a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Hard-Rock-Tuning

06:30 Uhr. Der Termin in eine Stunde Autobahn ist um 08:00 Uhr. Der capt’n schaut verschlafen auf seine Armbanduhr, während er das Navi betatscht. Nicht, weil er den Weg dorthin nach bald 10 Jahren nicht auswendig im Schlaf kennen würde, sondern weil er den Fahrtenbucheintrag haben und sich nichts merken will.

Die Sonne geht gerade auf und zeigt ihm, dass alle seine Scheiben über nacht von einem Ameisenbären abgeleckt worden sein müssen, der Mohnkuchen und Haferbrei gefrühstückt hat.

Während das Navi in seinen Karten rum rührt, macht der capt’n sich startklar. Kaffee, Feuerzeug, Sonnenbrille statt Scheibenputztuch.

06:31 Uhr. Das Navi hat in der rush hour eine Route ausgewürfelt. Ankunftszeit 08:16 Uhr.

Der capt’n hebt die Sonnebrille an und schaut noch mal. 08:16 Uhr, das geht nicht. Er muss eine Viertelstunde finden. Das klappt auf der A6 nicht. Er schaltet den Nachbrenner ein, das Navi aus, klemmt das Messer zwischen die Zähne und wechselt von Radio-Dudel-Pop auf Van Halen. Er wird heute die Tour de Dorf fahren, Landstrasse, 13 Käffer bis zur A7, rechtwinklige Kurven, Kühe, Trecker, Hausfrauen.

Geronimooo.

Um 08:01 Uhr reitet er auf dem Werksgelände ein. Er ist jetzt sehr wach, seine Herzklappen haben einen ganz eigenen Takt gefunden. Das Navi hat ja keine Ahnung.

18:05 Uhr. Der capt’n ist müde und will heim. Er fummelt wieder am Navi rum. Geschätzte Ankunftszeit 19:40, es ist wieder rush hour.

Aber es hat 23 Grad und wolkenlosen Himmel. Der capt’n macht das Dach auf, stellt den Tempomaten auf Rentner, legt Smetanas  Moldau ein, zockelt gemütlich hinter den selben Nachtwächtern nach Hause, denen er zehn Stunden früher noch Tiernamen gegeben hatte und versucht, nicht einzuschlafen.

Er kommt um 19:28 im Raumdock an. Navis haben wirklich keine Ahnung.

Während die letzten Töne des zweiten Durchlaufs der Moldau ausklingen, schaut er kurz ins Fahrtenbuch. Hinfahrt: 17,1 Liter/100km. Rückfahrt 6,1 Liter/100km.

Der CD-Player scheint irgendwie zu erkennen, was für eine Disk drin liegt. Und dementsprechend in die Motorsteuerung einzugreifen. Anders kann der capt’n sich das überhaupt gar nicht erklären.

Nächste Woche wird er daher einen Test mit Def Leppard und Debussy machen.