a life less ordinary ?

the egghead diaries

Irgendwann im September II

11 Kommentare

Biokost ist so ein bisschen wie ein Friseurbesuch. Schwierig, und mit Problemen belastet. Glaubst Du nicht ? Ist aber so.

Seit zwei Wochen will ich zum Friseur, weil das gute Wetter in Verbindung mit einem ständig offenen Dach dazu führt, dass ich jeden Tag aussehe wie P!nk auf dem roten Teppich, also frisurentechnisch gesehen. Und weil ich nicht weiß, ob die Frauen auf der Strasse mich wegen der Frisur so komisch anschauen, oder weil die große Bürste in meiner rechten Hosentasche missverständlich aussieht, habe ich keine mehr dabei.

Wann bemerke ich das ? Richtig, Samstag mittag, wenn ich mit der 28ten Sturmfrisur der Woche vom Einkaufen zurückkehre.

Was funktioniert dann nicht ? Richtig, Renate anrufen und einen Termin ausmachen. Weil Renate berechtigterweise Samstag mittag in den Sack haut und den Salon zu macht.

Wann fällt es mir das nächste mal ein ? Richtig, Montag früh, wenn nicht nur mein Gesicht im Spiegel wie ein Kopfkissen aussieht, in dem jemand geschlafen hat, sondern auch die Frisur so wirkt, als hätte ich schon wieder versehentlich in die Steckdose gepinkelt. Montag ist Renate aber auf der Flucht. Das heisst, drei von sieben Tagen in der Woche schaue ich scheisse aus, und kann nix dagegen tun. Gut, wenn ich mich so umsehe, kann man es noch schlimmer treffen. Aber es ist trotzdem lästig.

Was mich direkt und fast ohne Verzögerung zur Biokost hinüber leitet.

Jeder kennt die Felder, wo man für kleines Geld durch den Dreck robben und benzindampfgeschwängerte Gladiolen direkt neben der Bundesstrasse aus einem Rübenacker ruppen kann. Das ist schön und hilfreich, wenn Du einmal im Leben eine Frau triffst, die Gladiolen nicht zu klobig und sowieso scheisse findet.

Die Steigerung davon sind Bio-Bauernhöfe, auch Müsli-Ghettos genannt. Da kann das Stadtkind endlich mal lernen, dass Erdbeeren nicht immer in Plastikbechern umgeben von weisser Pampe aufwachsen, und Kartoffeln nicht in Pommesform aus der Erde gebuddelt werden müssen. Großartige Erfindung. Es gibt dort alles. Also schlammfarbene Klamotten an, einen Dampfstrahler in den Kofferraum stellen für nachher und es kann losgehen.

Wäre da nicht ein Problem: Es wissen zu viele davon. Beim Anstich des Oktoberfests auf der Theresienwiese mittags um zwölf einen Parkplatz zu finden ist um Längen einfacher, als das Raumschiff auf dem von Müslibombern zugestellten, ein Hektar grossen Parkplatz neben dem Biobauernhof abzustellen. Man muss sich das ungefähr so vorstellen, als wären Görtz, Deichmann und 30 weitere Schuhgeschäfte nebeneinander in der Hauptstrasse, und sie alle hätten Sale mit 98% Rabatt auf alles (ausser Tiernahrung), und das günstigste von acht Paar Schuhen gibt es natürlich umsonst, klar. Und nackte, muskulöse Kerle tanzen nur mit einer Fliege bekleidet durch die Läden.

Das beschreibt aber nur Dienstag bis Freitag. Denn am Samstag ändert sich das Publikum. Man sieht es schon am Parkplatz, die Fahrzeuge stehen mit einem mal so merkwürdig geordnet da. Völlig klar, die Göttergatten wurden zur Zucchinijagd abkommandiert, schleppen seit Stunden zentnerschwere Körbe mit lauter Mist den sie nicht fressen wollen durch die Botanik, und fantasieren kurz vor der Bewusstlosigkeit von einer Schweinshaxe. Aber sie nehmen es hin, wissen sie doch derweil die Brut gut aufgehoben in einem eingezäunten Feld voller riesiger Strohballen, wo sie sich gegenseitig mit Schlamm und Steinern bewirft und minütlich testet, wer am lautesten flennen kann.

Was dazu führt, dass Du Dich eben auch am Samstag nicht durch 50 Meter lange, übermannsshohe Himbeerhecken frisst und einen Strauch Thymian aus der Erde ruppst, der grösser ist als ein Gladiolenstrauss, sondern auf dem Absatz kehrt machst und planst, Montags wieder zu kommen.

Aber den Montag braucht der Biobauer, um den völlig verwüsteten Hof wieder instand zu setzen und seine Baldriantropfen zu besorgen, und hat deshalb zu.

11 Kommentare zu “Irgendwann im September II

  1. Ich sehe schon! Du hast ein perfektes Timing!

    Am Besten machst du dir einen Friseurtermin für Dienstag und schickst die Liebste in der Zeit zum Biohof.

    Dass man Männern aber auch alles sagen muss *kopfschüttel*

    • Ich hab‘ die Liebste schon vor Jahren zum Teufel geschickt … ich bin mir daher nicht so recht sicher, ob sie jetzt noch für mich zum Biohof geht …

      • Hm, das ist natürlich ein Problem… Dann schick eben deine Anwältin, deine Facilitymanagerin oder sonst eine aus deinem Hühnerhaufen.

        Wirst ja wohl eine Dame in petto haben, die dir das gerne erledigt!

        • Das ist ja das Verrückte !

          Vermutlich weil der mir befehlsmässig untergeordnete Hühnerhaufen weitgehend vermehrungsabstinent ist, legt er offenbar auch keinerlei Wert auf gutes Gemüse, sondern frisst an geraden Tagen vegetarische Pizza – und an ungeraden vermutlich die -schachteln !

          Das wären die ersten die auf dem Biohof versuchen würden, nach Tomaten und Eiern zu graben und nach dem Stall zu suchen in dem die Paprika leben.

          • Dann lass eben mal eine der Muttis, die ihre Kinder zum Arzt bringen ausnahmsweise mal auf deinem heiligen Parkplatz parken solange du beim Friseur bist und im Gegenzug muss sie dir dann eben was vom Biohof mitbringen.

            Man, man, man… Völlig unkreativ der Mensch!;-)

  2. Friseur? Da will ich seit einem Quartal hin… Klappt irgendwie nie…

    Und Biohof? Sowas gibts hier nicht in der Nähe… Sind wohl zu weit von einer Stadt entfernt… :mrgreen: Haben nur so einen Möchtegern-Ich-liebe-alle-und-tu-alles-für-Geld-Bauernhof… Aber der ist teils beliebt und der andere Teil hast ihn… Warscheinlich weil der Geld mit jedem Scheiss macht…

  3. Friseur? Dafür gibts doch Maschinen für Zuhause! Einige kann man sogar an den Staubsauger anschließen! Reicht völlig.

    • … und das von einer Frau …. wtf … ?

      Ausgerechnet von einer der Stützen des Scherenhandwerks, die halbtägige Termine bei der „Einzigen die meine Haare schneiden kann“ in der überübernächsten Nachbarstadt machen und in Depressionen verfallen, sollte diese mal eine Woche am Strand von Ibiza liegen, sagt so etwas.

      Dabei deutete doch bislang die plötzlich auftretende modische Igelfrisur bei Frauen ab 35 höchst zuverlässig auf eine gerade anstehende oder vollzogene Scheidung verbunden mit einer zeitweiligen Typveränderung samt Geschmacksverwirrung und Farbenblindheit hin !

      Irgendetwas läuft hier doch ganz furchtbar schief, die bekannten Regeln scheinen nicht mehr zu gelten, ich bin zutiefst besorgt und verstört 😉

      • Himmel, das ist doch nicht für MICH, sondern für MÄNNER!!
        Ich gehe selbstverständlich zur Friseurmeisterin meines Vertrauens und lasse monatlich viel Geld dort, was glauben Sie denn!
        Aber gut, genießen Sie Ihr Haupthaar, solange Sie es haben – der Liebste hat inzwischen einen elektrischen Haarschneider und eine Haarlänge von maximal 3 mm. Da fällt das dritte Knie dann nicht mehr so auf.

        • Oh, vielen Dank für die Beruhigungstropfen, meine Verwirrung hatte mich bereits vollkommen gelähmt.

          Bezüglich des Selbstversuchs mit einem Rasenkantenschneider muss ich gestehen dafür zu feige zu sein. Ich behaupte einfach mal, wem keine Hüte und Mützen stehen, der schaut auch als Bowlingkugel scheisse aus. Und da ich mich eines vollständigen Haupthaars ohne mönchsmässige Tonsur erfreue, und auch nicht die drei verbliebenen Haare um den Kopf wickeln muss damit es nach behaart ausschaut, nehme ich weiter davon Abstand entsprechende Versuche zu machen, auch wenn das Glump wie Unkraut wächst, es praktisch wäre und auch Montags verfügbar.

          Als Blondine muss ich zum Glück auch nicht regelmässig auf die Suche nach den (meist durch Fraueneinfluss) ergrauten Haaren gehen und sie schmerzhaft ausreissen – ich werde eines Tages schlagartig vornehm ergraut aus dem Bett steigen.

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