a life less ordinary ?

the egghead diaries

259 to go

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Der capt’n hasst es, Sachen zu verschieben. Die Uni seinerzeit war die Institution gewesen, um ihm die Aufschieberitis auszutreiben, in der er es schon zur Vize-Landesmeisterschaft gebracht hatte.

Drum war er seit rund zwei Wochen latent grantig. Denn dieses Konzept lungerte nun schon vier Wochen herum und harrte darauf, ein Angebot mit Auftragswahrscheinlichkeit eins zu werden, etwas, das man an sich gerne macht und lieber darauf wartet, die AB schreiben zu können und einen kleinen peinlichen Siegestanz aufzuführen. Und trotzdem wanderte der Kalendereintrag von Tag zu Tag weiter – nicht der Königsweg, aber immerhin ein prima Rezept um es letztlich so nervig werden zu lassen, dass es irgendwann erledigt wird. Aber irgendetwas das er nicht greifen konnte, hatte den capt’n immer abgehalten.

Trotzdem war es diesmal gut. Denn nach vier Wochen hatte er die Details der Bibelkurzfassung V3 längst vergessen und war gezwungen, sich erneut in den Verhau reinzuarbeiten. Und da war er, der kapitale Bock, der ihn vielleicht gestört hatte, ohne dass er es richtig wusste.

Und wer hat ihn gefunden ? Nicht er, nein. Er ist der Antichrist. Die facility managerin mit dem Staubtuchfetisch war es. Denn während er mit dem Notebook auf dem Sofa sitzend sich von fremden Frauen virtuell erklären lassen musste wie klein sein Leben doch ist und dass er unfähig sei, ihre Probleme auch nur anerkennen zu wollen, räumte sie ungerührt und fröhlich schwatzend den Schreibtisch auf. Und statt – wie sonst – Papier nach Grösse zu sortieren, sortierte sie zur Abwechslung mal nach Farbe. Oder Design. Jedenfalls, die, am so arbeitsfreien Sonntag eines verantwortungsfreien Antichristen ausgedruckte, mittlerweile mit Kaffeeflecken und dem Abdruck eines ungeniessbaren Muffins von gestern verzierte, ungeliebte Grafik des schlechten Gewissens landete irgendwie oben.

Als der capt’n etwas später am Schreibtisch sass und tippte, klingelte das Telefon. Neue Stunde, neue Baustelle. Das ist bei jedem Antichristen so. Es würde vor Ende Juni wohl eher nichts werden mit dem Fertigstellen der Aufgabe, die Anfang März hätte fertig sein sollen, hörte er aus der tränenschwangeren Stimme heraus. Und während er sich im Entschuldigungswortschwall gerade eine deutlich kürzere Erklärung für den Kunden dieses Projekts überlegte, in denen der Begriff  ‚Mistkerl‘ und viele weitere allesamt möglichst nicht vorkommen, mit Absicht – und etwas Überwindung – davon Abstand nahm es selber zu machen weil das demotivierend ist, und nebenbei den zukünftigen Ex-Mann immer wieder zustimmend als Mistkerl bezeichnete (weil es aus Erfahrung einfach schneller rum ist wenn Du zustimmst), fiel sein Blick auf die ausgedruckte Grafik. Und den Muffinabdruck. Und irgendwas machte *click*.

Eine knappe Stunde später war der Mistkerl immernoch ein Mistkerl, aber die aktuelle Strophe war rum. Drei Stunden später war das Angebot fertig. Vier Stunden später hatte er sich auch seine Watschen beim anderen Kunden abgeholt. Tagesgeschäft im kleinen Leben eines Antichristen. Deshalb arbeitet er auch so gerne mit Frauen zusammen. Sie mögen ihn zwar nicht. Aber selbst wenn sie nicht da sind, sie sorgen immer irgendwie dafür dass er das was wichtig ist, letztlich richtig macht. Was für kleine und große Eisberge er dafür jeden Tag unter der Oberfläche herum schiebt, geht zum Glück nur ihn selber etwas an.

An almost perfect game.  Next game starts in about three hours. Hit any key to continue.

Notiz:

  • Du kannst vieles. Du kannst keine Muffins backen. Akzeptier‘ das endlich.
  • Gute Türstopper bröseln nicht. Sie kommen aus dem Baumarkt, nicht aus dem Ofen.

 

7 Kommentare zu “259 to go

  1. Muffins sind eine KUNST, hab ich mir sagen lassen – selbst hartegsottene, Altbackofenerfahrene Fachkräfte (w) scheitern an so kleinen unscheinbaren Dingern wie MUFFINS.

    Umgekehrt ist es nach meiner B-O-b8ung so, dass Menschen, die auffallend gut Muffins jeglicher Coloeur und Geschmacksrichtung hinkriegen, eben auch nur…..ähm, genau DAS wirklich gut hinkriegen.

    Das hängt evtl. damit zusammen, dass der Kopf-RAM, den gutes Muffinbacken belegt, außerordentlich hoch ist.
    Und jegliches Defragmentieren führt dann wieder zu….na ?

    Richtig:
    Türstoppern.

    • Einleuchtend, in der Tat. Ich will aber lieber glauben das hat damit zu tun, das Backen (im Gegensatz zu Kochen, was ich kann) im Grunde Kunst ist und Bitschubbser zwar alle kleine MacGyvers, dafür aber einfach künstlerische Totalausfälle sind. Während das Umgekehrte hoffentlich nicht gilt.

      Ich bin jetzt auf der Suche nach einer Bäckerin/Konditorin mit latent schlummernden EDV-Kenntnissen, Teilzeit, aber keine Frühaufsteherin. Nur gutes Personal ist sooo schwer zu finden, wer will schon für den Antichristen arbeiten 😉

      • Zunächst mal möchte ich darauf hinweisen, dass die Stellenausschreibung gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstößt, da sie nicht geschlechtsUNspezifisch ausformuliert wurde.

        Der Umstand, dass die Treffermenge der möglichen Bewerber NULL beträgt, da die Schnittmenge aus den Anforderungsparametern…

        „[Frau] + [schlummernde EDV-Kenntnisse]“ = bereits null* beträgt,

        …wird den Ausschreibungsfehler wahrscheinlich nicht heilen,
        in den Augen des Arbeitsgerichtes.

        Dies wird durch den zusätzlich einschränkenden Parameter
        „+ [Backen/Konditoren]“ aber auch nicht besser.

        Damit sind die ersten 3 Monatsgehälter Schadenersatz an
        eineN potenzielleN BewerbeR schon mal bitte fest in des Captns Budget für allgemeine lose Mundwerkskosten einzuplanen und rückzustellen.

        *einzige lebende Ausnahme in dieser Galaxis ist Frau Koenigstyrann Aber ich bin fast sicher, dass die nicht backen kann.

        • Ich muss mich ganz entschieden gegen diese frauenverachtende Unterstellung wehren ! Gut, das nimmt ausgerechnet mir zwar kein Schwein ab, versuchen muss ich es dennoch:

          Eine der besten Programmiererinnen die ich jemals kennenlernen durfte war soweit ich weiß ursprünglich etwas aus dem Umfeld „Mjam“.

          Alle anderen mit denen ich arbeiten konnte hatten und haben den unbezahlbaren Vorteil, keine verspielten Nerds zu sein, sondern zu programmieren, wie sie kochen oder backen: Hauptsache es schmeckt, man stirbt nicht daran, und es schaut nicht aus wie schonmal gegessen. Und dafür gibt es notfalls ein Rezeptbuch das sie sich nicht scheuen zu verwenden. Und das ist ein Hauptgrund, warum ich seit jeher Frauen als Kollegen lieber habe als Kerle: Ich hatte mit keiner zu tun, der ich programmiertechnische Faxen austreiben musste. Und nicht einen Kerl, bei dem ich das nicht musste.

          Ich hoffe mal, das ist hinreichend glaubhaft, alle anderen dürfen zwecks Beschwerden gerne mit meinen Spamfilter Kontakt aufnehmen, der hört beliebig lange zu 😉

          Abgesehen davon ist es aber weitgehend egal, ob ich mein Geld nun für Entschuldigungsblumensträusse und begehbare Geschenkkörbe zum Fenster rauswerfe, oder dem Arbeitsgericht gleich eine Einzugsermächtigung gebe … ich fahre viel vorsichtiger und werde daher seltener geblitzt, seit ich regelmässig diesbezügliche Ausgaben habe …

          Und ausserdem WILL ICH MUFFINS !

          • Es gibt Läden die nennen sich „Bäckerei“. Dort kann man(n) Muffins käuflich erwerben, für Menschen die Angst vor Gesellschaft anderer haben soll es die Dinger sogar bestellbar im Internet geben:
            für Nerds

            Dann bringt sie Anton direkt in die Hölle.

            • Keine Frage, das geht … und als das hier noch funktionierte, was mindestens 5 Jahre her ist, habe ich das auch ausgiebig genutzt. (Und die Verpackung des Kuchens in einem zum Schutz mit Popcorn gefüllten Karton war grenzgenial).

              Nur … keine aus irgendeiner Fertigbackmischung zusammengerührte Bäckerware die wie Muffins ausschaut, kann mit echten Muffins mithalten !

              Echte das sind die, wo Du vor dem letzten Bissen des zweiten eigentlich schon geplatzt bist und wie eine Schildkröte auf dem Rücken mit den Armen ruderst… und der dritte trotzdem so viel Chancen hat übrigzubleiben wie ein Schneeball in der Hölle.

              Ich finde die muss man entweder machen können oder jemanden kennen der es kann. Ersteres klappt bewiesenermassen nicht … also probieren wir jetzt Plan B. Plan C wäre, auf Bäcker umzuschulen. Dann erst kommt Dein Plan D, trotzdem danke. Man muss ja vorbereitet sein.

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