a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Tag 17625

(Projekt „Tortenschlacht“ läuft. Morgen früh kommt Anton.)

Es folgt Maximum Geek Content, kann man also getrost überlesen.

Stell Dir vor, Du hast eine Anlage. Auf der jeden Tag rund 1.000 Produktionsaufträge laufen. Jeder davon hat seit Anbeginn aller Zeiten eine eindeutige Nummer, von 1 aufsteigend. Ein ganz einfaches System, doppelte Nummern hast Du erst zu befürchten, wenn man 184.467.444.073.709.551.615 durchgeschleust hat. Bis dahin sitzt Du aber schon seit 3.500 Jahren beim großen Kürbis und kämpfst mit der dortigen facility managerin, weil sie ständig die Wolken umräumt.

Und Du bist derjenige, der diese Nummern mitgeteilt bekommt und seine elektronische Zauberei damit veranstaltet. Und Du verläßt Dich natürlich drauf, dass sie eindeutig sind, wieso auch nicht ?

Am Arsch der Welt ist das anders.

Da geht jemand letzten Sonntag her und macht einen Abzug des Systems. In dem die Nummern 1 – 110.000 vegeben waren. Die nächste wäre also 100.001. Soweit so gut. Wenn er nicht auf die glorreiche Idee gekommen wäre, diesen Abzug am Donnerstag wieder ins System zu pumpen.

Was das Problem daran ist ? Nunja. In den dreieinhalb Tagen stand die Anlage ja nicht wartend da, sondern hat fröhlich weiter vor sich hin gewerkelt. Und neue Nummern vergeben. War also schon irgendwo bei Nummer 113.500 als ihr gesagt wurde „hey, vergiss das mal alles, wir jetzt machen Zeitreise, jetzt ist wieder Sonntag.“ 100.0001 …. 100.002 …

Und sie plötzlich nach bestem Wissen mit angeblich eindeutigen Nummern ankommt die Du schon in den Tagen dazwischen von ihr bekommen hattest.

Sowas wäre unter Umständen leicht zu erkennen, denn wenn Du dauernd Nummern kriegst die Du schon kennst, dann geht in der Anlage gar nix mehr und sie serviert Dir nur noch Fehlermeldungen. Der kleine Gott der Elektronen dachte sich aber „nene, so einfach machen wir ihm das nicht“. Und hat nicht bei jeder Nummer gemeckert. Sondern nur bei manchen. Weil einige in den Tagen dazwischen gar nicht vergeben worden waren und nun tatsächlich zum ersten mal kamen, während andere zum zweiten Mal einschlugen.

Dann beschreibt man Dir den Fehler. Eine normale Fehlerbeschreibung geht ungefähr so:

„Ich glaube die Ampel da hinten geht nicht richtig !“ „Welche Ampel von den 20 denn genau ?“ „Na die da !“ „Ok, und wie zeigt sich das ?“ „Naja, das Licht ist gelb, obwohl es grün sein müsste“.

Und was ist tatsächlich passiert ? Es ist ein Auto rückwärts gefahren. Auf einer Strecke, auf der es gar keine Ampeln gibt.

Und dann sitzt Du da als nerd vom Dienst, gibst der Gebetsmühle einen Schubbser und machst Dir selbst ein Bild von der Lage. Siehst das Fehlerbild und stellst fest „hmm, manchmal geht da was schief“, kannst es beim stundenlangen Beobachten natürlich nicht reproduzieren, und denkst Dir wieder mal „Schreiner zu werden wäre gut gewesen. Ein Schrank fällt entweder immer um oder gar nicht, aber nie manchmal“.

Nach zwei Stunden vergeblicher Suche bist Du dann soweit, alle in 20 Jahren Berufserfahrung erlernten Dinge in Frage zu stellen. Und sowohl Erdstrahlen als auch vodoo nicht mehr völlig auszuschließen. Nachdem Du Protokollierungen eingebaut hast die jedes verfluchte bit dreimal umdrehen bevor sie es ausspucken. Weil nichts davon Dich auf die richtige Spur bringt. Und es einfach so bizzarr ist, dass Du kurz davor bist zu kapitulieren.

Bis Du – mittlerweile hysterisch kichernd – auf die Idee kommst die es nie und nimmer sein kann, nämlich jetzt mal nach etwas an sich völlig idiotischem und unmöglichem zu suchen, nämlich doppelten Nummern wo keine sein können. Um dann Hunderte solche Dubletten zu finden, Blutdruckpillen wie TicTacs einzuwerfen und nachzufragen, welcher Hornochse denn da mit der Zeitmaschine gespielt hat.

Schickt mir statt Keksen bitte ein sibirisches Hochdruckgebiet. -30 Grad und 3 Meter Schnee wären gut. Ich brauche irgendwas um den Neckar zu vereisen, damit ich diese verdammten Blechpatscher endlich darunter zur Ruhe betten kann. Ich nehme auch einen Betonmischer, und mache statt des traditionellen Bleigiessens ein Betonsockengiessen. Auch ein überzähliger Starkstromgenerator wäre in Ordnung, dann setze ich die Tür vom Serverschrank unter Saft und ignoriere den Geruch nach Gebratenem. Nur irgendwie muss ich ihre Pfoten von der Baustelle wegbekommen.

Arrrgh !

Edit: Und hier noch die passende Musik zum Tag, Vida más simple: