a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Tag 17614

Eine Archivierung für ein Datengrab zu bauen ist … schwer zu beschreiben. Kein normaler Mensch macht so etwas weil er das will. Selbst Bekloppte machen es nur gegen Einwurf grosser Münzen. Aber eigentlich musst Du dafür drei Nachbarn erschlagen und im Garten verbuddelt haben, und dabei erwischt und dazu verurteilt worden sein. Denn letztlich machst Du dabei nichts anderes, als eine riesengrosse Liste aller Sünden aufzuteilen in … eine grosse Liste aktueller Sünden und eine sehr grosse Liste etwas älterer Sünden, die Du aber möglicherweise entweder noch nicht gebeichtet hast, oder zumindest unter Umständen den zugehörigen Ablaßzettel vom großen Kürbis auf Verlangen vorlegen musst sollte irgendwer im Suff darauf kommen, danach zu fragen.

Bin nicht erwischt worden. Aber bekloppt. Muss also wieder mal eine Archivierung schreiben. Weil das vor fünf Jahren im Oktober auf einer verschmuddelten Serviette skizzierte und aus dem Dreck erschaffene „ach Herr castagir, total einfach, eine handvoll Einträge im Monat, aber wir bräuchten es noch vor dem Jahreswechsel murmelSiewissenschonwegenAudit“ – System mittlerweile zu SAP-Light mutiert, und als Aspirin für alles verwendet wird, das der restliche Fuhrpark an Software nicht hinbekommt. Oder man ist bei den jeweiligen Herstellern notfalls eben derart teuer, dass man gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, sowas umsetzen und warten zu müssen. Die Antwortzeiten des Systems passen jedenfalls längst zu dem versifften Pizzablech, das man dort seinerzeit aus einer Ecke gekramt, ins 19-Zoll-Rack geschraubt, und mutig als Server bezeichnet hatte. Habe das Ding ja nie gesehen. Würde aber nicht gegen eine Datasette oder einen Teletextstreifen als Speichermedium wetten wollen. Das Angebot zur Hochrüstung der Hardware hat Napoleon seinerzeit auf seinem Weg nach Moskau dort abgegeben. Ist aber vermutlich noch im internen Postkreislauf.

Aber den alten Scheiss zu löschen ist ja bäh, seit man von Amts wegen jedes benutzte Toilettenpapier mindestens zehn Jahre aufheben muss – weswegen Aldi, Lidl und Norma ja auch nur noch vierlagiges anbieten, damit ein Durchschlag abgeheftet werden kann. Macht das Blech halt dicke Backen.

Stiere also wieder mal mit wirrem Blick auf Datenbanken. a) Ewige Liste aller Sünden. b) Aktuelle Sünden. c) Ältere ungebeichtete Sünden. d) Ältere gebeichtete Sünden. SQL-Code fließt in Strömen. Komme mir vor wie Petrus der vorsichtshalber drei Snickers aus seinem Mantel zieht weil es der Erfahrung nach länger dauern kann, wenn Hitlers Verwandte vor der Tür stehen. Während er kurz zuvor noch auf dem Topf saß, eine HörZu in der Hand hielt, und in „Original und Fäschung“ auf der letzten Seite gemütlich die fünf Unterschiede in zwei Bildern mit je 500.000 Ameisen finden wollte.

Kämpfe den ewigen Kampf des Eggheads. Ja, Testdaten sind schön, weil man den Überblick nicht so schnell verliert. Nein, Testdaten sind Mist, weil die Realität mit einer ungeheuren Wuppdizität zuschlägt und Dein Testszenario binnen Sekunden an die Wand fährt und Dich mit Anlauf in den Arsch tritt. Nehme also seufzend auch diesmal wieder keine Testdaten, sondern ziehe den ganzen Salat über den Draht auf den heimischen Server. Überlege mittendrin, mir die Gigabytes faxen zu lassen, irgendein Banker in Spiessertown scheint auf dem Draht zu sitzen.

Schaue dem SQL zu, wie es tröpfchenweise Einträge aus a) abklappert und entscheidet ob sie nach b) oder c) oder d) wandern. Schließlich sind im ersten Rutsch vier von fünf Jahren zu beackern – später mal wird das jede Woche automagisch gehen und nur Minuten dauern. Wenn das neue Blech bestellt und eingebaut ist. Ist aber noch nicht später.

Natürlich ist es auch hier wie bei jeder guten Sünde. An jeder einzelnen hängen weitere, kleinere mit dran: Vor dem Fremdvögeln musst Du schließlich auch eine Konferenz vortäuschen, ein Hotel buchen, und schauen wie Du die Kratzspuren auf dem Rücken behandelst. Kennt man ja. Warum soll das hier anders sein. Dauert also.

Server hatte die Nacht über schon emsig geschaufelt. Gehe in freudiger Erwartung morgens an den Schreibtisch … um festzustellen, dass er die Hälfte tatsächlich schon erledigt und den ganzen Fuhrpark an Blech und Metall mit Beschlag belegt hat. Überlege gerade müssmutig was mit dem nutzlosen Tag anzufangen sei, wenn ja alles was CPU-technisch noch zum Arbeiten zur Verfügung steht der CASIO-Taschenrechner von 1987 ist, als das Telefon klingelt. Lieblingskunde.

Denke im ersten Moment „Endlich Ablenkung!“. Stelle im zweiten Moment fest „Nein, doch nicht.“. Sehe aus dem Augenwinkel den grossen Kürbis einen ausgestreckten Mittelfinger durch die Wolkendecke nach unten strecken. Spezialauswertung. Dabei ist die normale schon ein Kunstwerk, das ins Museum of Modern Art gehört.

Braucht wirklich irgendjemand einen Telefonjoker um zu beantworten, auf welcher Art von Daten diese Auswertung wohl stattfindem soll ? Eben. Natürlich. Es ist eine Archivierung. Was denn sonst. Die vor sechs Jahren geschrieben wurde. Von mir.

Bananenbieger oder Pflanzenbesprecher wären so schöne Berufe gewesen. Überlege, noch schnell 200 Söhne zu zeugen. Nur um ihnen eine sinnvolle Berufswahl mit auf den Weg geben zu können.