werden. 😉

      „Schatz, lass mich Dein Magengeschwür sein“
      „Du bist so gut zu mir !“

      • Ne ne, das waeren mir pers. zuuu viele Feiertage hintereinander; mir reicht der kommende Montag ans WE schon um ausreichend durcheinander zu bringen.
        Ich such‘ mir einen anderen ‚Magengeschwuer-Tag‘ aus – wenn genehm. Ich wette, es bieten sich noch genuegend in diesem Jahr!
        Ansonsten glaube ich etwas verstaerkter an Wunder! Noch dazu, welchen, denen man nicht selbst muehseeligst auf die Spruenge helfen muss = seltener; auch wenn selbst diesbezueglich doch ‚gut gesegnet‘
        (wo ist mein Holzkopf zum drauf klopfen … ah, gefunden … da isser ja ….autsch 😉 )

  5. „Wenn das so weiter geht werden aus den IT-Fritzen noch richtig gute Bowler.“ – nein, ich wäre dafür, aus den jungs bowlingKUGELN zu machen, konkret, aus den köppen. viel gescheites drin kann nicht sein, nach dem stunt.

    • Waren nur sechs Stunden Produktionsausfall. Für die administrative Outlook-Fraktion ist das ja nix worüber man sich einen Kopp machen müsste. Sie wunderten sich nur warum die Belegschaft so sparsam schaute … die muss das ja wieder aufholen.

  6. Ich hab gelacht und den Kopf geschüttelt. Was sind das nur für Vollpfosten ( – tolles Wort, kürzlich gelernt 😉 )!!! Never touch a running system – offenbar noch nie davon gehört, die Kollegen…
    Und Großeinsatz castagir, Szene 3: Mir gefallen besonders Regentanz und Nationalhymne. Damals hat das auch geholfen, warum nicht auch diesmal? Dann laß die Großkopfeten mal singen… 😉

    Viel Glück noch, und Grüße an Dein Magengeschwür (würde mich wundern, wenn Du noch keins hättest – ich an Deiner Stelle hätte spätestens jetzt eins), und ich trinke für Dich einen Kamillentee mit 🙂
    – Lg, Sathiya

    • Nein, Vollpfosten sind das nicht, das wäre falsch. Die wissen schon was sie tun – in dem Bereich in dem sie sich auskennen sind sie vielleicht besser als ich.

      Was man ihnen vorwerfen kann ist dass sie nicht vorher fragen sondern erstmal in Dingen rum murksen die nicht ihr Sandkasten sind, um dann überrascht zu sein dass irgendetwas umfällt .. oder in diesem Fall eben nix mehr umfällt weil sich keine Maschine mehr dreht 😉

      Denn es gibt nunmal einen enormen Unterscheid zwischen einem Büronetzwerk, in dem die größten Probleme vielleicht Outlook, Java und die Schulung auf Office 2010 sind, und eine Stunde downtime keinen in große Hektik bringt. und andererseits dem was in einem Produktionsnetzwerk so abgeht und was da so alles miteinander zusammenspielen muss.

      Das ist eine andere Welt und das lernen sie immer wieder schmerzhaft wenn sie den Telefonjoker ziehen müssen 😉

      Magengeschwüre bekomme ich davon nicht, dann hätte ich mittlerweile 300. Ich brauche 15 Minuten um den worst case durchzuspielen und mich darauf einzustellen dass er mir evtl. blühen kann. Danach ist das im Wesentlichen abgehakt und es geht nur noch darum ob er kommt oder nicht. Er kam nicht, die Rübe rumpelt wieder, alles ist gut.

      • Na, ich weiß doch, daß Du Dich sonst langweilst. Welten und Sonnensysteme retten… 😉

        Und was die von mir so unfein als Vollpfosten (sorry) titulierten Herren angeht – eines Tages wird keiner mehr das Süppchen, das sie sich durch eigene Dummbatschigkeit eingebrockt haben, für sie auslöffeln oder trockenlegen. Was dann? Oder plant keiner der Herren so weit voraus bzw. hofft, daß er im Fall des Falles ganz schnell in den Ruhestand hüpfen kann, bevor der Supergau losgeht? Und überhaupt – schuld sind ja immer die anderen. 🙂
        Welcher Ort ist das noch mal? Nur, daß ich wirklich einen großen Bogen drumherum machen kann… 😀

        • Na so alt dass sie dann in Rente wären sind sie noch nicht 😉

          Aber was in solchen Fällen so gut wie immer passiert egal wo man hinschaut wissen wir doch:

          Es wird ein „Ups, sorry, das wusste ich nicht“ kommen. Gefolgt von einem „Aber wir suchen hier ja keine Schuldigen sondern wir suchen Lösungen“ aus der Chefetage. Und wenn es ganz schlimm wird stellt sich einer der damit gar nix zu tun hatte hin und deklamiert mit Pathos „Ich übernehme die volle Verantwortung“.

          Wonach man beruhigt zum Tagesgeschäft zurückkehren und weiter wurschteln kann 😉

          • … uebrigends: nicht necessarily!
            Man sollte da lieber nicht an einen Typen wie meinen GoeGa geraten, wenn man ‚heroisch Verantwortung‘ uebernimmt, weil selbiger sooo lange dann fraegt, bis dass diese Person ‚als erfolgtes Verantwortungsuebernahme-Zeichen‘ auch ‚gegangen‘ wird.
            Inkl. der verbleibende ‚Rest‘ aber seine Suenden reeeegelmaessig auf’s Teller serviert bekommt = nix geht sich mit weiter-wurtscheln; ist gefuerchtet der Knabe; hat ziemlich elefantoeses Gedaechtnis!
            Allerdings stirbt diese Rasse langsam aus und die Nachfolger haben in der Tat mitunter einfach zuuu wenig Ahnung in der Unterscheidung von richtig oder falsch; inkl. auch kein Rueckgrat mehr um ‚executive decisions‘ zu faellen: Management-Skills nenne ich diese praktizierte Methode schon laengst nicht mehr! Wird lustig abzuwarten, wohin uns dies noch einmal fuehren wird!
            Wobei ich’s aber auch besonders lustig finde – speziell bei AG’s:
            hat man nicht genuegend eigenes Geld (oder ‚will nicht haben‘); besorgt sich selbiges anderweitig und ist dann erstaunt, dass man seine firmeneigenen ‚executive decisions‘ mitunter ab-diktiert bekommt – guess why?! 😉
            Sind wir – wieder – beim sog. Mittelstand, welcher ueberwiegend mit seinem eigenen Geld und damit seinem eigenen Ehren-Kodex (oder auch nicht 😉 ) arbeitet und ….. wohl doch jede Wirtschaft eines jeweiligen Landes aufrecht erhaelt!

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