a life less ordinary ?

the egghead diaries

Ali ist im Stress

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Man wird ja als freischaffender Künstler / Bedarfsbitschubbser in der Welt der normalen Arbeitnehmer ohnehin als seltsames Tier betrachtet, das irgendwie nicht in die Herde passt. Was für interessante Ansichten es da so gibt, eigenes Thema.

Aber das beste von allem ist, wenn man mir vorschwärmt: „He, Du hast’s doch gut, Du kannst in Urlaub gehen wann Du willst“. Klar. Und der Mond ist ein Käskuchen. Ich kann eben nicht in Urlaub gehen, wenn ich Inbetriebnahmen vor der Brust habe, weil ich mich entspannen will und das handy im Hotelsafe lassen. Weil ich es hasse, aus dem Urlaub zu kommen und mit freigeblasenen Hirn von null auf 250 beschleunigt zu werden. Weil ich nach einer Inbetriebnahme nicht Unfallflucht begehe und den nächsten Flieger in die Walachei besteige. Weil die ganzen Uschis Heidis und Dieters genau dann entspannt aus dem Urlaub zurückkehren und ihnen die Arbeitswut aus den Augen tropft, wenn ich – weil Ferien rum – grad Lust hätte, Urlaub zu machen.

Trotzdem arbeite ich angestrengt an meiner Jahresurlaubsplanung. Zielvorgabe war: Nicht schon wieder über den Äquator fliegen, Sonne, Sand, 5000 Sterne am Himmel und 5 im Hotel, 10 Tage Zeit. Ob da alte Steine liegen die man umdrehen kann oder nicht, ist mir wurscht, ich drehe nur mich auf der Liege am Strand um. Abflug nicht von irgendeinem Acker in der Walachei, sondern von der homebase. Soweit alles noch kein Problem.

Doch Ali der Gemüsetürke mit angeschlossenem Reisebüro ist ratlos und schaut verkniffen drein. Denn es gibt da noch eine Nebenbedingung. Keine Ferien, und wenn das Hotel in egal welchem Prospekt als kinderfreundlich ausgewiesen ist, scheidet es aus bevor ich ein Bild gesehen habe. Und auch das mit den Ferien gestaltet sich schwierig, die Herbstferien hageln Ali furchtbar in die Planung, von jetzt bis Weihnachten sind scheint’s immer irgendwo Herbstferien, dabei sind hierzulande die Sommerferien erst morgen vorbei.

Nun muss man die Neckermänner ja verstehen, wer schiesst sich schon freiwillig aus dem Geschäft und sagt an, dass er nicht kinderfreundlich wäre. Der Aufschrei der Pampersfraktion ist in solchen Fällen ja bis zum Mond zu hören und führt zu sofortigem Ausschluss aus Vorständen, Parteien und Saunagemeinschaften. Weil es ja unverzichtbar ist, im Burj al Arab den kleinen Kevin am Tisch im Restaurant wickeln zu können, während ich einen Tisch weiter eine Schokoladenmousse geniesse, keine Frage.

Jedenfalls hat Ali grössere Schmerzen mit meiner Vorgabe, weil anlügen mag er mich auch nicht, er weiss, dass ich im Zweifelsfall einen tierischen Aufriss mache. Folglich ist er bereits so verzweifelt, dass er mir seinen besten Tip bislang nicht vorenthalten konnte: die Einmietung auf einer Privatinsel im persischen Golf, das Hotel hat mehr Sterne als Zimmer, klingt gut, kostet aber soviel wie eine E-Klasse. Ich musste leider dankend abwinken, was Ali tief betrübt hat. Nun sucht er weiter.

Wenn alle Stricke reissen, nörgel ich so lange rum, bis Ali mir eine Zehnerkarte fürs Sonnenstudio schenkt. Dazu ein Kilo Sonnencreme, weil „ein Kilo is nix viel“ bei Ali. Und eine Packung Schirmchen für die Daiquiries. Alle zwei Jahre wegfliegen ist ja auch schön. Argh, Ali, mach was !

11 Kommentare zu “Ali ist im Stress

  1. ohhhhm…medusalem…

    p.s. ich geb dir nen rat: lockerbleiben!
    versuchs mal mit meditation oder so;-)

  2. müssen sie sich kaufen…hab den kram auch nicht parat…ich bevorzuge leben…dann klappt das auch mit dem urlaub..egal ob strand oder was weiß ich…
    p.s. bein find ich gut.

  3. tschuldgung, dass ich vom thema bein (und so) abschweife und wieder zum eigentlichen bloginhalt komme (:D):
    genau wegen all den aufgezählten unliebsamkeiten buche ich seit jahren nicht mehr pauschal, sondern alles extra: flug und hotel und in letzterem gibts nur frühstück. damit ich entweder am strand oder in einem lokal meiner eigenen wahl die köstlichkeiten des landes verzehren kann, ohne von einem deutschen (!) hotelkoch in griechenland abhängig zu sein.

    • Das hab ich früher auch gemacht, dreiwöchige Reisen durch Absurdistan kompletto in Eigenregie zu organisieren. Aber ich bin ja von Natur aus ein fauler Sack und nicht mehr ganz so duldsam, wenn meine sorgfältig zusammengestellte Kombi dann vor Ort Löcher aufweist.

      Insofern ist Ali schon eine grosse Hilfe, er kennt z.B. meine Abneigung gegen mehrstündige Transfers mit einem Kotzbomber, der vom Flughafen alle Hotels anfährt … um mich dann im letzten auf der Route abzusetzen.

      Ich baue daher weiter stark auf seine Fähigkeiten.

  4. Urlaub? Das dann eher zuhause. Weil der Arbeitgeber mich schon in Laender schickt, in denen Touristenflieger noch bestaunt und dann mit angefaulten Bananen oder Datteln beworfen werden. So oder so nichts Gescheites.

  5. Die wollen Dir nur Wege ersparen und werfen Dir die Arbeit gleich zu. Und immer noch einfacher zu untersuchen als angefaulte Kamele.

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