a life less ordinary ?

the egghead diaries


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9 1/2 Wochen (jugendfreie Variante)

Wie man eine Liege testet.

Man bestellt Möbel beim örtlichen Fachhändler. Kein Inbusschlüssel, keine bebilderte Aufbauanleitung mit den Figuren A und B. Kein gemieteter Transporter mit rutschender Kupplung und versifften Armaturen, mit dem man rumgurkt, den Mist selber hoch schleppt und dann zurück gurkt. Um weniges Stunden später noch die fehlenden Schrauben zu holen.

Der örtliche Fachhändler braucht 4 Wochen, um die Liege zu liefern – welche zurückgeht, weil sie beschädigt ist.

1 Woche später liefert er die ersetzte Liege – und der Rest solle nun auch wirklich bald kommen.

4 Wochen später ruft er an, er könne nun den Hocker liefern. Der capt’n will jetzt aber entweder alles oder gar nichts. Und gerade der Hocker wäre ihm recht egal.

3 Tage später ruft er an und teilt mit, dass er Tisch und Sessel erst nächstes Jahr liefern könne. Ob er denn inzwischen den Hocker liefern dürfe. Selbstredend dürfe er, meint der capt’n, da auch die Rechnung bis zur vollständigen und fehlerfreien Lieferung nächstes Jahr schwebe.

Der örtliche Fachhändler lamentiert und erklärt dem capt’n, es gäbe einen Containermangel, weswegen die Sachen nicht geliefert werden könnten. Der capt’n erklärt, das sei ihm scheissegal, denn er hätte keinen Container bestellt – es erfolge daher entweder vollständige Lieferung und anschliessende Bezahlung wie vereinbart, oder der Fachhändler könne seine Liege wieder abholen. Gleiches gelte, sollten die Polster nicht zusammen passen oder die Farben. Schliesslich würde alles zusammen nun voraussichtlich aus zwei verschiedenen Produktionsjahren stammen.

Der örtliche Fachhändler lernt, dass mit dem capt’n schwer zu verhandeln ist und fragt nach, warum dieser so stur sei.

Der capt’n antwortet ihm, dass er, wenn er schon fast drei mal so viel Geld ausgäbe wie er beim Mitnahme-Schrotthändler um die Ecke bezahlen würde, einen Gegenwert dafür erwarte. Und der bestehe eben nicht alleine darin, dass die Dinge vielleicht schöner oder hochwertiger seien, sondern auch darin, dass er sich mit genau solchem Geeiere eben nicht abzugeben bereit sei. Und der Fachhändler hätte nun exakt 14 Tage Zeit um vollständig zu liefern, und ob er dies schriftlich brauche.

Nachdem der örtliche Fachhändler 4 Stunden mit sich gerungen hat, steht er vor der Tür, um seine Liege wieder mitzunehmen – nicht ohne doch noch ein letztes mal verhandeln zu wollen.

Als der capt’n ihm aber erklärt, man könne wirklich bequem auf der Liege schlafen und er sei nun ausgesprochen ungnädig, weil er bei schönem Wetter nicht mehr auf der Terrasse schlafen könne, zieht der Fachhändler mit seiner Liege von dannen.

Und der capt’n überlegt, ob er morgen wieder Möbel gucken geht, oder doch für den Winter zwei Wochen Sonne bucht – der Sommer ist eh bald rum.