a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Warum gibt es eigentlich keine Kreuzzüge mehr ?

Als Filmfan wollte ich heute ins Kino, um endlich mitreden zu können beim vermutlich schlechtesten Film seit „Die Ritter der Kokosnuss„. Die Ausschnitte die seit einer Woche stündlich in den Nachrichten laufen waren ja vielversprechend. Ich wollte ja auch unbedingt die satanischen Verse lesen (die ein ziemlicher Schnarcher sind und sich übrigens nur sehr mühsam reimen).

Aber was soll ich sagen, es hat nicht geklappt – keiner zeigt ihn, noch nicht mal in der Fummelmatinee im Flughafenkino, wo Du am Sonntagmorgen bei irgendeinem kasachischen Kunstwerk mit finnischen Untertiteln in der letzten Sitzreihe die Implantate der Barbekanntschaft der vergangenen Nacht auf Festigkeit untersuchst, bis um acht endlich ein Cafe aufmacht in dem ihr frühstücken und sieben Aspirin runterspülen könnt.

Ja, was heisst denn das ? Naja, es heisst, der Film selbst interessiert offenbar kein Aas.

Aber man kann so herrlich eine Meinung dazu haben, auch wenn es einen nicht interessiert und angeht. Man kann ihn im ZDF zeigen oder verbieten wollen, gesehen haben muss man ihn dafür nicht. Das macht man heutzutage ja gerne, weil es lenkt uns so prima von der Steuererklärung und dem Besuch bei den Schwiegereltern ab, die einem beide weit mehr auf den Sack gehen. Du bist heute ja fast schon gezwungen eine Meinung zu allem zu haben um mitreden zu können und dabei hat sich gezeigt, je bekloppter sie ist, umso angesehener bist Du. In der Kaffeeküche einfach sagen „is mir wurscht“ ist ein klassischer Anfängerfehler – und wenn es so ist musst Du notfalls kreativ eine Meinung aus dem Stehgreif erfinden und Dich dringend schämen.

Früher haben wir das mit Hilfe der Kreuzzüge gelöst, ich finde das war eine gute Einrichtung. Alle paar Jahre haben wir alle Berufsbetroffenen und Integrationsfetischisten zusammen mit den Verteidigern des Wahren und Guten und der Meinungsfreiheit auf die A8 Richtung Wien gesetzt, ihnen Schaschlikspiesse in die Hand gedrückt und gesagt: „Jungs, wenn es Euch so stört, diese Richtung, 3000 Kilometer, und wenn Ihr am übernächsten Meer seid und die Bäume selten werden dann haut Ihr da alles um was sich bewegt“. Und statt Sigmar Gabriel und Ursula von der Leyen zu dem Thema zu interviewen, wurden sie kurzerhand zur Reiseleitung gekürt – was den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass von dem ganzen lamentierenden Pack nur die Hälfte überhaupt hin fand während die andere stramm Richtung Himalaya marschierte, und nach zehn Jahren höchstens eine handvoll zerlumpte Gestalten wieder zurück fanden, wenn überhaupt. Und wir hatten unsere Ruhe.

Das war eine klasse Erfindung. Aber das kriegst Du ja heutzutage nicht mehr geregelt.

Wer will die Latscherei bis in die Wüste heute schon noch auf sich nehmen, wenn kurz hinter Wien die Autobahn aufhört und der Rollkoffer hinter Dir über Feldwege klappert. Keine Steckdose für’s handy, der Pass ist auch abgelaufen und während Du weg bist fährt keiner Kevin zum frühkindlichen Yoga. Und überhaupt, mit den sechs Wochen Jahresurlaub musst Du da schon stramm marschieren um rechtzeitig zum Sommerschlussverkauf wieder zurück zu sein und davor noch dem einen oder anderen die Rübe runter zu hauen. Aber zu Deinem Boss gehen und sagen „hey, Chef, da auf Facebook ist ’ne Riesenparty in Mekka angekündigt, ich brauch‘ mal schnell drei Jahre Urlaub“, das traut sich ja keiner, der nicht in der Gewerkschaft ist.

Und deswegen sind die ganzen Arschlöcher immernoch hier, buddeln sich in den argumentativen Schützengräben ein und hauen sich aufgeregt ihre Lamentos um die Ohren.

Oj, kurz vor acht, Ich muss jetzt dringend in die Kirche und dem grossen Kürbis noch schnell eine Kerze in der Form eines Rauhhaardackels spenden. Die mag er am liebsten. Und dabei anregen, dass er den ganzen Aufgeregten mal wieder die Idee der Kreuzzüge ins Hirn träufelt. Und das mt dem Urlaub regelt. Hach, das wird schön.