a life less ordinary ?

the egghead diaries


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250 to go

Zurück aus dem Land der Buddelfixe.

Sein Programm war straff organisiert gewesen … und fünf Minuten nach Einlaufen auf dem Werksgelände bereits Makulatur. Denn zeitgleich zu seinem Einsatz war das zweitägige Schaulaufen der Entscheidungsträger angesetzt, was allerorten für eine Störung der gewohnten Arbeitsabläufe sorgte.

Und so hatte er gegen Montag nachmittag bereits das erledigt, was an sich auf grob eine Stunde angesetzt war.

Ausserdem hatte hatte er aus Platzmangel im Raumschiff auf Sommer gepokert … und verloren. Denn es war Winter. Diese Tatsache sah den capt’n am frühen Montag abend das Luftlinie 40, Fahrstrecke gefühlt 200 Kilometer entfernte Outlet stürmen, an jeder Kasse die bislang gefüllten Tüten hinterlegen und mit noch mehr Tüten als vorher weiter zu wanken zum nächsten Laden. Am Ende eines extremshopping-Abends suchte er erschöpft nach einem Laden für Kleiderschränke, denn die würden ihm zuhause wohl ausgehen. Da war es jedoch bereits kurz nach acht und er wird nun vermutlich gezwungen sein, den Schreiner des Vertrauens kommen zu lassen.

Und er hat das Hotel gefunden. Trotz der Tatsache, dass die 18 Kilometer vom Werksgelände dorthin sich zu 38 Kilometern auswuchsen, dank der Buddelfixe, die jede zweite Strasse aufreissen und Umleitungen über Shanghai, den Nordpol und die Südsahara ausschildern mussten. Nur die beschissensten Strassen mit fassförmig gewölbtem Kopfsteinpfalaster aus der Zeit Friedrich des Grossen und August des Dummen lassen sie in Ruhe. Sind vermutlich Baudenkmäler oder die Stossdämpfer-Lobby hat alle geschmiert, man weiß es nicht.

In der Lobby strahlte ihm als erstes das Achtfachkinn des 172-fachen Formel-1-Weltmeisters Michl S. aus K. entgegen. Zum Glück nur von einem signierten Foto.

Genauso strahlte die Empfangsdame, die offensichtlich zum ersten mal in ihrem Leben einen PC bediente und geschlagene 10 Minuten brauchte, um seinen Namen, die Rechnungsanschrift und alles andere – trotz erfolgter Reservierung – von einer Visitenkarte abzulesen. Sie strahlte weiter, während der capt’n bereits Blutdruck bekam. Sie strahlte auch noch als sie ihm mitteilte, dass kein Zimmer für Mittwoch verfügbar wäre. Sie strahlte deutlich weniger, als der capt’n vor ihrem Gesicht explodierte. Und auch der hinzugezogene Geschäftsführer dürfte sich noch mehrere Tage an dem Satz heisser Ohren wärmen können, die ihm der capt’n spendierte, während er die Gesamtausgabe vom Brehms Tierleben zitierte.

Der Dienstag sah den capt’n weitgehend auf der Flucht vor dem in Gruppen aufgeteilten Schaulaufen, das zur Besichtigung durchs Gelände geführt wurde. Und so verkroch er sich zu der seiner Meinung nach richtigen Zeit in der dreckigsten Ecke, sah aus wie ein paniertes Erdferkel und nahm in Betrieb, was er an sich am Tag zuvor schon hatte erledigt haben wollen.

Während er zum achten mal unter dem Tisch hervorkroch und triumphierend eins von geschätzt 28 völlig verwurschtelten Kabeln in die Höhe hielt, befand er sich mitten in einer der Zooführungen, die sich ungesehen angeschlichen hatte. Nach kurzer Vorstellung durch den Reiseleiter zog er es vor, kommentarlos zum neunten mal unter dem gleichen Tisch zu verschwinden und dort abzuwarten, bis die Fütterungszeit ansteht.

Während er sich einige Zeit später auf den Weg machte, um ungesehen wieder das Büro zu erreichen und sich dort zu verschanzen, stand vor ihm aus dem Nichts heraus eine wildfremde Frau und strahlte ihn an. Während er an sich und seinen eingesauten Klamotten herunter blickte und wenig fand, das eine Frau zum strahlen bringen könnte, sich kurz umsah ob vielleicht jemand hinter ihm angestrahlt würde, und nachdem sich ihm kein anderer Ausweg ausser einem kühnen Sprung in den Feuerlöschteich auftat beschloss er, tapfer zu sein. Die Frau stellte sich heraus als eine Mitarbeiterin des Kunden aus hunderte Kilometer entfernt, mit der er in den vergangenen acht Jahren x-fach telefoniert, Probleme gesucht und gefunden hatte, und die ausgesprochen sympatisch war. Und er wäre ihr ohnehin niemals entkommen. Denn sie hatte gehört, als sein Name fiel und sich gezielt auf die Suche gemacht. Man klagte sich gegenseitig sein Leid und lachte. Und sie sah über die stark ramponierte Optik des capt’ns mustergültig hinweg.

Der Dienstag war mittlerweile vorüber und er hatte nun noch einen Vormittag Zeit das softwaretechnische voodoo zu vollführen, für das er inklusive Nachwehen, Händchenhalten und Beschwörung des kleinen Gotts der Elektronen zwei Tage eingeplant hatte. Da er aber dank der Künste des Hotelgewerbes in der Wüste Gobi eine Nacht in einer umgerüsteten Doppelgarage verbringen hatte müssen beschloss er, sich das am Mittwoch nicht zu geben und eröffnete stattdessen kurzentschlossen eine Therapiestunde für die Sorgen und Nöte der einzelnen Abteilungen. Was ihn mittags zu dem Schluss brachte es wäre vielleicht doch nicht dumm gewesen, lieber den Gewaltakt zu vollführen.

 

Ein kurzes Wort noch an die lieben Kollegen auf der A1-9, lernt überholen! Wenn ich mit 140 km/h auf der rechten Spur dahin schleiche weil ich seit einer halben Stunde telefoniere und Ihr fünf Minuten braucht, um mich mit 140,002 km/h zu überholen, dann seid froh mich anhupen zu können wenn ich direkt vor Eurer Nase ausschere statt fünf Sekunden später dem 40-Tonner vor mir ins Heck zu knallen. Wäre es mir nicht zu schade um mein Blech, die Zeit der Unfallaufnahme und das ständige Auffüllen des Verbandskastens, ich würde drei Sekunden warten bis Ihr vollends neben mir seid und Euch dann sanft mit 140 in die Mittelleitplanke einmassieren.