a life less ordinary ?

the egghead diaries

Irgendwann im September

7 Kommentare

Liebe Consulter, Hays, Gulp und wie Ihr alle heisst.

Es ist nett von Euch, mich mit Projektangeboten zu fluten – zeigt es doch, dass nerds nach wie vor zwar unbeliebt, aber gesucht sind. Es ist auch klasse, dass selbst auf Lebensläufe die 2003 und 2004 ihren letzten Eintrag haben noch regelmässig Anfragen kommen.

Aber, Jungs, mal ganz ehrlich:

Wenn Ihr mir ein Projekt vorstellt, es mir in den schillerndsten Farben schildert, in Begeisterung darüber ausbrecht dass es nicht am Arsch der Welt sondern ums Eck ist, mich vollschwallt und mir noch vor dem ersten Projekt Folgeprojekte in Aussicht stellt, und dann von mir erwartet, dass ich jubiliere, dann müsst Ihr noch viel lernen. Weil die Pferdefüsse kommen direkt im Anschluss.

Regel No. 1: Spezialisten können nicht ab gestern 4-6 Wochen in Hinterpfuiteufel auf der grünen Wiese ein Irgendwas aus dem Dreck stampfen. Wenn sie das können sind sie ihr Geld nicht wert und haben keine langjährigen Kunden, die ihren Service erwarten.

Schon klar, der Kunde möchte dem Pixelschubbser am liebsten zwei Ruder in die Hand drücken, die Fusskette anschweissen, die Zellentür hinter ihm abschliessen und das Zeitschloss auf 6 Wochen einstellen, und ab und an mal eine Pizza unter der Tür durchschieben. SO FUNKTIONIERT DIE WELT ABER NICHT.

Wenn man Euch dann diesen Zahn gezogen und Euch klargemacht hat, dass der potentielle Kunde hinten in einer etwas längeren Schlange steht, dann geht es weiter.

Nachdem Ihr nämlich Eure Jubelorgie beendet habt, müsst Ihr früher oder später damit rausrücken, was mich interessiert – nämlich was der Kunde zahlt. Und da enden die Telefonate meist recht abrupt.

Regel No. 2: Spezialisten lachen Euch bei Stundensätzen von 50-60 Euro einfach aus. 50 Euro ist nicht mal der kalkulatorische Stundensatz beim Lieblingskunden mit dem man seit 10 Jahren zusammenarbeitet. Mag sein, dass man ab und an unterm Strich dabei rauskommt – aber dann auch nur, wenn man sich vorher ganz schlimm verkalkuliert hatte und viel länger braucht als veranschlagt, und es lieber auf die eigene Kappe nimmt statt nachzuverhandeln.

50 Euro … dafür bekomme ich nicht mal einen halbgaren Diskettenwender, dem ich noch zwei Jahre lang zeigen muss, wo bei einer Diskette oben und unten ist, bis er es weiß. Aber ganz sicher bekommt man dafür keinen guten Mann bei dem man absehen kann, was am Ende beim Projekt rauskommt.

Schon klar, das alles ist ein riesengrosser marokkanischer Teppichbasar – der Kunde will so wenig zahlen wie möglich, und Ihr wollt auch noch Eure paar Euro am Kuchen haben. Ist alles gegönnt und völlig ok.

Aber wenn Ihr doch schon wisst bei wem Ihr anruft, dann startet die Witzrakete doch gleich am Anfang, Ihr Feiglinge ! Dann muss ich Euch auch nicht zusammenscheissen was Euch einfällt, mit so einem Mist bei mir aufzuschlagen und mir meine Zeit zu stehlen.

 

 

7 Kommentare zu “Irgendwann im September

  1. Gut ich hab da keine Ahnung von Kalkulationen… 😉 Weiß nur, das eine CNC-Stunde… Also z.B. „normale“ Computergesteuerte Drehmaschine wohl so um die 40 bis 50 Euro liegt… inkl. Bediener… Wenn ich dann teilweise mitbekomme, was der Kunde für diverse Teile zahlt… Örks… Das passt irgendwie teils vorne und hinten nicht… aber anscheinend kommt am Ende noch irgendwie, irgendwo schwarze Zahlen bei raus…

    Solange ich mein Geld bekomme… 😉

    • Das was Du beschreibst sind ja oft Mischkalkulationen einer Firma, irgendwo zahlst Du drauf weil Du den Kunden haben willst, irgendwo „räumst Du ab“ und unterm Strich hoffst Du, das was übrigbleibt. Da schaut der Einzelfall dann oft mal seltsam und unplausibel aus.

      Wenn Du allerdings projektgetriebene Einsätze fährst bei denen Du erst mal davon ausgehst dass nix nach kommt, dann rechnest Du etwas anders, nämlich primär nur auf dieses eine Projekt.

      Unterm Strich weiß man recht genau, was eine Stunde kostet. Es gibt einen Fertigungsstundensatz: Was verdient der Mann im Jahr / wieviele produktive Stunden leistet er. Da kommt ein Betrag raus.

      Dazu kommen die Gemeinkosten, also alles was noch so dran hängt von der Buchhaltung über den Service, Versicherungen, Schulungen und Weiterbildung, bis hin zu den Escort-Girls und der silbernen Kugel für den Colt an dem Tag wo Dir das Rattenrennen dann endgültig auf den Keks geht. Das ergibt einen heftigen Betrag im Jahr der das Gehalt übersteigen kann, und auf jede produktive Stunde rechnest Du einen Anteil davon drauf, weil irgendwer muss den Mist ja bezahlen.

      Da kommen bei Sesselfurzern wie mir in Summe dann gerne mal 90 Euro die Stunde und mehr zusammen wenn man ehrlich ist. Warum ? Weil nur knapp jede zweite Stunde produktiv ist. Die andere verbringst Du mit all dem lästigen Zeug was dran hängt und das Du eigentlich gar nicht machen, sondern lieber „in Ruhe arbeiten“ willst.

      Solche Stundensätze durchzusetzen ist nicht immer leicht, logisch. Ich knirsche ja auch mit den Zähnen warum mein Klempner für 80 Euro die Stunde an meinem Waschbecken schraubt. Aber wenn Du halbwegs durchsteigst warum das so teuer ist, ist es zwar immer noch sauteuer aber ein bisschen verständlicher. Viele nehmen den Stundensatz mal 160 und sagen „boah ey, was für eine wahnsinnige Kohle für einen Klempner“, während sie ihr Monatsgehalt durch 160 Stunden teilen und sich dann fragen, wofür sie eigentlich jeden Morgen aufstehen. Kann man verstehen, ist aber bissle zu kurz geschossen. Wir alle hassen den Wasserkopf, aber er gehört dazu und muss bezahlt werden.

      Und deshalb kriegen die Consulter von mir regelmässig einen Einlauf wenn sie mit solchen Mickymausstundensätzen anlaufen. Denn damit köderst Du nur diejenigen die nix zu tun haben (warum wohl) und die, die nicht rechnen können.

      • Ja, der einfache kleine Schuhabtreter macht sich nicht oft Gedanken darüber, was alles im Hintergrund noch für Kosten sind… Ich denke mal, wenn man alles beherscht, kann man einiges an Kohle scheffeln… Sonst würden die „Sesselfurzer“, wie Du sie nanntest ;-), nicht sehr oft irgendwelche Schlachtschiffe fahren… Gut, die werden wohl so gut wie immer noch auf die Firma laufen oder sonst wie abgeschrieben… Trotzdem sieht man doch, wo Geld in irgendeiner Form ist, und wo nicht so richtig…

        Und mit den Preisen bei einigen Teilen… ja stimmt schon, einiges wird angenommen, damit der Kunde bleibt… aber wenn ich z.B. ein Teil fertigen muß, welches so komplex ist, das ich eine Schicht dran sitz, und das dann für 200 Euro verkloppt wird… Naja… Daneben kommen dann die Teile die von alleine laufen und im halben Minutentakt von der Maschiene kommen können… Und pro Stück ein paar Euro bringen… Das ganze ist alles in Ordnung, wenn es nicht so wäre, das man ja oft genug anschiss bekommt, wenn man bei einem Teil länger gebraucht halt, als Kalkuliert wurde… 😉

        Wobei jeder der Chef ist, eigentlich selbst einigermaßen das können sollte, was seine Firma produziert… Also so vom Fachwissen… Ich z.B. hab ein bisschen Wissen über den ganzen Kram von PC, Netzwerk und so… aber lange nicht so viel wie Du… Weswegen ich auch bestimmt verschissene Kalkulationen erstellen würde… Abgesehen davon, das ich zusätzlich kaum eine Ahnung von Kalkulationen hab… :mrgreen:

        Wenn ich Privat irgendwelchen Leuten mit ihren PC-Problemchen helfe, schieben dir mir Teils Beträge zu, die ich in dem Moment schon fast zu viel erachte für die Arbeit die ich geleistet habe… Aber das liegt wohl daran, das ich das ja zusätzlich zu meinem normalen Gehalt bekomme, und es ja sozusagen nur ein Geschenk oder so ist… Wenn ich mir alles genau durch den Kopf gehen lassen würde, was ich ja dann damit alles bezahlen müsste… Puh… Dann ists nix, für die halbe Stunde Mausgeklicke… Und selbst wenn es nur von zu Hause ist… 🙂

        Da bleibe ich lieber Schuhabtreter, hoffe auf einen großen Lottogewinn und male mir schon aus, wie Chef schaut, wenn ich die Kündigung bringe… :mrgreen:

        Danke für den kleinen Einblick! 🙂

        • Dafür hab ich keine Ahnung vom Drehen und schaue solchen Maschinen nur fasziniert zu auch wenn ich ihnen die Parameter übergeben könnte, damit sie genau das tun. Insofern ist jeder Spezialist in seinem ganz eigenen Sandkasten. Und wenn man in dem anderen Sandkasten plötzlich spielen müsste würde man erst mal ziemlich blöd aus der Wäsche schauen.

          Zu dem was ein Chef können muss habe ich eine etwas andere Einstellung. Klar, mein Technikerblut sagt mir auch immer „oh mein Gott, der darf zwar entscheiden, aber der hat ja so überhaupt keinen Plan worum es grade geht“. Das stimmt schon.

          Genau zu wissen was wie gemacht werden sollte ist aber manchmal auch ein Fluch und gar nicht so sehr hilfreich, weswegen Chefs die genau wissen wie es geht nicht immer die besseren Chefs sind. Vielleicht respektiert man sie mehr, sicher, aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wenn Du „Chef“ bist entscheidest Du Dutzende völlig unterschiedliche Sachen am Tag, die alle irgendwie „wichtig“ sind oder zumindest irgendwelche Auswirkungen auf andere Leute haben. Wenn Du da immer alle Details kennst und berücksichtigst, dann kann Dich das auch lähmen. Erstens mal hast Du Mitarbeiter die selber ein Hirn haben und einiges hinbiegen werden, und wenn Du gut bist dann hörst Du auf sie bevor Du allzu grossen Bockmist entscheidest, oder ruderst es wenigstens anschließend noch so gut es geht soweit um, dass alle damit leben können. Manchmal musst Du aber auch Sachen entscheiden wo Du genau weisst das wird ihnen nicht gefallen, oder wo die Situation es Dir gar nicht erlaubt, genau jetzt Details zu klären.

          Was habe ich früher über „Häuptling Silberlocke“ geflucht, den genialsten Vertriebsmann den ich je kennengelernt habe, der völlig technikresistent wiederholt mit einem Federstrich in einer Auftragsverhandlung mal eben zwei, drei Mannmonate Arbeit auf meinem Tisch abgeladen und sich später immer gewundert hat „huch ? So lange ? Echt ? Ich dachte das würde in zwei Tagen gehen !“. Ich habe ihn im Auto auf dem Rückweg von den Kunden regelmässig alles genannt was in Brehms Tierleben so steht. Heute weiß ich, was er tut ist ok. Er trifft Entscheidungen. Viele. Nicht jede einzelne davon ist ideal und gewinnbringend. Und ganz schön viele könnte man im Nachhinein betrachtet sicher besser treffen. Aber in Summe holt er so viele Aufträge rein, dass der Murks den er dabei verzapft, total unter den Tisch fällt. Und so ein bisschen trifft das auf jeden zu der „Chef“ ist, unterm Strich zählt nur, ob Du mehr Gutes leistest als Bockmist baust. Und gegen Bockmist bauen hilft Wissen um Details nicht immer.

          • Ja kann ich auch nachvollziehen… wenn die Firma eine gewisse Größe hat… Aber der Chef sollte doch wenigstens soviel von der Materie verstehen, damit er nur Zeugs annimmt, was wir auch bei uns machen können… bzw. er nicht denkt, das eine komplexe Arbeit mal eben in einer Stunde erledigt ist… Anstatt zu fragen oder wenigstens dann mit zu überlegen, wie man z.B. eine Serie schneller hinbekommt, heisst es nur, ich hab das nu so und so angeboten… MACH!

            Ob wir dafür geeignete Maschinen, Werkzeuge oder gar Material haben, ist oft egal… Klar holt er Aufträge heran… Aber irgendwie muß doch auch geschaut werden, ob das überhaupt möglich ist bei uns, und wenn es nur zeitlich ist, ob es überhaupt irgendwie noch dazwischen passt, wenn die hälfte der Skla… Mitarbeiter im Urlaub ist… Und wenn wir dann schon ersticken noch mehr Arbeit ankacheln… ich weiß nich… Dann heisst es jeden Tag, der Kunde hält ihm die Pistole an die Brust…

            Aber warscheinlich bin ich zu wenig Chef gewesen… :mrgreen:
            Hast wohl Recht… 😉 Denn wenn ich mir vorstellen würde, ich wär Chef… Meine armen Untergebenen… he he… 😀

            Achso… und Mitarbeiter die Hirn haben… sind seeeehr selten… :mrgreen:

            • Du hast schon recht … es kommt sicher auch drauf wo man ist und wie der Chef ist und wie nahe am Geschehen er noch ist. In der Branche der nerds treffe ich lauter Psychopathen und Primadonnen die sich nix sagen lassen wollen, die aber i.d.R. alle relativ helle sind. In manchen anderen Firmen vereint der Hutträger sämtliche Hirnzellen auf sich, steht mit beiden Beinen fest in den Wolken, und bei den Ruderern am Band herrscht das grosse Vakuum und er muss ihnen alles sagen. Ich glaub das tütet sich jede Firma so ein wie sie es will, und hauptverantwortlich ist dafür natürlich der Boss.

  2. Es scheint mal wieder Zeit zu sein. Herbstzeit – Erntezeit? Gerade vorgestern rief mich wieder mal jemand auf meiner deutschen Nummer an. Mein erster Satz war „Sie wissen aber, dass mich das Gespräch jetzt 1,60 pro Minute kostet, da ich in Afrika sitze?“ Nun, nachdem ich dann auch noch klarstellte, dass bis Ende 2013 erst mal gar nichts geht, war das Gespräch auch noch vor den Preisverhandlungen beendet. Ansonsten wäre es mit den Preisverhandlungen sowieso in die Hose gegangen. Auf meinem letzten Einkommenssteuernachweis stand unter „steuerfreiem Einkommen Ausland“ eine hübsche sechsstellige Zahl, die bei mir netto einging. Wenn sich die Werbeschergen (eine Firma, die irgendwas Besitzanzeigendes mit englischem Heu im Namen trägt) das in Brutto umrechnen, dann rufen die nie wieder an.

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