a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Doppelmond

Der Mohoond ist aufgegaaangen …zweimal.

Angestachelt von plakatgrossen Bildern in der digitalen Presse begab sich der capt’n zu nachtschlafender Zeit samt Kamera aus dem Haus, um … erstmal Dunkelheit zu finden – gar nicht so leicht in der kleinsten Grossstadt, wo jedes Scheisshaus mindestens eine Leuchtreklame hat.

Im offenen Auto Richtung Walachei cruisend versuchte er, seine rudimentäre Kenntnis der Astronomie mit den Himmelsrichtungen in Einklang zu bringen, denn er sah alles mögliche, nur keinen Mond. Er sah auch nicht viel von der Strasse, weil er ständig in alle Richtungen guckte. Eine handvoll Sterne waren da, Wolken konnten es folglich nicht sein – wohl zu früh gekommen, ein bekanntes Männerproblem.

Und so machte er erstmal einen Zwischenstop im Restaurant zum goldenen M. um Proviant zu bunkern.

In den Regnitzauen angekommen parkte er auf einem Feldweg, versuchte Strohhalme und Coke-Eimer zu verbinden, und wickelte den ersten Burger aus. Kein Mond zu sehen. Das einzige Licht weit und breit war sein weihnachtsbaumartig beleuchtetes Raumschiff.

Während er den zweiten Burger auspackte überlegte er kurz, ob das mit dem hellen Leder im nächsten Raumschiff wirklich eine so pfiffige Idee wäre und machte eine kurze Notiz, den Raumschiffdealer doch noch mal anzurufen – er hat ja noch vier Wochen Zeit das beliebig oft umzukonfigurieren.

Gerade als er die Notiz in sein handy tippte, ging der Mond das erste mal auf … in Form einer empörten Hausfrau, die aus dem Nichts neben seiner Beifahrertür erschien.

‚He Sie !Was machen Sie hier ?‘ fragte sie sofort herausfordernd und mit der piepsigen Stimme einer Frau, die glaubt das Recht auf eine Antwort zu haben, solange sie nur laut genug ist.

Der capt’n wollte sie erst fragen, was zum Teufel sie um diese Uhrzeit allein am Arsch der Welt machte als ihm einfiel, dass ihm das eigentlich ziemlich egal war. Die Chance seinen letzten Burger mit ihr zu teilen hatte sie auch schon vergeigt, und dem capt’n war irgendwie nicht nach Deeskalation.

‚Ihnen auch einen guten Abend. Frage eins: Wer sind Sie ?‘ Frage zwei: Was geht Sie das an ?‘

‚Sie können doch hier nicht einfach stehen, um diese Zeit !‘ Richtig getippt. Sie war gefangen in ihrer Gedankenwelt. Sie würde auch nix von seiner Coke kriegen.

‚Es ist Vollmond, und ich … liege … auf … der … Lauer.‘ Ein letzter Versuch, sie subtil in die richtige Richtung zu schubbsen.

‚Nein, das geht doch nicht !‘

*Na gut, Du dumme Nuss, dann spielen wir es eben vom Blatt* dachte sich der capt’n, senkte seine Stimme eine Oktave, stellte den irren Blick an, und raunte:

‚Und ich habe sogar eine Kamera dabei.‘

‚Sie, Sie … Sie Schwein ! Ich rufe die Polizei ! Hören Sie mal, ich will von Ihnen sofort Ihren …‘  … der Rest ihres Gezeters ging unter in Queen’s ‚Best Of‘. Immer wieder erstaunlich, was aus diesen Lautsprechern rauskommt, wenn man nur lang genug auf den +-Knopp drückt.

Während Sie noch ein wenig neben seiner Beifahrertür herumgestikulierte stieg der capt’n ungerührt aus, um endlich rauszufinden wo der verfluchte Mond nun war – was sie aber offenbar vollkommen fehldeutete und schlagartig die Flucht in die Dunkelheit ergriff.

Während der capt’n noch wild um sich blickend den Mond suchte und Freddie lauthals nach den Princes of the Universe schrie, sah er aus den Augenwinkeln einen Dreckfleck am südlichen Himmel. Aber er hätte ein armlanges Teleobjektiv gebraucht, um daraus ein irgendwie wertvolles Bild zu machen, das nicht zu 98 Prozent aus schwarz besteht.

 

Allen, die um diese Zeit vernünftig waren und auf der Couch das Fernsehprogramm verschlafen haben sei versichert: Das Ding war wie zu erwarten nicht grösser als sonst, und sah auch nicht anders aus als an einem beliebigen anderen Abend, wenn mal wieder ein bisschen Smog über dem Land liegt.

Der capt’n wartet jetzt noch eine halbe Stunde ob das SEK sich noch vom Hausdach gegenüber abseilt um ihn als vermeintlichen Spanner in der menschenleeren Regnitzau festzunehmen.