a life less ordinary ?

the egghead diaries


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Das dunkle Zeitalter

Keine Gartengerätewochen mehr, keine Gesundheitswochen, Heimwerkerwochen, drauf geschissen.

Sonnenlichtlampenwochen. Denn im Gehege der Frauen herrscht Herbstdepression. Unheilbar kehrt sie wieder, pünktlich wie Malaria, zeigt aber andere Symptome.

Die Maya hatten nicht deshalb einen so genauen Kalender, weil sie die Sonne angeguckt haben. Der Mayakalender war deshalb so präzise, weil sie mit einem Auge auf die Sonne, mit dem anderen auf die Frauen um sich herum geschielt, und als erste die offensichtlichen Schlüsse gezogen haben. Während Männer immer gleich merkwürdig sind, mutieren Frauen ohne Sonnenlicht zu Ausserirdischen.

Da findest Du die toughe Enddreissigerin, die in sich mühsam reimenden Gedichten versucht, den Begriff „Herzschmerz“ in möglichst vielen Deklinationen unterzubringen. Gerne malt sie auch.

Neben Ihr steht die Frau unbestimmten Alters, die ihren latenten Kinderwunsch für die nächsten sechs Monate dadurch torpediert, jedweden potentiellen Samenspender durch vollkommen unbeherrschbare Emotionalität abzuschrecken, im kompletten Spektrum zwischen „fick mich“ und „keiner liebt mich“, und dabei innerhalb von 24 Stunden mehrfach von einem Extrem ins andere und zurück wandert.

Die exzessiv Backenden haben noch ein vergleichsweise einfaches Los. Sie müssen sich keine Sorgen machen, ihr Leben ist vorherbestimmt. Während sie im Winter Tonnenform anstreben, kann bereits die Frühlingsdiät geplant werden, deren Erfolg im nächsten Herbst leider ein paar Wochen zu spät eintritt, was wiederum zu exzessivem Backen führt. Auf sowas kann man sich einstellen, hat man es einmal akzeptiert.

Hinzu kommen die zeitweilig kulturell Überzeugten. „Ich brauche keinen Mann, ich geh lieber ins Museum / ins Konzert / zum Dritte-Welt-Gedächtnis-Menstruieren in die VHS“. Sie sind arm dran, denn im nächsten Frühjahr, wenn ihnen vor lauter Kultur die Galle überläuft sind sie die ersten, die wieder fieberhaft einen Mann suchen, sobald der erste Sonnenstrahl auf sie fällt.

Am schlimmsten betroffen sind jedoch die Orbiter. Während sie im Sommer senkrecht im Leben stehen, treten sie mit einsetzender Blattverfärbung an den Bäumen in eine Umlaufbahn von 72 Stunden Dauer ein:
„ich weiß nicht was ich will“
„hach, geht’s mir gut“
„ist eh alles egal“
„ab morgen nehme ich ab / ziehe ich um / wechsle den Job“
Doch kurz vor der Umsetzung des alles verbessernden Masterplans beginnen sie den nächsten Umlauf. In einem halben Jahr werden sie rund 60 Umläufe absolviert haben und präzise dort landen, wo sie gestartet waren, um erneut zu erblühen.

Herr Aldi, ich will ab sofort mannsgrosse Tageslichtlampen, gerne in pink oder mit floralem Dekorband in den Läden sehen, für 19,99. Wenn man eine kauft, kriegt man eine Nagelfeile, einen Lidschatten und ein Küchengerät kostenlos dazu.

Wenn Du nicht mitmachst, muss ich den grossen Kürbis bitten, der Kugel einen Schubser zu geben, der diese Scheiss-Jahreszeiten abschafft. Denn wenn das jetzt wieder ein halbes Jahr so weiter geht, stöpsel ich das Telefon aus, verweigere jeglichen Cafebesuch, lösche die blogroll, und werde solange schwul. Also tut mir den Gefallen, ja ?

Warum ? Weil die verbleibenden gefühlt 0,5 Prozent an Frauen entweder glücklich oder grauslich sind, oder mich nicht leiden können, was ich ihnen wiederum nicht mal übelnehmen kann.

Und grosser Kürbis, falls Du eh mitliest: Ein mehrwöchiger Spätsommer reisst’s nicht raus.