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Test Drive IV – Lost in accessories

Der Verkäufer war gut, mit viel Ahnung, viel Zeit, und er kannte die Konkurrenz, Stärken und Schwächen, sehr angenehm. Von aussen draufgeschaut sah der A5 auch richtig schön aus. Drei Stunden später war das Ergebnis etwas ernüchternd.

Wir haben fast eineinhalb Stunden gebraucht, um das Zubehör zusammen zu puzzeln, verglichen mit geschätzt 15 Minuten beim Propellerträger wird schon klar, worauf der capt’n hinauswill.

Damals beim Passat musste man, um den rechten Aussenspiegel zu bekommen, den Heckscheibenwischer mit Intervallschaltung kaufen. Das ist gefühlte 30 Jahre her.

Willst Du Bluetooth, musst Du ein anderes Radio nehmen. Willst Du beheizbare Sitze, musst Du andere Sitze nehmen. Willst Du PDC vorn und hinten, musst Du wieder ein anderes Radio nehmen – am Ende wird die Zubehörliste über eine DIN-A4-Seite lang sein – verglichen mit nicht mal einer Drittelseite.

Audis sind einfarbig – zweifarbige Innenausstattung (helle Sitze, dunkle Teppiche) gibt es nur, wenn man für das bissle Teppich exakt 1K netto ausgibt. Dass helle Teppiche im show room toll, nach drei Jahren aber aussehen wie ein Schweinestall ist bekannt, wird bestätigt … und achselzuckend ignoriert.

Setzt Du Dich dann in einen A5 hinein, musst Du Dir alle fünf Minuten mit dem Hammer aufs Jochbein hauen um Dich daran zu erinnern, dass das kein Golf ist. Denn vom Platzangebot her ist es einer. Und von den Materialien her ist es einer. Kostet aber drei mal so viel.

Generell ist auffällig, dass jegliches vergleichbare Zubehör rund 25% mehr kostet als bei den Jungs mit dem Propeller auf der Haube.

Preislich kann er trotzdem mithalten, erstaunlich angesichts der Tatsache, dass man bis auf Blinkerhebel und Tankdeckel eigentlich alles als Zubehör drankleben muss, weil der Wagen in der Grundausstattung grad mal vier Räder hat.

Audi kalkuliert in Richtung niedriger Restwert – heisst hohe Raten. So gut das für eine Übernahme nach drei Jahren sein mag, will ich einen Kunden zum Markenwechsel überreden, ist es kontraproduktiv. Denn der wird sein erstes Exemplar eher nicht überehmen.

Dass in der Audi-Bonusbibel für Markenwechsler ausgerechnet und nur der A5 nicht auftaucht, ist ein dummer Anfängerfehler. Das Auto eine Nummer kleiner und es gibt allein dafür 2,5K Rabatt, eine Nummer grösser und es gibt noch mehr.

Der 3,2 fährt sich gut … ein bisschen brav, erinnert an eine E-Klasse, ist ein bisschen wie Dampfer fahren. Frontantrieb ist des capt’ns Sache auch nicht, und Quattro tut angesichts des Preises nun wirklich nicht not.

Das Stoffverdeck a.k.a. Liegewiese für die weisse Nachbarskatze … hat man einmal einen Metalldeckel gehabt, ist das keine echte Option mehr, so gut sie die Akkustik inzwischen auch im Griff haben.

Nettes Feature für Dellenkönige: Vollkasko 600 Euro im Jahr, unabhängig vom eigenen Schadensfreiheitsrabatt. Coole Sache. Hilft dem capt’n aber nicht, er fährt SF hallejuja, seine Versicherung will auch nicht mehr haben.

Schön mal gesehen zu haben, schön mal gefahren zu haben. Aber gefühlt ist es ein höher motorisierter VW mit anderem Blech drum herum. Nur für einen VW ist der A5 zu teuer. Abgesehen davon dass er furchtbar ausschaut: Der EOS im show room nebenan fühlte sich fast genauso an, ist aber 25K günstiger.

Spassmobile wie den TT können sie, praktische Kombis können sie, elegante Limousinen können sie. Oberklassecabrios können sie nicht. Der Unterschied zu vergleichbaren Sternenkreuzern und Propellerträgern ist stellenweise erschreckend, und das kann das hübsche Blechkleid nicht rausreissen.

Montag wird er den Sternenkreuzer noch mal fahren, wie vor drei Jahren schon einmal. Vielleicht bleibt wenigstens der im Rennen. Der A5 ist ausgeschieden.