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the egghead diaries

Sortieren ist subjektiv oder: Don’t be evil

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Nicht alles was hinkt ist ein Beispiel, aber versuchen wir es trotzdem mal: Ich suche ein neues Auto. Unter Hunderten Herstellern mit Tausenden Modellen muss ich eine Auswahl treffen. Wie geschieht das ? Letztlich durch sortieren. Meine Bedürfnisse und meine Möglichkeiten lassen zuerst etliche Hersteller, und bei den verbleibenden Herstellern etliche Modelle in der Auswahl sehr weit nach unten rutschen, während andere nach oben kommen. Von einigen der Kandidaten besuche ich die Niederlassungen, und der dort gewonnene Eindruck wird erneut eine Sortierung vornehmen. Schließlich werden ein paar Kandidaten übrig bleiben und ich werde mich entscheiden. Nun kommt jemand anderes, der auch ein Auto sucht. Er hat vollständig andere Bedürfnisse als ich, er will einen großen Kofferraum und in der Stadt gut parken können. Oder drei Kindersitze auf die Rückbank schnallen. Für den Nächsten ist nur wichtig, dass das Auto Bums unter der Haube hat und gut ausschaut. Wenn es nach drei Jahren hinüber ist, ist ihm das genauso egal wie die Werkstattkosten – er least vielleicht das Fahrzeug all inclusive.

Alles sind berechtigte Sortierungen und das bedeutet: So viele Suchende es gibt, so viele Sortierungen auf ein und denselben Daten gibt es, hier der Menge alle Modelle aller Hersteller.

Warum ist das so ? Weil es bei 99,9% aller „Dinge“ keine objektiven Kriterien gibt, die „die richtige Sortierung für alle“ ermöglichen würden. Schon Bauklötze kann man nach Farbe, Form, Material, Hersteller, Größe und einigem mehr sortieren. Und ja, auch nach Beliebtheit – denn warum soll ich mich durch den ganzen Markt wühlen wenn ich doch sehen kann, was für welche die anderen so auswählen. Mich z.B. interessiert u.a. die Sortierung nach Material nicht, weil ich keine Bauklötze esse oder an ihnen lutsche – die Eltern eines Kleinkinds werden das vermutlich anders beurteilen und darauf achten, dass nicht ausschließlich toxische Stoffe enthalten sind.

Hinzu kommen die Interessen desjenigen, der mir die ursprüngliche Liste anbietet und sie nach seinem gusto sortiert. Sortieren muss er sie schließlich irgendwie, oder wie sonst sollen Tausende oder Millionen Ergebnisse präsentiert werden ? Nur, welche Bedeutung hat diese Sortierung denn wenn man doch schon weiß, dass keine Sortierung – egal welche – „richtig“, „fair“ und „gut“ wäre ? Egal wer mir eine Liste vorlegt, die Reihenfolge der Punkte darauf wird seine eigenen Interessen beinhalten, entweder gewollt oder unterschwellig, und niemals objektiv sein können – weil Objektivität nun mal keine physikalische Einheit ist.

Im Supermarkt gibt es 12 Sorten Erdbeermarmelade, Quizfrage: Welche steht in Augenhöhe ? Die desjenigen Herstellers, der am meisten für diesen exponierten Platz bezahlt. Kaufe ich deswegen ausschließlich diese Marke ? Vielleicht, wenn ich Genickstarre habe, mich nicht bücken kann, oder zu faul bin. Ansonsten bleibt mir die freie Wahl erhalten – und nicht erspart.

Google macht das auch. Und warum auch nicht ? Google ist keine karitative Einrichtung sondern ein Wirtschaftunternehmen und verfolgt selbstredend eigene Interessen. Und auch eine reglementierte Einrichtung ohne finanzielle Interessen würde vor dem gleichen Problem stehen denn wir wissen doch, es gibt keine objektive, neutrale, allgemeingültige Ordnung der Dinge – nicht einmal dann, wenn wir alles was komplexer ist als Bauklötze und Erdbeermarmelade ausklammern.

Nun sind „Dinge“ aber noch weit einfacher zu handhaben als „Informationen“. Auch nach ihnen kann man suchen. Informationen sind jedoch grundsätzlich gefärbt, nicht neutral, das können sie gar nicht sein und erheben oft nicht mal den Anspruch. Sie sind aus Wörtern zusammengestellt, die viele Bedeutungen haben und Interpretation erlauben, je nach Zusammenstellung. Das will zwar niemand gerne hören, weil jeder grundsätzlich Recht haben will – nichtsdestotrotz ist es ein Fakt. Und nicht umsonst ist der auf einem goldenen Schild getragene NPOV der Wikipedia ihre Nemesis, weil sich selbst bei den einfachsten Sachverhalten darüber endlos debattieren läßt statt endlich den einen Satz zu formulieren der ihn beschreibt.

Wenn es also bei „Dingen“ schon keine „richtige“ Sortierung gibt, wie kann man dann eine bei „Informationen“ erwarten ?

Wir nutzen Google gerne – nicht umsonst steht „googeln“ mittlerweile im Duden denn es ist das Synonym für „suchen“ geworden. Aber Google als demjenigen der uns die Leistung erbringt wollen wir nun am liebsten vorschreiben, wie er das zu tun hat. Und mit „wir“ sind all diejenigen gemeint, die selbstredend auch eigene Interessen verfolgen, seien es nun Medienwissenschaftler oder Firmen die erst auf Seite 3 der Ergebisse erscheinen. Wir reden hier nicht davon dass Google auf Druck staatlicher Stellen, einflussreicher Gruppen oder Rechtslagen Ergebnisse komplett unterschlägt. Das findet statt und ist bekannt, jedoch ein komplett anderes Thema. Sondern wir reden davon welche Erdbeermarmelade in Augenhöhe steht !

Bei allem was wir suchen müssen wir selber werten, entscheiden, und die uns präsentierte Sortierung der Fülle der Ergebnisse in irgendeine für uns brauchbare Reihenfolge bringen, Jedesmal, das nimmt uns niemand ab. Wir nennen das gemeinhin „nachdenken“ oder „überlegen“.

Google ist insofern vergleichbar mit Occam’s Razor – etwas das hochtrabend klingt, das wir jedoch instinktiv tausend mal am Tag tun: „Wenn Du Hufklappern hörst denk‘ an Pferde, nicht an Zebras“. Wir machen es uns einfach bei Dingen, bei denen es gerechtfertigt ist. Und im überwiegenden Teil der Fälle reicht das auch vollkommen aus ! Bei dem meisten wonach wir nämlich suchen wird in der Regel auf der ersten Ergebnisseite etwas stehen was wir brauchen können. Und es ist vollkommen gleichgültig ob Google die Ergebnisse in seinem Sinne sortiert hat oder anders oder gar nicht.

Manchmal wird man erst auf der zweiten oder auf der zweiunddreissigsten Seite fündig. Aber man kann doch deshalb kann nicht erwarten dass die eigene Sortierung der Dinge erscheint, die man bei der Eingabe der Suchabfrage ja nicht einmal angegeben hat. Deshalb sind für mich diejenigen, die in diese Richtung Reglementierungen vorantreiben wollen weitaus gefährlicher als Google. Und Damen wie Frau Meckel als Hutträger solcher „Studien“ ziemlich praxisferne Elfenbeinturmbewohner, und more evil than google.

 

3 Kommentare zu “Sortieren ist subjektiv oder: Don’t be evil

  1. Ich bezweifle, dass es sowas wie die reine Information überhaupt gibt, höchstens vielleicht in irgendwelchen chemischen Formeln oder mathematischen Gesetzen, aber das ist nur eine Mutmaßung, denn davon versteh‘ ich nix. Wer aber unbesehen das glaubt, was auf der ersten Seite der Google-Suchergebnisse auftaucht, ist selbst schuld. Ich hasse diesen Reglemtierungswahn und auch dieses Geschrei nach „das müssen die da oben doch mal reglemtieren – als ob wir alle kleine Kinder wären. Und selbst kleinen Kindern würde ich ein gewisses Maß an Eigenverantwortung lassen. Humbug, das, ganz großer Humbug.

    • Ich glaube auch, jenseits von Verfahrensbeschreibungen (seien es Formeln um etwas zu berechnen oder Rezepturen um etwas zu mischen oder oder – schon Programme liegen teilweise in der Grauzone) gibt es keine reine Information – spätestens sobald sie in Prosa ist, ist sie subjektiv vom Autor und kann vom Leser interpretiert werden.

      Jeder von uns kennt das doch wenn das Gegenüber alles was man sagt partout falsch verstehen will.

      Der Wahn zu regeln und zu beschränken kommt glaube ich hauptsächlich aus etwas, das Angst sehr ähnlich ist. Wenn ich etwas nicht blicke oder seine Eigendynamik mir unklar oder zuwider ist oder es einfach zu schnell für mich geht, dann tendiere ich vielleicht eher dazu ein Regelwerk drunterzuzimmern um halbwegs den Durchblick zu behalten. Aber genau weil ich den nicht habe kommt dabei Quatsch raus. Grandioser Plan.

      Und das Motiv ist glaube ich auch nur recht selten der Schutz der ach so dummen Bevölkerung – die ist vielleicht wirklich nicht besonders helle im Querschnitt, aber längst nicht so blöd um ständig beschützt werden zu müssen. Aber das lässt sich als Begründung natürlich immer wunderbar vorschieben und verkaufen.

      BTW:
      Das letzte herrliche Beispiel dieser Idotie aus Angst ist gerade von gestern: Es gibt doch seit August die Verpflichtung des „jetzt kaufen“ Buttons in jedem webshop. Muss drauf stehen und muss klar ersichtlich sein.

      Und wer bekommt die ersten Abmahnungen ? Nicht etwa windige Viagra-Versender oder Klingelton-Abo-Anbieter, nein, das sind zwar die eigentlichen Ziele, aber denen geht das eh am Arsch vorbei weil sie entweder im Ausland sitzen oder ratzfatz die Ltd. umgründen. Es sind deutsche Firmen die über amazon.de vertreiben und auf das layout der dortigen Bestellabwicklung gar keinen Einfluß haben – dabei hat Amazon in meinen Augen sowieso den transparentesten Bestellabwicklungsvorgang im ganzen web samt Stornierung und Rücksendung etc.

      Und wer hat’s erfunden ? Einer der es nicht besser wusste, gleichzeitig Schiss hatte was Vernünftiges ausarbeiten zu lassen – und verkauft hat man es uns als „Verbraucherschutz“, hurra. Da kann man nur noch kichern. Und garantiert liest der Depp jetzt grade die Studie zu google und denkt sich ‚oh ja, super Plan, das machen wir so‘.

      Aber solange es zuwenige interessiert werden solche Pappnasen immer wieder gewählt und immer wieder solchen Quatsch fabrizieren können. Ist dann halt so.

  2. Ja, Angst oder Verunsicherung ist sicherlich ein Faktor. Eine immer unübersichtlichere, weil permanent reizüberflutete Welt, mit einem Regelwerk irgendwie „sicherer“ zu gestalten, funktioniert aber, denke ich, nur eingeschränkt. Ich glaube zwar auch nicht, dass die sogenannte Masse (wer auch immer das sein soll) tatsächlich so dumpf ist, wie immer gern behauptet wird, aber letztenendes machen mehr Regeln vor allem eines, nämlich unselbstständig. Und je unselbstständiger man wird, desto mehr „Rat“ und „Anleitung“ von wem auch immer braucht man.
    Was den Verbraucherschutz betrifft: Ohne jetzt eine Lanze für windige Geschäftsmänner auf den Cayman-Inseln brechen zu wollen – es gibt sicherlich gerade im Internet sehr, sehr viele unlautere Praktiken. Aber so ein ganz kleines bisschen aufpassen kann man auch, oder? Und vielleicht auch bisschen weniger gierig sein – und eben nicht, weil man glaubt, gerade eben in dieser Sekunde mal eben so 100000 Dollar oder einen brandneuen Audi gewonnen zu haben, immer schön weiterklicken. Wie meine Oma schon sagte: Niemand hat was zu verschenken.

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