a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Raserei

Den letzten Rest hat ihm wohl die verdammte Abwrackprämie gegeben. Sie hat das Land zu einem einzigen grossen Frauenparkplatz gemacht.

Früher konnte der capt’n auf einen halben Kilometer die stumpflackigen taubenblauen Golf Variants ohne jeglichen Chromschnickschnack erkennen, die unauffällig an völlig idiotischen Stellen abgestellt standen und in deren Heck ein Blitzer eingebaut war.

Und heute ? Die Schnittlauchtruppen haben aufgerüstet und fahren jetzt andere Fahrzeuge, zwar auch ohne jede sichtbare Ausstattung, nur dass heute selbst die billigsten Varianten mit lackierten Stosstangen daher kommen und sich ohnehin kaum noch voneinander unterscheiden.

Und dank der insgesamt stark erhöhten Zweitwagendichte wundert der capt’n sich heute bestenfalls noch über Kleinwagen, die schräg in einer Bushaltestelle stehen oder halb im Strassengraben, denn auf sämtlichen anderen unmöglichen Parkmöglichkeiten steht garantiert eine Hausfrau.

Und so habe ich endlich mal wieder Post bekommen.

„Ihnen wird vorgeworfen, am xx.xx.2010 um 11:29 als Führer und Halter des Raumschiffs mit dem amtlichen Kennzeichen NCC 1701 in XXXXXXXX, XXXXXXXXX folgende Ordnungswidrigkeit(en) nach §24 StVG begangen zu haben:

141237: Sie überschritten die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften um 13 km/h.

Bitte gehen Sie nicht über Los, bitte zahlen Sie 25 Euro.“

Nachdem die Strassenverkehrsordnung ja unser fehlendes Grundgesetz ersetzt nehme ich jetzt schlagartig den Finger aus der Nase, bin zutiefst zerknirscht und nehme dankbar und demütig meine gerechte und geringe Strafe zur Kenntnis. Ist ein fairer Preis dafür, dass ich die neuen Blitzschleudern (sie kaufen immer ein halbes Dutzend gleichartige) unserer ach so einfallsreichen Kommune nun kenne.

Nu muss ich der Automatik nur noch beibringen, bei 30 nicht in den zweiten Gang hochzuschalten mich in die Sitze zu pressen und auf lichtgeschwindigkeitsnahe 43 zu katapultieren.


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What a difference five years make

„Soll die Anwendung jemals mehrsprachig werden ?“ fragte der capt’n im Sommer 2005 den Kunden.

„Neinein, den Aufwand sparen wir uns, die sprechen hier alle deutsch,“ antwortete der Kunde, „wir machen das alles so einfach wie möglich“.

„Sicher?“
„Klar!“
„Sichersicher?“
„Ich schwör‘!“
„Hmm.“

2010:
„Du capt’n, soll ich Dir was Lustiges sagen, wir haben da jetzt einen Kunden in Amerika … ist das ein Problem ?“

„Naja, abgesehen von der Tatsache, dass ich meinem Psychiater viel Geld dafür bezahlt habe um dieses Projekt endlich vergessen zu können und lieber einen Tanzkurs machen als da noch mal reinfassen würde, eigentlich nicht.“

Der Spätsommer 2010 sieht den capt’n also eine umfangreiche (sie ist schliesslich vier Jahre lang gewachsen) Auswertungsanwendung für Messwerterfassungen lokalisieren. Und er buddelt sich durch externe Dialoge, externe DLLs, Resourcendateien, und achtet darauf, dass die englische Übersetzung eines deutschen Texts nicht länger ist als Platz zur Verfügung steht (was selten passiert, englisch ist meist deutlich prägnanter). Als nächstes wird er vermutlich anfangen, per debug.exe direkt in den binaries zu patchen.

Mittlerweile flucht er reflexhaft flüssig in beiden Sprachen, beim Bäcker hat er vorhin seine Bestellung in beiden Sprachen aufgegeben – was allerdings bei der fränkischen Gebäckfachverkäuferin sächsischer Abstammung keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Denn sie hat weder das eine noch das andere verstanden und ihm statt Brötchen Krapfen eingepackt.

Während der capt’n zweifelt, dass ihm lachsbelegte Krapfen schmecken mögen überlegt er, ob er die Software nicht gleich Unicode-fähig machen soll, in fünf Jahren kommen sie vermutlich ganz plötzlich auf die Idee, den Mist nach China zu exportieren.